Neue Erkenntnisse zum strengen Duft des Spargelurins

14. Dezember 2016, 05:30
105 Postings

Forscher haben für die Weihnachtsnummer des "British Medical Journal" ermittelt, wie viele Menschen Spargelurin nicht riechen können und woran das liegt

London – Der eher feinsinnige französische Schriftsteller Marcel Proust war einer der wenigen, der den Geruch mochte: Der Duft würde seinen Nachttopf in eine Parfumflasche verwandeln, ließ Proust verlauten. Für die Mehrheit riecht Spargelurin vermutlich aber eher streng und faulig – einmal vorausgesetzt, dass man den Geruch überhaupt wahrnehmen und produzieren kann.

Asparagusinsäure sorgt für Schwefelmoleküle

Verantwortlich für das Aroma ist, wie die Wissenschaft längst weiß, der im Gemüse enthaltene Aromastoff Asparagusinsäure, der bei vielen der Menschen im Körper enzymatisch in schwefelhaltige Stoffe (wie zum Beispiel S-Methyl-thioacrylat) gespalten wird, um dann über den Urin ausgeschieden zu werden. Unklar ist nur, wie hoch der Anteil jener Menschen ist, die dazu nicht in der Lage sind. Aktuell geht man von 60 Prozent aus.

Es gibt in Sachen Spargelurin aber noch eine weitere Besonderheit: Nicht alle Menschen können den strengen Duft wahrnehmen. Sie leiden an einer sogenannten spezifischen Anosmie, also einem selektiven Nichterriechen dieser schwefelhaltigen Stoffe. Wie viele Prozent der Menschen davon betroffen sind und warum, war bis jetzt weniger erforscht als die Spargelurinproduktion.

60 Prozent Spargelanosmiker

Die Lösung des Problems liefert nun eine Studie in der traditionell originellen Weihnachtsnummer des "British Medical Journal": Forscher um Lorelei Mucci (Harvard T.H. Chan School of Public Health) haben 6909 US-Amerikaner europäischer Herkunft den Geruchstest machen lassen. Und der zeigte, dass 58 Prozent der Männer und 62 Prozent der Frauen den strengen Spargelurinduft nicht wahrnehmen können.

Den Unterschied zwischen Männern und Frauen, die eigentlich einen besseren Geruchssinn als Männer haben, erklärt Mucci damit, dass womöglich die etwas diskretere Art der Duftstoffabgabe bei den Frauen eine Rolle spielen könnte. Und im Gegensatz zu einer Ende 2010 erschienenen Studie, die das selektive Nichtriechen einer Mutation nahe des Gens OR2M7 in die Schuhe schob, fanden Mucci und Kollegen nicht weniger als 871 genetische Variationen, die an der Anosmie beteiligt sind. (Klaus Taschwer, 14.12.2016)

  • Das wird streng riechen – allerdings nur bei rund 60 Prozent aller Spargelesser bzw. nur für 60 Prozent jener Personen, die an Spargelurin schnuppern.
    dpa

    Das wird streng riechen – allerdings nur bei rund 60 Prozent aller Spargelesser bzw. nur für 60 Prozent jener Personen, die an Spargelurin schnuppern.

Share if you care.