Wenn der Postmann keinmal klingelt

14. Dezember 2016, 12:33
303 Postings

Weihnachten ist Hochsaison für Paketdienste. Das Warten kann zum Geduldspiel werden. Doch der Kunde hat Rechte

Wohl jeder kann ein Lied davon singen. Man wartet auf das angekündigte Paket, und nichts kommt. Bis auf den gelben Zettel, der irgendwo zwischen Gegensprechanlage und Haustor pickt, ohne dass der Zusteller geklingelt hätte. Ob DHL, DPD, Hermes, GLS, UPS oder Post – bei allen gab und gibt es Beschwerden, wobei die Österreichische Post, die den privaten Paketmarkt dominiert, noch am besten abschneidet.

Die Branche wächst, nicht zuletzt wegen des boomenden Online-Geschäfts, wobei mehr Waren aus dem Ausland nach Österreich kommen als umgekehrt. So wurden vergangenes Wochenende 615.000 Pakete allein von der Österreichischen Post verarbeitet – was ungefähr doppelt so viele sind wie abseits der Hochsaison. Für den Gesamtmonat Dezember rechnet die Post mit einer ähnlichen Zahl wie im vergangenen Jahr: nämlich mit 8,5 Millionen verteilten Paketen. Angesichts dieser Mengen sind fehlgeleitete oder verlorengegangene Pakete doch eher die Ausnahme als der Regelfall. Ein Ärgernis sind sie dennoch.

Vieles kann man bei Online-Einkäufen bereits im Vorfeld tun, damit der Schaden erst gar nicht eintritt, so Barbara Forster vom Europäischen Verbraucherzentrum Österreich (EVZ). So sollte man sich in jedem Fall vergewissern, dass ein Unternehmen auch ein Impressum mit Postanschrift hat. Denn wo keine Postanschrift, da auch keine Klagemöglichkeit. Schwierig bis nahezu aussichtslos wird es jedoch, wenn das Unternehmen beispielsweise in China ansässig ist. Klagen in EU-Staaten sind dagegen im Bedarfsfall kein Problem. Ein weiterer Punkt sind die allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB): Welche Lieferzeiten sind vereinbart, wer zahlt bei Rücksendungen, gibt es Musterformulare?

Im Folgenden ein kurzer Überblick über die Rechte der Verbraucher:

Lieferung: Auch wenn es banal klingen mag: Wenn eine Ware bestellt wird, sollte die vollständige Adresse, also auch Stockwerk, Stiege usw., angegeben sein, rät Forster. Grundsätzlich sieht das Gesetz die Möglichkeit vor, dass ein bevollmächtigter Dritter das Paket in Empfang nehmen darf. Wird jedoch ein Paket einfach vor die Tür gestellt oder irgendjemandem ausgehändigt, und es verschwindet, trägt der Verkäufer bzw. der von ihm betraute Zusteller die Gefahr, weiß Forster. Hier liegt keine gesetzeskonforme Lieferung vor.

Verlust: Stammt die Ware von einem gewerblichen Versandhändler und kommt nie an, muss dieser den Kaufpreis rückerstatten. Bei Paketen von privaten Absendern kann man den Paketdienst zur Rechenschaft ziehen.

Lieferfristen: Diese stehen in den Geschäftsbedingungen. Kommt es zu Verzögerungen, kann man dem Verkäufer beziehungsweise dem Paketdienst eine Nachfrist (im Regelfall von zwei bis drei Wochen) setzen. Das erleichtert die Lage, wenn es zu einem Rechtsstreit kommt. Wird auch die Nachfrist nicht eingehalten, kann man vom Vertrag zurücktreten.

Sofern im Kaufvertrag (z. B. in den AGB des Händlers) keine Lieferfrist vereinbart wurde, muss der Verkäufer Ihre Bestellung bei seinem Onlineshop binnen längstens 30 Tagen liefern, so das EVZ Österreich.

Rücktrittsrecht: Das Gesetz regelt ein zweiwöchiges kostenloses Rücktrittsrecht ohne Angaben von Gründen. Voraussetzung ist, dass die Waren unbeschädigt an den Verkäufer zurückgehen. Beispiel Schuhe: probieren ja, spazieren gehen natürlich nicht. Das gilt aber nur, wenn Privatpersonen bei Unternehmen shoppen, nicht für Einkäufe von privat zu privat (wie beispielsweise Ebay, Willhaben.at usw.). Weitere Ausnahmen bilden eigens angefertigte Waren (wie bedruckte T-Shirts, bestickte Taschentücher) sowie Konzertkarten, Flugtickets oder Tickets für Sportveranstaltungen etc.

Beschädigtes Paket: Hier gibt es laut Forster mehrere Möglichkeiten: Ist bereits von außen ein Schaden sichtbar, muss man die Ware gar nicht erst annehmen, sie gilt damit als nicht zugestellt. Wird der Mangel erst nach dem Öffnen bemerkt, greift ebenfalls das Rücktrittsrecht. Wer hier für die Kosten der Rücksendung aufkommt, ist in den Geschäftsbedingungen festgehalten. Bemerkt man erst später, also nachdem die Ware verwendet wurde, einen Fehler, tritt die Gewährleistung in Kraft (das gilt nicht nur für Käufe übers Internet).

Verständigung an der Haustür: Wird der Käufer zu Hause nicht angetroffen, findet er zumeist einen gelben Zettel an der Tür. Doch was, wenn der verschwindet? Forster: "Das muss noch ausjudiziert werden." Denn es noch nicht geklärt, ob ein Paket bereits als zugestellt gilt, sobald die Verständigung beim Käufer ankommt beziehungsweise ab wann dann die kostenlose Frist für das Rücktrittsrecht läuft.

Bei all den Möglichkeiten, was alles schiefgehen könnte, sollte man aber nicht außer Acht lassen, dass Paketdienstkunden auch Annehmlichkeiten genießen: Sie können häufig Wunschtage oder alternative Adressen für den Empfang angeben und den Zustellprozess im Internet verfolgen. (ch, 14.12.2016)

  • Mit dem boomenden Online-Handel nimmt auch das Geschäft mit den Paketzustellern zu. Hochsaison ist die Zeit rund um Weihnachten.
    foto: imago

    Mit dem boomenden Online-Handel nimmt auch das Geschäft mit den Paketzustellern zu. Hochsaison ist die Zeit rund um Weihnachten.

Share if you care.