"Super Skinny": Magertrend bei New Yorker Wolkenkratzern

6. Jänner 2017, 10:00
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Die Türme mit der kleinen Grundfläche beherbergen meist Luxuswohnungen – und ernten dafür Kritik

Nicht nur in der Modebranche gibt es einen Magertrend, auch in der Architektur sind schlanke Formen angesagt. Besonders in New York sprießen derzeit sogenannte "Skinny" oder "Super Slender Towers" – also extrem schlanke Türme – aus dem Erdboden.

Der bisher schlankste fertiggestellte Turm steht an der Adresse 432 Park Avenue und liegt südlich des Central Parks. Bei dem 2015 fertiggestellten Turm handelt es sich um das dritthöchste Gebäude der USA – und den höchsten Wohnturm der Welt. Der von Rafael Vinoly Architects geplante Wolkenkratzer (siehe Bild unten) ist 426 Meter hoch – aber nur unglaubliche 28 Meter breit.

foto: ap photo/seth wenig

Dass ein solcher Turm überhaupt stabil steht, ist Fortschritten in der Bautechnik und neuen Materialien zu verdanken. Der Grund dafür, warum besonders in New York auf diese Silhouette gesetzt wird, liegt laut Medienberichten im Profitgedanken der Immobilienentwickler. Denn für eine Wohnung mit Ausblick über den Central Park werden astronomische Summen bezahlt. Das Penthouse des Turms 432 Park Avenue wurde um 95 Millionen Dollar an einen Milliardär aus Saudi-Arabien verkauft. Durch solche Preise rechnen sich die Türme trotz relativ hoher Errichtungskosten. Noch ein Faktor kommt in Städten wie New York zum Tragen: Innerstädtisches Bauland ist dort rar – und daher extrem teuer.

Laut dem Skyscraper Museum in New York, das dem Phänomen der schlanken Türme vor einigen Jahren eine ganze Ausstellung gewidmet hat, gibt es in der Metropole aktuell sechs solcher schlanken Türme – und bis 2019 könnten noch einmal elf dazukommen.

visualisierung: shop architects pc via ap

Dieser von SHoP Architects entworfene Wolkenkratzer zum Beispiel, der mit 304 Metern das höchste Gebäude Brooklyns werden könnte. Falls alles nach Plan läuft, soll der Turm, der unter anderem 550 Wohnungen und Geschäftsflächen enthalten wird, bis 2019 fertiggestellt sein, wird der Immobilienentwickler JDS Development Group in Medienberichten zitiert. Der Turm werde einer der schlanksten der Stadt sein, heißt es weiter.

Einer der ersten seiner Art: Der Turm One Madison, entworfen von CetraRuddy Architecture, wurde 2010 fertiggestellt.

JDS Development baut derzeit gemeinsam mit der Property Markets Group einen weiteren von SHoP Architects entworfenen schlanken Turm an der West 57th Street in Manhattan. Es soll der schlankste Wolkenkratzer der Welt werden. Nur 70 Wohnungen sollen im Turm entstehen – darunter ein vierstöckiges Penthouse.

Die 57th Street ist überhaupt der Hot-Spot der mageren Türme mit Luxuswohnungen, was der Straße den Spitznamen "Billionaire's Row" eingebracht hat. Hier steht auch der Wolkenkratzer One57 (im Bild unten, damals noch in Bau), der 306 Meter hoch und 2014 fertiggestellt worden ist. Das Penthouse des von Christian de Portzamparc geplanten Gebäudes wurde 2015 um 100 Millionen Euro verkauft.

foto: ap photo/bebeto matthews

Auch in anderen Städten, wo nur wenig Bauland verfügbar ist, wachsen die schlanken Türme in die Höhe – zum Beispiel in Hongkong. Die Meinungen zu der Mode sind geteilt: Die einen sehen sie, besonders in New York, als architektonische Verwirklichung gesellschaftlicher Ungleichheit – denn leistbare Wohnungen entstehen hier keine. Anderen gefällt die filigraner werdende Skyline von New York. (zof, 6.1.2016)

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