"Refashioning Austria" in Schanghai: 1.200 Quadratmeter österreichische Mode

Ansichtssache14. Dezember 2016, 12:57
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Die Designerin Claudia Rosa Lukas hat in Schanghai eine Schau zu österreichischer Mode kuratiert

Am Ende ging's auch ohne Sisi-Kostüm. Keine Selbstverständlichkeit in Schanghai. Wer in China eine Ausstellung zu österreichischer Mode gestaltet, hat mit Erwartungen zu rechnen. Österreich, das ist hier Mozart, Schubert – und natürlich Sisi. Man kennt die picksüßen Filme mit Romy Schneider, vor zwei Jahren wurde das Musical "Elisabeth" der Vereinigten Bühnen Wien in Schanghai mit Standing Ovations begrüßt. Im Moment läuft "Mozart", dem Klischee der klingenden Mozartkugel wird in der 30 Millionen-Metropole nach wie vor zugespielt.

Claudia Rosa Lukas kann ein Lied davon singen. Die Kuratorin steht inmitten ihrer Ausstellung "Refashioning Austria" im Liu Haisu Art Museum im Westen der Stadt. Vor dem Museum drücken sich die Autos über die Yan'an West Road, Rush Hour am späten Nachmittag: "Immer wieder bin ich im Laufe der einjährigen Vorbereitung auf die Ausstellung nach einem Sisi-Kostüm gefragt worden." Sie blieb standhaft. Ihre Ausstellung zeitgenössischer österreichischer Mode, initiiert vom Bundeskanzleramt, kommt ohne Sisi, Tracht und Co aus – fast zumindest.

Lukas, die in der Vergangenheit vier Modeausstellungen in London organisiert hat, verteilt auf 1.200 Quadratmetern Positionen der letzten fünfzehn Jahre österreichischen Modeschaffens. Und bündelt das breite Spektrum in vier Kapitel. Rund siebzig Arbeiten verteilen sich über zwei Räume – vom Mailänder Modeliebling Arthur Arbesser bis zu Wendy & Jim. Auf Puppen drapiert wurden Looks von Ledergürtel-Fetischistin Marina Hörmanseder, Gon oder Flora Miranda – und es gibt Holzschlapfen von Rosa Mosa und Ketten von Florian Ladstätter zu sehen.

Für all jene Besucher, denen die österreichische Modeszene bislang ein Buch mit sieben Siegeln und Österreich das Land der Berge war, kann die Ausstellung als erster Einblick und Anriss funktionieren. Auch, weil sie die Besucher mit einer "Austrian Timeline" an die Hand nimmt: Wiener Kongress, Wiener Werkstätte, Gertrud Höchsmann, Adlmüller, Helmut Lang und Westwoods Kompagnon Andreas Kronthaler sind da gelistet. Dazwischen versteckt: Kaiserin Elisabeth in ihrem Seidenbrokatkleid von Charles Frederic Worth. Trachtenelemente werden in homöopathischen Dosen gereicht – zum Beispiel mit einem Film von Susanne Bisovsky (die 2010 zur Expo in Schanghai die Outfits für den österreichischen Pavillon entwarf).

Zu guter Letzt wird der Bogen geschlagen zwischen China und Österreich: Vier österreichische Designerinnen haben dem chinesischen Maler und Museumspatron Liu Haisu eigene Entwürfe gewidmet. Im Gegenzug haben sich Modestudentinnen der Donghua Universität in Schanghai an Emilie Flöges Reformkleidern abgearbeitet. In den knapp 300 Seiten starken Katalog haben es auf diesem Umweg auch einige Klimt-Bilder geschafft. Auf sie konnte man in Schanghai dann doch nicht verzichten.

michael dürr

Links ein Look des Wiener Modelabels DMMJK, rechts Fotografien von Benjamin Eichhorn.

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Zitronengelbes Gürtelkleid von Marina Hörmanseder, dahinter Fotografien von Peter Garmusch.

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Stift-Schuhe von Dimitrije Gojkovic ...

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... und Schuhe von Carolin Holzhuber.

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Zum Blättern: Fotos von Yasmina Haddad.

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Kleider von Rani Bageria, Flora Miranda, km/A, Lena Hoschek, Inga Nemirovskaia, Gon (von links).

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Von links: Modefotografien von Lukas Gansterer für Wendy & Jim, Andreas Waldschütz, Britta Burger, Jork Weismann und Bettina Komenda.

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foto: michael dürr

Fotografien von Elfie Semotan, Ernst Herold & Marcus Wiesner und Michael Dürr (von links nach rechts)

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Viertes Kapitel: Video von Martin Reinhart von 2006, im Hintergrund die österreichischen Liu-Haisu-Interpretationen von Awareness and Consciousness, Agnes Nordenholz, Steinwidder und Veronika Persché. (Anne Feldkamp, 14.12.2016)


Claudia Rosa Lukas zu österreichischer Mode: "Kaum ein Gesicht"


Die Reise nach Schanghai erfolgte auf Einladung von BKA/ austrianfashion.net

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