Novomatic-Einstieg bei Casinos Austria abgesegnet

14. Dezember 2016, 14:25
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Glücksspielkonzern übernimmt 17-Prozent-Anteil von Bablik und trat "vorsorglich" halbe Lotto-Beteiligung an Tschechen ab

Wien/Gumpoldskirchen – Die lange Bieterschlacht um die teilstaatlichen Casinos Austria kommt zu einem Ende. Die Eigentümer der Casinos machten am Mittwoch den Weg für den Einstieg des Erzrivalen Novomatic frei. Die MTB Privatstiftung von Maria Theresia Bablik überträgt ihren 17,2-prozentigen Casinos-Anteil an den niederösterreichischen Glücksspielriesen.

Das hat die von Bablik einberufene außerordentliche Hauptversammlung der Casinos genehmigt, wie das Unternehmen mitteilte.

Novomatic hatte lange sich mit zwei tschechischen Lotto-Milliardären um die Macht bei den Casinos Austria gematcht. Anfang des Jahres einigten sich die Interessenten dann auf eine gemeinsame Vorgehensweise. Den ursprünglich geplanten Deal lehnte das Kartellgericht jedoch im Sommer ab, darum kommt es nun zu einer anderen Lösung.

Damit Novomatic das 17-Prozent-Paket von Bablik übernehmen darf, hat der Konzern seine Lotterien-Beteiligung "vorsorglich" halbiert und an die tschechische Sazka-Gruppe verkauft. Die Lotterien sind eine 68-Prozent-Tochter der Casinos Austria, Novomatic war vor mehr als einem Jahr mit 23,11 Prozent indirekt bei den Lotterien eingestiegen.

Entscheidung über Stoss' und Hoschers Zukunft vertagt

Die Entscheidung über die Vertragsverlängerung der Casinos-Vorstände Karl Stoss und Dietmar Hoscher wurde am Mittwoch wie erwartet auf März vertagt. Ihre beiden Verträge laufen Ende 2017 aus.

Dies, obwohl eine Vertragsklausel vorsieht, dass es ein Jahr vor Auslaufen Gespräche über eine allfällige Verlängerung geben muss, wie die Casinos Austria am Mittwoch in einer Aussendung erklärten. "Es war geboten, das Thema der Vorstandsverträge erst nach der HV im Frühjahr 2017 zu behandeln, wenn die wesentlichen Entscheidungen zur Eigentümerstruktur bereits gefallen sind", wird Rothensteiner zitiert.

Stoss, der kürzlich seinen 60. Geburtstag feierte und auch Präsident des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC) ist, ließ sich folgendermaßen zitieren: "Ich kann durchaus nachvollziehen, dass der Aufsichtsrat die beiden Themen auch zeitlich getrennt behandeln und zunächst die Eigentümerfrage näher geklärt haben möchte. Ich bin zuversichtlich, dass in der Sitzung Ende März 2017 eine gute und tragfähige Lösung geschaffen wird."

Stoss hat in der jüngeren Vergangenheit mehrmals betont, dass er gerne Casinos-Chef bleiben würde. Ob ihn die neuen Großeigentümer, die tschechische Sazka-Group und der niederösterreichische Novomatic-Konzern, weiter an der Spitze haben wollen, wird in Branchenkreisen aber bezweifelt. Seinem Kollegen Hoscher (54) wird nicht das Format des Vorstandsvorsitzenden zugesprochen. Hoscher und Stoss sind seit längerem über Kreuz. Der Vertrag der dritten Casinos-Vorständin Bettina Glatz-Kremsner läuft bis Ende 2019.

Neumann: "Wichtiger Schritt"

Für Novomatic-Chef Harald Neumann ist der Einstieg "ein wichtiger Schritt für eine stabile und nachhaltige Kernaktionärsstruktur der Casinos-Austria-Gruppe. Als international führender und weltweit anerkannter Gaming-Technologiekonzern sind wir an einer werthaltigen Investition und einer guten Entwicklung der Casag interessiert", teilte er in einer Aussendung mit.

Novomatic hatte im Vorfeld der Übernahme des 17-Prozent-Anteils der bisherigen Casinos-Eignerin Maria Theresia Bablik den Anteil an der Casinos-Tochter Lotterien reduzieren müssen. Konkret trat der Konzern aus Gumpoldskirchen einen mittelbaren Anteil an der Österreichischen Lotterien GmbH (ÖLG) in Höhe von 11,56 Prozent an die zur tschechischen Sazka-Gruppe gehörenden Austrian Gaming Holding a.s. ab. Somit bleibe man auch an den Lotterien mit einem Anteil von unter 25 Prozent beteiligt, erklärte Novomatic.

Novomatic hatte sich vor mehr als einem Jahr einen 23-Prozent-Anteil an den Lotterien gesichert. Mit der Abtretung der Hälfte an die Tschechen dürften Wettbewerbsbedenken aus dem Weg geräumt sein. Die Tschechen sind bisher nicht am österreichischen Glücksspielmarkt aktiv, sie dürfen also, im Gegensatz zu Novomatic, unbeschränkt viele Lotterien-Aktien erwerben.

Novomatic ist ein weltweit aktiver Konzern, der Automaten herstellt und auch selbst betreibt. In den vergangenen Jahren drängen die Niederösterreicher aber auch auf den Lotto-Markt.

Die Casinos Austria erwirtschafteten zuletzt, im Geschäftsjahr 2015, einen Umsatz von 3,6 Mrd. Euro und ein Betriebsergebnis von mehr als 100 Mio. Euro. Für heuer rechnet Stoss "auf Basis signifikanter Verbesserungen in nahezu allen Geschäftsbereichen" mit einer abermaligen Ergebnissteigerung um mehr als 25 Prozent, wie er ankündigte.

Novomatic setzte 2015 mehr als 2 Mrd. Euro um und verdiente unterm Strich 220,7 Millionen Euro. Der Konzern gehört seinem Gründer Johann Graf, einer der reichsten Österreicher. (APA, 14.11.2016)

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