OMV-Gazprom-Deal könnte noch an Norwegen scheitern

14. Dezember 2016, 12:04
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Russen tauschen Beteiligung in Sibirien gegen Anteile an Gasfeld in Nordsee

Wien – Die OMV hat mit der russischen Gazprom eine Grundsatzvereinbarung zum geplanten Assettausch von Öl- und Gasfeldern der OMV in der Nordsee gegen eine Beteiligung an der Gasförderung in Sibirien erzielt. Die Vorstandschefs von Gazprom und OMV, Alexej Miller und Rainer Seele, haben die rechtlich bindende Basisvereinbarung am Mittwoch in Wien im Beisein von Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) und dem stellvertretenden russischen Energieminister Anatoli Janowski unterzeichnet. Zuvor hatte der OMV-Aufsichtsrat den Deal abgesegnet.

grafik: apa

Endgültig fixiert werden soll der Deal bis Mitte kommenden Jahres. Die Transaktion steht nämlich noch unter dem Vorbehalt aller notwendigen Organbeschlüsse in den beiden Unternehmen sowie aufsichtsrechtlicher Genehmigungen in Norwegen.

Norwegens Zustimmung unsicher

Die Behörden in Oslo könnten den beiden Konzernen einen Strich durch die Rechnung machen. Gazprom-Vizechef Alexander Medwedew hatte im September gesagt, Norwegen blockiere das russische Vorhaben, mehr als 25 Prozent an den Nordsee-Gesellschaften der OMV zu kaufen. Die jetzt vereinbarte 38,5-prozentige Beteiligung würde den Norwegern folgerichtig zu hoch sein. Wegen der Russland-Sanktionen des Westens aufgrund des Ukraine-Konflikts gilt das Geschäft als politisch heikel.

Miller wollte sich am Mittwoch nicht zu den Chancen auf eine Genehmigung äußern. "Man soll Probleme dann lösen, wenn sie auftauchen", sagte er angesichts der anstehenden Gespräche mit den norwegischen Behörden, die demnächst beginnen sollen. OMV-Chef Seele betonte, beide Partner seien davon überzeugt, dass das Projekt wie geplant umgesetzt werden kann. Die Frage nach einem Plan B stelle sich nicht.

Das zuständige norwegische Öl- und Energieministerium ließ auf Anfrage wissen, man könne zu der Sache keinen Kommentar abgeben, sei doch noch kein Genehmigungsantrag eingelangt.

Produktion in Sibirien ab 2019

Mit der Transaktion soll die OMV eine 24,98-Prozent-Beteiligung an den Blöcken IV und V der Achimow-Formation des Urengoi-Erdgas- und -Kondensatfelds in Westsibiren erhalten. Die dortigen Förderstätten sollen in den kommenden beiden Jahren errichtet werden, 2019 soll die Produktion starten. Der größte deutsche Erdöl- und Erdgasproduzent Wintershall ist schon länger an dem Projekt beteiligt.

Laut Angaben der OMV soll bei ihrem Anteil an der Förderung in dem Gasfeld 2025 ein Plateau von mehr als 80.000 Barrel Öläquivalent ("boe") pro Tag erreicht werden. Zum Vergleich: 2015 lag die gesamte Tagesproduktion der OMV bei 303.000 boe. Bis 2039 will der Konzern in Sibirien knapp eine Milliarde Euro investieren. 40 Prozent davon fallen in den Jahren 2017 und 2018 an.

Im Abtausch mit den sibirischen Kapazitäten erhält Gazprom eine 38,5-Prozent-Beteiligung an der OMV Norge AS. Das norwegische Vermögensportfolio besteht aus 32 Bohrlizenzen in der Nordsee, bei fünf Lizenzen ist die OMV Betriebsführer. Die Produktion in den ersten neun Monaten des Jahres 2016 belief sich auf 67.000 boe pro Tag.

Förderung in Nordsee teuer

Zu den Anreizen für sein Unternehmen sagte Gazprom-Vorstandschef Miller am Mittwoch, es gebe Synergien bei der Logistik und Vermarktung. Aus technologischer Sicht sei eine Beteiligung in der Nordsee deshalb interessant, weil die Förderung von Öl und Gas in Russland bisher vorwiegend an Land erfolge, man aber einen Ausbau bei den Offshore-Gebieten anstrebe.

Angekündigt wurde der Deal bereits Anfang April. Für die OMV geht es dabei um die Lösung gleich zweier Probleme: Einerseits will man mit der Beteiligung in Sibirien an billiges Gas herankommen. Andererseits verringert sich ihr Engagement in der Nordsee, wo 2013 kräftig zugekauft wurde. Die dortige Förderung ist teurer und zudem mit milliardenschweren Investitionszusagen verbunden.

Die Transaktion soll nach derzeitigem Stand, abgesehen von möglichen Anpassungszahlungen beim Closing, ohne Ab- oder Zuflüsse von Barmitteln erfolgen und zum 1. Jänner 2017 wirksam werden. Sie soll die Reserven der OMV bis zum Vertragsende im Jahr 2039 um ungefähr 560 Millionen boe erhöhen.

Österreichische Infrastruktur bleibt unberührt

Der Einigung war ein langes Für und Wider vorausgegangen. Ursprünglich war angedacht, den Russen österreichische Assets zu überlassen. Das war aber politisch nicht gewollt. SPÖ-Vertreter hatten nach Bekanntwerden entsprechender Gerüchte vor einem Abverkauf strategisch wichtiger Infrastruktur gewarnt.

Die Raffinerie Schwechat bleibt deshalb ebenso österreichisch wie das heimische Pipelinenetz. Seele hatte vor mehr als einem Jahr bekanntgegeben, dass die OMV bis zu 49 Prozent ihrer Tochter Gas Connect Austria verkaufen wolle. Kritiker sahen im Fall einer solchen Gazprom-Beteiligung die Sicherheit der Gasversorgung der österreichischen Haushalte und Industrieunternehmen gefährdet.

Bei der Unterzeichnung am Mittwoch waren sowohl Schelling als auch Janowski voll des Lobes für die Vereinbarung. Seele sprach vom Beginn einer intensiven Zusammenarbeit. Bedenken, man könnte sich zu sehr von russischen Gaslieferungen abhängig machen, räumte er aus: "In 48 Jahren haben wir jeden Kubikmeter Gas bekommen, den wir haben wollten." Miller sagte, der Schritt werde die Sicherheit und Stabilität der Gaslieferungen nach Europa erhöhen. Man betrachte Österreich als wichtigen Verteilerknoten für Länder wie Deutschland und Italien. (smo, APA, 14.12.2016)

  • Die blaue Flamme der russischen Gazprom wird in Zukunft auch über der Nordsee brennen. Die OMV erhält im Gegenzug Anteile an einem Förderprojekt in Sibirien.
    foto: reuters / maxim zmeyev

    Die blaue Flamme der russischen Gazprom wird in Zukunft auch über der Nordsee brennen. Die OMV erhält im Gegenzug Anteile an einem Förderprojekt in Sibirien.

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