Grazer Schulprojekt: Videobotschaften von US-Veteranen

14. Dezember 2016, 14:23
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Grazer Schüler nahmen im Rahmen eines Projekts mit Historikern der Uni Graz Kontakt mit ehemaligen alliierten Piloten auf, die ihre Stadt im Zweiten Weltkrieg bombardieren mussten

Graz – "Ich wurde in Hollywood, Kalifornien geboren. Ich war ein Filmstar, bevor das jemand wusste", steht in einem der Fenster der Grazer Stadtbibliothek in der Kernstockgasse zu lesen. Das Zitat stammt von Hjalmar Johansson, einem heute 91-jährigen US-Amerikaner und Sohn schwedischer Einwanderer. Er wurde als junger Mann Flieger, liebte Flugzeuge seit seiner Kindheit. Dass er später Bomben auf die Steiermark werfen würde, war nicht geplant.

Noch bis 22. Dezember kann man in einer Ausstellung in den Fenstern der Stadtbibliothek mehr über ihn und seine ehemaligen Kameraden erfahren. Manche der US-Flieger, die halfen, Graz vom NS-Regime zu befreien, starben bei Abstürzen oder durch NS-Lynchjustiz, wieder andere wurden von Grazern gerettet und überlebten. Schüler und Schülerinnen der 6. und 7. Klassen der Grazer Klex-Schule haben gemeinsam mit dem Historiker Georg Hoffmann, der über die Bombenangriffe der Alliierten 2015 das Buch "Fliegerlynchjustiz" (Ferdinand-Schöningh-Verlag) veröffentlichte – DER STANDARD berichtete –, und mit seiner Kollegin Nicole Goll die Ausstellung "Bombenkrieg in Graz" erarbeitet. Dabei nahmen die Jugendlichen auch Kontakt mit den Veteranen auf, die ihnen rührende Videobotschaften zukommen ließen.

Auch Grazer Zeitzeugen wurden befragt und ihre Erlebnisse etwa in den Schlossbergstollen, die als Luftschutzbunker dienten, aufgezeichnet. Es entstand ein versöhnlicher Kontrapunkt zu manchen selbst nach mehr als 70 Jahren emotional geführten Diskussionen über den Bombenkrieg. Ein Teil der Ausstellung befasst sich mit einer Einheit afroamerikanischer Flieger, die innerhalb der US-Armee aufgrund der Rassentrennung diskriminiert wurden. So etwa Harold Brown, der im März 1945 über dem obersteirischen Trieben abstürzte und von Zivilisten misshandelt wurde. Der 91-Jährige hält heute Vorträge an US-Schulen. Nun kennen auch Grazer Schüler seine Geschichte. (Colette M. Schmidt, 14.12.2016)

Bis 22. Dezember in den Fenstern der Stadtbibliothek Graz in der Kernstockgasse 2.

  • Der Weltkriegsüberlebende Harold Brown, der 1945 abstürzte und dachte, er würde sterben.
    foto: privat

    Der Weltkriegsüberlebende Harold Brown, der 1945 abstürzte und dachte, er würde sterben.

  • Hjalmar Johansson während der Aufnahme seiner Videobotschaft an die Grazer Jugendlichen.
    foto: hoffmann, goll

    Hjalmar Johansson während der Aufnahme seiner Videobotschaft an die Grazer Jugendlichen.

  • Eines der Fenster der Grazer Stadtbibliothek mit den von Mediendesigner Roman Klug und Gymnasiastinnen gestalteten Schautafeln.
    foto: hoffmann

    Eines der Fenster der Grazer Stadtbibliothek mit den von Mediendesigner Roman Klug und Gymnasiastinnen gestalteten Schautafeln.

  • Gedenkstein im Grazer Bezirk Straßgang.
    foto: hoffmann

    Gedenkstein im Grazer Bezirk Straßgang.

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