Sieben Jahre Haft für Vergewaltigung im Hallenbad

13. Dezember 2016, 12:29
529 Postings

Ein 21-Jähriger sitzt zum zweiten Mal vor Gericht, weil er im Theresienbad einen Zehnjährigen vergewaltigt haben soll. Er spricht vom Satan

Wien – Staatsanwalt Wolfram Bauer kann in seinem Eröffnungsplädoyer seine Verwunderung, warum er heute arbeiten muss, nicht ganz verbergen. Denn der Prozess gegen Amir A., der sich vor einem Jahr in einem Wiener Hallenbad an einem Zehnjährigen vergangen hat, findet bereits zum zweiten Mal statt. Obwohl der heute 21-Jährige schon im ersten Prozess geständig war, hat sein Verteidiger Roland Kier Berufung eingelegt – der der Oberste Gerichtshof teilweise stattgegeben hat.

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Beate Matschnig muss nun also entscheiden, ob es nicht nur schwerer sexueller Missbrauch von Unmündigen gewesen ist, sondern auch eine Vergewaltigung vorliegt. Im ersten Prozess wurde er zu sechs Jahren verurteilt, nun drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft.

"Brutalität" und "Skrupellosigkeit"

Für den Ankläger ist der Angriff am 2. Dezember 2015 im Theresienbad in Wien-Meidling "auffallend in der Brutalität". Und er prangert die "Skrupellosigkeit" des irakischen Asylwerbers an, da er zunächst auch noch einen 15-jährigen Begleiter verleumdete und behauptete, dieser habe ihm den Buben "besorgt".

Der unbescholtene Angeklagte sitzt mit gesenktem Kopf auf dem Anklagestuhl und erzählt Matschnig, was damals vorgefallen ist. "Ich war im Bad und habe ihn sitzen gesehen. Ich war wie vom Satan befallen, mein Gehirn hat aufgehört zu arbeiten, es war wie ein Blackout." Im ersten Verfahren hatte er noch gesagt: "Der Anblick hat mich so erregt, dass ich mich nicht zurückhalten konnte."

Er nahm das Kind an der Hand, ging mit ihm auf die Toilette, versperrte die Tür und fiel über ihn her. "Ich habe Unzucht betrieben", übersetzt der Dolmetscher. "Was haben Sie sich gedacht?", fragt ihn Matschnig. "Nichts." – "Haben Sie irgendeine Ahnung, was das für das Kind bedeutet?" – "Ich habe nicht daran gedacht."

Nach dem Angriff ging A. zurück und badete weiter. Sein Opfer verständigte den Bademeister, der die Polizei rief.

Neigung zu Männern

Der Privatbeteiligtenvertreter, der 5.000 Euro für das Kind fordert, hinterfragt die sexuelle Orientierung des verheirateten Vaters. Ja, er habe eine Neigung zu Männern, gibt er zu. "Aber ich beziehe das auf 18- bis 19-Jährige." In seiner Heimat habe er mit Männern verkehrt, "aber nicht mit Kindern".

Der Opfervertreter hat auch bei der irakischen Botschaft recherchiert. "Kennen Sie die Strafen im Irak für dieses Verbrechen?", fragt er. "Nein. Ich habe dort noch nie mit der Justiz zu tun gehabt." – "In der letzten Verhandlung haben Sie noch gesagt, es wäre eine Geldstrafe." – "Im Irak kann man jede Haftstrafe in eine Geldstrafe umwandeln", behauptet der Angeklagte. Ob das stimmt, weiß der Anwalt nicht, er kann A. aber die Mindeststrafe für seine Tat im Irak verraten: 15 Jahre Gefängnis.

Verteidiger Kier hat nur eine Frage: "Bekommen Sie in Haft Medikamente?" Es sind mehrere, wie sie heißen, weiß der 21-Jährige nicht. Nur eines ist ihm bekannt – ein Schlafmittel. "Ich kann überhaupt nicht schlafen", sagt er. "Warum?", fragt Kier. "Weil meine Gedanken immer um die Sache rotieren."

Sieben Jahre Haft

Auf die geladenen Zeugen wird verzichtet, bei der Vorführung des Videos mit der Einvernahme des Opfers die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Schließlich fällt der Senat sein nicht rechtskräftiges Urteil: A. muss sieben Jahre ins Gefängnis und dem Buben 5.000 Euro zahlen. (Michael Möseneder, 13.12.2016)

Share if you care.