Nach der Weihnachtsfeier blaumachen

19. Dezember 2016, 09:00
65 Postings

Wer feiern kann, kann auch arbeiten

foto: getty images / istock / damedeeso

Pro
von Sigi Lützow

Grundsätzlich gilt: Wer feiern kann, kann auch arbeiten. Dennoch ist Blaumachen nach der Weihnachtsfeier manchmal klüger. Zum Beispiel, wenn bei Erörterung der vorabendlichen Ausschweifungen Rotwerden droht. Selbstredend ist es besser, unhaltbaren Gerüchten so schnell als möglich entgegenzutreten.

Allerdings ist da Glaubwürdigkeit das oberste Gebot. So lässt sich schwer abstreiten, sternhagelvoll gewesen zu sein, ist – um die EAV zu zitieren – das Aug' noch "dunkelrot, und die Hypophyse spielt das Lied vom Tod".

Es ist auch besser, wenn nicht erst die Androhung dienstrechtlicher Konsequenzen zur völligen Ernüchterung führt. Ganz zu schweigen davon, dass man sich besser erst dann peinlichen Diskussionen stellt, wenn auch der letzte Schmetterling heraufgewürgt ist, den man im Bauch zu fühlen meinte. Natürlich stehen 99,9 Prozent der gefeiert Habenden nie vor solchen Problemen. Tun die aber am Tag nach der Arbeitgeberbescherung offensichtlich völlig ohne Beeinträchtigung Dienst, setzen sie sich dem Verdacht aus, elende, undankbare Langweiler zu sein.

Kontra
von Petra Stuiber

"Wer saufen kann, der kann auch arbeiten." Ein Satz wie ein Nadelstich, direkt ins kopfbewehte Hirn. So was konnte nur meiner Mutter einfallen, der es von jeher ein Anliegen war, die Torheiten ihrer Kinder schon im Keimstadium auszurotten.

Klar, dass dieser Satz am Tag nach dem ersten Damenspitzerl kam, das sich nicht ganz vor der überkritischen Mutter-Öffentlichkeit verbergen hatte lassen. Der Satz tat, wie gesagt, verdammt weh – zählt aber dennoch zu den wenigen Lebensweisheiten, die ich bis heute hochhalte.

Wer am Tag nach der Weihnachtsfeier kerzengerade im Büro steht (oder zumindest so tut), signalisiert damit: Egal, was gestern passiert ist, es kann mir nichts anhaben und hat keinesfalls etwas zu bedeuten. Dieser Schutzmantel ist, ich weiß es aus meiner ledigen Vergangenheit, durchaus etwas wert.

Dazu kommt ein Phänomen, das die US-Politologin Katherine Cramer in ihrem Buch "Politik der Missgunst" beschrieben hat: Wir laben uns gerne daran, dass es anderen noch dreckiger geht. Das kuriert am Tag nach der Weihnachtsfeier schneller als das Reparaturseidl. (RONDO, 19.12.2016)

Share if you care.