Einbruchsprozess: Jugendliche Fadesse in Transdanubien

15. Dezember 2016, 07:00
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Vier Teenager sind in ein Vereinslokal eingebrochen, haben es verunstaltet und 60 Euro gestohlen. Warum, wissen sie eigentlich nicht

Wien – An dieser Stelle ist gelegentlich von Transdanubien die Schreibe. Für die Nicht-Wiener: Das ist der Sammelbegriff für die beiden nordöstlich der Donau gelegenen Bezirke Floridsdorf und Donaustadt. In der allgemeinen Wahrnehmung in Cisdanubien gilt die Gegend als eher, nun ja, raueres Pflaster. Einen Einblick in die dortige Lebensrealität bietet ein Prozess gegen vier junge Menschen, die sich vor Richterin Daniela Zwangsleitner wegen Einbruchs verantworten müssen.

Das Verfahren ist ein wenig chaotisch. Die Erstangeklagte Janine F. (alle Namen geändert, Anm.) ist 14 Jahre alt, hochschwanger und kommt mit 20 Minuten Verspätung. Die Zweitangeklagte Jaqueline S., 15 Jahre alt, schafft es mit sechs Minuten, der 18-Jährige dritte, Kevin M., liegt irgendwo dazwischen. Der Viertangeklagte Elvis B. ist der Einzige, der es pünktlich geschafft hat.

Tatort Aktivspielplatz

Es geht um einen Vorfall Ende Juni auf dem "Aktivspielplatz Rennbahnweg". Die Rennbahnwegsiedlung ist ein großer Komplex von Gemeindewohnungen, der Spielplatz wird von einem Sozialverein betrieben. In das dazugehörige Vereinslokal sollen die vier Angeklagten eingedrungen sein, sich als Vandalen betätigt haben und eine Kassa mit 60 Euro gestohlen haben.

Alle sind geständig. "Wie sind Sie auf die Idee gekommen?", fragt Zwangsleitner den 18-jährigen Rädelsführer. "Weiß nicht. Uns war fad. Am Anfang hat es Spaß gemacht", antwortet der.

Auffällig ist, dass er mit einem kleinen Plastikkörbchen voller Metallgegenstände hier sitzt. "Was haben Sie denn da?", interessiert sich die Richterin. "Das haben sie mir unten gegeben", sagt der Viertangeklagte. Er meint die Sicherheitskräfte bei der Eingangskontrolle – die Körbchen sind eigentlich nur dazu gedacht, Metallisches kurz abzulegen, um die Schleuse passieren zu können. "Das müssen Sie wieder zurückgeben, sonst kommt noch Unterschlagung dazu", belehrt ihn Zwangsleitner.

Feuerlöscher, Sonnencreme und Ketchup

In dem Gebäude am Spielplatz hat das Quartett ziemlich gewütet. Ein Feuerlöscher wurde versprüht, Wände und Boden mit Farbe, Sonnencreme und Ketchup beschmiert. "Aber ich habe nichts kaputtgemacht", beteuert die 15-jährige Zweitangeklagte. "Die Farbe kann man ja eh wegputzen!" – "Aha. Und dass sich da irgendwer abmühen muss mit dem Wegschrubben? Das nennt man trotzdem Sachbeschädigung", erklärt ihr Zwangsleitner.

S. ist auch die Einzige, die schon eine Vorstrafe hat, nun droht ihr also eine Zusatzstrafe. "Warum haben Sie da mitgemacht?" – "Weil ich dumm war." – "Sie waren aber schon einmal dumm und wissen, was das für Konsequenzen hat", hält ihr Zwangsleitner vor und erntet geknicktes Schweigen. Drei Monate bedingt hat die Schulabbrecherin, die kommendes Jahr ihren Hauptschulabschluss nachholen und dann eine Friseurlehre beginnen will, damals ausgefasst.

Eine Verurteilung, dreimal Diversion

Sie ist die Einzige, die schlussendlich rechtskräftig zu weiteren drei Monaten bedingt verurteilt wird. Die anderen kommen mit einer Diversion davon. Die Hochschwangere mit Bewährungshilfe, die beiden Burschen müssen innerhalb eines halben Jahres 80 Stunden Sozialarbeit leisten.

"Haben Sie das verstanden?", fragt Zwangsleitner den 18-Jährigen, der weiter sein Körbchen festhält. "Ja." – "Also, wie viele Stunden müssen Sie arbeiten?" – "Das habe ich nicht verstanden." – "Das habe ich mir gedacht", sagt Zwangsleitner, ehe sie es ihm nochmals erklärt. (Michael Möseneder, 15.12.2016)

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