"Rogue One: A Star Wars Story": Zwischen Jedha und Scarif

13. Dezember 2016, 18:00
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Mit "Rogue One: A Star Wars Story" leistet sich die populäre Sternensaga ihr erstes Spin-off. Nach vielen Schauplätzen und nur ein paar Schlachten weniger implodiert dieser Film wie ein kaputter Todesstern

Wien – Obwohl man sich als Zuschauer bereits ganz sicher ist, weil einem bis zu diesem Moment nicht nur einmal mit dem Zaunpfahl vor der Nase gewinkt wurde, bekommt man es sicherheitshalber auch noch gesagt: "Rebellions are built of hope." Es soll nämlich Menschen geben, die die Hoffnung längst aufgegeben haben. Nicht so die Rebellen, die sich gegen das Imperium auflehnen. Die haben nach wie vor von allem ein bisschen was: Hoffnung, Waffen und Gesichter.

Was für den Zuschauer also geklärt ist, stellt die Heldin dieses Abenteuers eine halbe Stunde später dennoch vor eine Denksportaufgabe. Mit wem hat sie es hier eigentlich zu tun? "Allies or rebels, or whatever they are called these days." Diese Frage ist schon in der Realpolitik der neuen Kriege schwierig zu beantworten, in denen zwischen Freund und Feind oft nicht mehr zu unterscheiden ist. Die Antwort bleibt man ihr wohlweislich schuldig, auch deshalb, weil sie keine Rolle spielt. Nur der Gegner zählt.

Der hat zwar auch Waffen und Hoffnung, aber dieses Bodenpersonal hat bekanntlich kein Gesicht. Es sind die Sturmtruppen – wahlweise in Weiß, Khaki oder Schwarz – des Imperiums, und bei jenen, die ein Gesicht haben, wie etwa die Offiziere, ist es so bleich wie jenes des digital zum Leben erweckten Peter Cushing als böser Grand Moff Tarkin. Obwohl der ganz oben mit dem schwarzen Stahlhelm, den sie Lord nennen, wiederum keines besitzt. Aber lassen wir das.

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Rogue One: A Star Wars Story – Trailer

Schwarzer Regen

Rogue One: A Star Wars Story ist ein sogenanntes Spin-off, ein Ableger einer Serie, der sich oft dadurch definiert, dass er die Geschichte einer populären Nebenfigur erzählt, etwa jene von Wolverine oder Stockinger. In diesem Fall hat man darauf verzichtet, das Leben von Sympathieträgern wie Chewbacca, C-3PO oder FN-2187 vor uns auszubreiten, sondern lieber einfach nur einen Kriegsfilm im Weltall gedreht. Also kämpft ein junges Paar, eine Ingenieurstochter (Felicity Jones) und ein Nachrichtenoffizier der Allianz (Diego Luna) auf mehreren Planeten gegen das Imperium und dafür, diesem die Pläne für den tödlichen Todesstern, die Superwaffe, zu entwenden.

Ein Stationendrama also, bei dem sich die Landschaften mit den jeweiligen Schauplätzen zwar verändern – manchmal ist es sehr dunkel und regnet, manchmal scheint die Sonne, und es ist sehr heiß -, die Erzählung sich aber irgendwo dazwischen verliert. Wer seine 3-D-Brille vergessen hat, braucht sich nur über die teure Eintrittskarte zu ärgern, denn auf der Leinwand macht das keinen Unterschied, nur hin und wieder sieht man Figuren etwas verschwommen. Aber die sind ohnehin gleich wieder aus dem Bild verschwunden. Die Planeten heißen zum Beispiel Jedha und Scarif, und angesiedelt ist die, nun ja, Erzählung zwischen den Episoden III und IV der eigentlich abgeschlossenen Sternensaga. Als Regisseur noch mehr Budget verwalten als bei seinem Godzilla-Remake durfte Gareth Edwards.

Fanatisches Stoßgebet

Dabei verlaufen die ersten zwanzig Minuten recht passabel: Mads Mikkelsen schickt als in die Hände des Imperiums geratener Wissenschafter seine kleine Tochter auf die Flucht – ein früher Vaterverlust, der als Kompensation der späteren Revolutionärin beinahe zum Verhängnis wird. Manches ist hier noch angedeutet wie etwa die Dimensionen des Setdesigns, woraus ein Mehrwert hätte geschöpft werden können.

Doch dann folgen noch zwei Stunden, in denen Rogue One von einer Szene zur nächsten förmlich implodiert. Nebencharaktere und potenzielle Leistungsträger wie Forest Whitaker als alliierter Kriegsveteran klappen wie Schießbudenfiguren hoch und tauchen wieder ab, während sich das zur finalen Schlacht sich versammelnde Grüppchen auf der Kippe zur Selbstpersiflage bewegt. Da menschelt der Sicherheitsdroide und schickt der blinde Mönch ein fanatisches Stoßgebet ins Universum. So wahr mir die Macht helfe! Die Pläne für den Todesstern werden übrigens – Achtung, kein Spoiler! – erfolgreich gestohlen.

Der Vorwurf von Trump-Anhängern – die den Film selbstverständlich nicht gesehen haben – gegen Disney, dass der Film unfreundliche Anspielungen auf den neuen Präsidenten beinhalte, entbehrt jeder Grundlage. Aber wie sagte der Wissenschafter, der noch klüger war als die imperialen Ingenieure? "Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber beim Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher." (Michael Pekler, 14.12.2016)

Ab Donnerstag im Kino

  • Da fehlt nur noch der Stahlhelm zur perfekten Verkleidung: Felicity Jones auf dem Weg in die imperiale Kommandozentrale.
    foto: 2016 lucasfilm ltd.

    Da fehlt nur noch der Stahlhelm zur perfekten Verkleidung: Felicity Jones auf dem Weg in die imperiale Kommandozentrale.

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