Schlaf könnte helfen, Traumata zu verarbeiten

13. Dezember 2016, 17:12
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Eine Studie hat gezeigt, dass Schlaf in den ersten 24 Stunden nach einem traumatischen Ereignis helfen kann, die belastenden Erinnerungen besser einordnen und verarbeiten zu können

Zürich – Hilft Schlaf bei der Verarbeitung von Stress und Trauma? Oder verschärft er sogar die Reaktionen? Diese Fragen stellten sich Wissenschafter der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich. Für ihr Experiment zeigten die Forscher 71 gesunden Probanden einen äußerst verstörenden Film. Ein Teil der Versuchspersonen schlief nach dem Anschauen des Videos eine Nacht im Labor. Dabei wurde per Elektroenzephalogramm (EEG) die Hirnaktivität überwacht und sichergestellt, dass sie tatsächlich schliefen. Die anderen Studienteilnehmer blieben wach und schliefen erst 24 Stunden später wieder.

Während sieben Tagen nach dem Film sollten die Probanden zudem ein Tagebuch führen, um die wiederkehrenden Erinnerungen daran zu dokumentieren. Demnach tauchten die verstörenden Bilder immer wieder aus dem Nichts vor ihrem inneren Auge auf – begleitet von den gleichen negativen Gefühlen wie beim Anschauen des Videos. Dies sei sehr ähnlich zu den "Flashbacks", von denen Patienten mit Posttraumatischen Belastungsstörungen berichten, betonen die Wissenschafter.

"Unsere Ergebnisse zeigen jedoch, dass Personen, die nach dem Film schliefen, weniger und weniger belastende wiederkehrende emotionale Erinnerungen hatten als diejenigen, die wach blieben", sagt Birgit Kleim, Erstautorin der Studie. Dies stütze die Annahme, dass dem Schlaf nach traumatischen Erlebnissen eine schützende Wirkung zukomme.

Konträre Ergebnisse zu früheren Studien

Die Ergebnisse von Schweizer Forschern widersprechen allerdings früheren Studien, die zu dem Schluss kamen, dass Schlafentzug beängstigende Erinnerungen mildern kann. Diesen Widerspruch erklärt Kleim so: "Erinnerungen bestehen laut einer gängigen Theorie aus zwei Teilen, dem Inhalt und einer Art emotionalen Hülle." Schlaf unterstütze das Abspeichern der Inhalte, baue aber gleichzeitig die damit verbundenen negativen Emotionen ab. "Das macht die Erinnerung weniger belastend. Und letztlich soll ein Trauma ja eingeordnet werden in die Autobiografie eines Individuums."

Die Forscher betonen, dass es bislang noch zu wenig Forschung zur Wirkung von Schlaf in der Zeit direkt nach einem belastenden Erlebnis gibt. "Die Frage ist, was man Personen direkt nach einem Trauma anbieten kann, um das Risiko einer Posttraumatischen Belastungsstörung zu senken. Unser Ansatz bietet eine wichtige nicht-invasive Alternative zu den aktuellen Versuchen, Trauma-Erinnerungen zu löschen oder dies durch Medikamente zu unterstützen", so Birgit Kleim. (APA, sda, 13.12.2016)

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