"Legitim" statt "illegitim": Tippfehler führt zu Clinton-Hack

14. Dezember 2016, 11:11
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Ein Mitarbeiter wollte Clinton-Kampagnenleiter John Podesta vor Phishing bewahren, doch half den Hackern dank eines Tippfehlers sogar

Mit hunderten gefälschten E-Mails versuchten mutmaßlich russische Hacker vergangenen März, Zugang zu Konten von Politikern, deren Mitarbeitern und Regierungsbeamten zu erlangen. Besonders im Visier stand die Kampagne der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, deren Leiter John Podesta mehrfach mit Phishing-Mails bombardiert wurde. Mitarbeiter, die derartige Mails in Podestas Account fanden, fragten bei einem Kollegen nach, was jetzt zu tun sei. "Dieses Mail ist legitim", antwortete dieser, "John muss sofort sein Passwort ändern." Das Problem dabei: Das E-Mail war alles andere als legitim – und tatsächlich wollte der Mitarbeiter auch "illegitim" schreiben, er machte jedoch einen Tippfehler.

60.000 Mails ergattert

"Dieser Fehler verfolgt mich seitdem", sagte er später. Fakt ist, dass die Hacker hinter dem Phishing-Mail daraufhin Zugang zu John Podestas Mail-Acccount samt 60.000 E-Mails erlangen konnten. Diese tauchten daraufhin bei Wikileaks auf und spielten im US-Wahlkampf eine große Rolle. Ein ausführlicher Bericht der New York Times zeigt nun erhebliche Pannen im Umgang mit den Cyberangriffen auf. So nahmen Mitarbeiter des DNC, des demokratischen Parteikomitees, die Warnungen des FBI anfangs nicht ernst, da diese nur telefonisch erfolgten. Er sei sich nicht sicher, ob der Anrufer tatsächlich vom FBI sei, notierte ein Mitarbeiter etwa nach dem ersten Kontakt durch die US-Bundespolizei.

Pannenserie

Erst spät begannen die Demokraten, ihre Sicherheitsvorkehrungen zu erhöhen. Mittlerweile haben US-Geheimdienste eine Vielzahl von Indizien dafür, dass die russische Regierung hinter den Angriffen steckt. Der designierte US-Präsident Donald Trump zweifelte jedoch an diesen Berichten. In den nächsten Wochen könnte es zur Einberufung einer Untersuchungskommission kommen, Abgeordnete beider großen US-Parteien haben sich dafür ausgesprochen. (red, 14.12.2016)

  • Ein Tippfehler sorgte dafür, dass Clintons Kampagnenleiter John Podesta (im Hintergrund zu sehen) nicht vor Phishing gewarnt wurde
    foto: reuters/barria

    Ein Tippfehler sorgte dafür, dass Clintons Kampagnenleiter John Podesta (im Hintergrund zu sehen) nicht vor Phishing gewarnt wurde

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