Mögliche Therapie gegen krankhafte Ansammlung von Mastzellen

    13. Dezember 2016, 10:42
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    Forscher der MedUni Wien haben einen Prognose- und Therapie-Ansatz entdeckt, der möglicherweise das rasche Fortschreiten der systemische Mastozytose verhindern könnte

    Wien – Die systemische Mastozytose ist eine unheilbare hämatologische Tumorerkrankung, ähnlich der Leukämie, von der etwa einer von 10.000 Menschen betroffen ist. Dabei werden das Knochenmark und auch andere Organe wie Darm, Leber oder Milz durch Mastzellen infiltriert. Bei der aggressiven Form liegt die Lebenserwartung bei rund fünf Jahren.

    Forscher vom Klinischen Institut für Labormedizin der MedUni Wien konnte nun Zytokine – Proteine, die das Zellwachstum regulieren – als wesentliche Faktoren für das Fortschreiten der Erkrankung identifizieren. Konkret: Die Zytokine wirken auf die lokale Umgebung der Mastzellen im Knochenmark und beeinflussen die Gefäßneubildung sowie die krankhafte Vermehrung des Bindegewebes. "In einem komplexen Zusammenspiel zwischen neoplastischen Mastzellen und Zellen des Knochenmarkstromas tragen diese Zytokine wesentlich zum Voranschreiten der Erkrankung zu aggressiven Verlaufsformen bei", erklärt Gregor Hörmann, der die Studie zu dieser seltenen Erkrankung leitete.

    Mögliche Therapieoption

    Das Ergebnis der Untersuchung: Patienten mit systemischer Mastozytose zeigten vor allem erhöhte Spiegel des Zytokins CCL-2 im Blutserum. "CCL-2 ist ein wichtiger Mediator in Entzündungsreaktionen und führt zur Gefäßneubildendung in soliden Tumoren", erklärt Georg Greiner, Erstautor der Studie. Die Auswertung von klinischen Daten zeigte, dass hohe CCL-2-Serumspiegel in der Mastozytose mit fortgeschrittenen Krankheitsstadien und einem signifikant kürzerem Gesamtüberleben verbunden sind. "Die Messung von Zytokinspiegeln kann damit die Beurteilung der individuellen Prognose in der Mastozytose deutlich verbessern", so Hörmann.

    Die Forscher stellten außerdem fest, dass CCL-2 für das Wachstum von Mastzelltumoren wesentlich ist. Für die Behandlung von Brust- und Prostatakarzinomen, wo ebenfalls erhöhte CCL-2-Spiegel vorliegen, werden bereits Antikörper getestet, die möglicherweise auch bei Mastozytose erfolgreich eingesetzt werden könnten bzw. in Kombination mit anderen Behandlungsmethoden eine neue Therapie-Option darstellen. (red, 13.12.2016)

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