Neue Studie: Gletscher schmelzen wegen des Klimawandels

13. Dezember 2016, 12:08
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Bisher gab es keine Belege dafür, dass der Gletscherschwund vom Klimawandel verursacht wird. Ein Student der Uni Innsbruck half nun mit, dies zu beweisen

Innsbruck – Weltweit schmelzen die Gletscher. Allein die Ursache dafür war bislang nicht eindeutig festzumachen. Handelt es sich um regionale Klimaphänomene, wie sie seit jeher passieren? Oder ist der Rückgang der Gletscher eine Folge des globalen Klimawandels, der wiederum mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vom Menschen verursacht wurde? Selbst im Bericht des Weltklimarates (IPPC) ist hinsichtlich der Eisschmelze auf Grund der mangelhaften Datenlage bislang nur von einem wahrscheinlichen Zusammenhang mit dem vom Menschen verursachten Klimawandel die Rede.

Gerard Roe und Marcia Baker von der Universität Washington in den USA haben nun mit Hilfe des 25-jährigen Studenten Florian Herla von der Universität Innsbruck ein neues Gletscher-Berechnungsmodell entwickelt, das den Zusammenhang zwischen globalem Klimawandel und Gletscherschmelze eindeutig belegt. Ihre Studienergebnisse, die sie durch die Untersuchung von 37 Gletschern weltweit gewonnen haben, erschienen nun im Fachmagazin "Nature Geoscience".

Bachelor-Arbeit als Grundlage

Für Herla, der am Montag seinen 25. Geburtstag feierte, ist die Zusammenarbeit mit dem Forscherteam aus Seattle ein Glücksfall. Im Zuge seiner Bachelorarbeit hat ihn sein betreuender Professor auf die Arbeit der Amerikaner aufmerksam gemacht. Herla untersuchte für seine Studie den Hintereisferner im Ötztal. Dieser Gletscher weist einen 200 Jahre zurückreichenden Datensatz auf und somit sehr umfangreiche Informationen zum Zustand des Gletschers und den Umwelteinflüssen wie Temperatur und Niederschlag, die auf ihn wirkten.

Der niederbayrische Student der Atmosphärenwissenschaft nahm Kontakt mit den Amerikanern auf und reiste für zwei Monate nach Seattle, um dort mit dem Team um Roe und Baker an einem neuen Berechnungsmodell zu arbeiten. "Die bisherigen Modelle waren entweder zu simpel oder eben zu kompliziert und kostspielig", erklärt Herla die Ausgangssituation. Zusammen erarbeitete die Gruppe ein Gletschermodell, das verschiedene statistische Methoden kombiniert, um so anhand der Informationen, die der Gletscher herausgibt, brauchbare Daten gewinnen zu können. "Eigentlich haben wir viele Puzzleteile genommen, die es bereits gab, und diese zu einem größeren Bild zusammengesetzt", sagt Herla.

Gletscher haben Gedächtnis

Bisher hatten die Forscher das Problem, dass sich über die Untersuchung von Gletschern weniger starke Aussagen zum Klimawandel treffen ließen, als etwa über die Beobachtung der Temperatur. Jedoch wusste man bereits, dass Gletscher eigentlich Filtermedien sind, die Signale, wie eben Temperatur oder Niederschlag ähnlich einem Gedächtnis speichern. Nur war bislang keine Methode vorhanden, dieses Gedächtnis der Gletscher anzuzapfen. "Die Signale waren nie stark und aussagekräftig", sagt Herla. Neben dem Hintereisferner, den Herla untersuchte, haben die Forscher 36 weitere Gletscher in aller Welt mit ihrem neuen Berechnungsmodell analysiert. Bei insgesamt 36 der untersuchten Gletscher ließ sich mit über 90-prozentiger Sicherheit belegen, dass der vom Menschen verursachte Klimawandel sie beeinflusst.

Das Fazit der Forschungsarbeit lautet, dass der zu beobachtende Rückgang der Gletscher nur durch eine Klimaveränderung entstanden sein kann. Was wiederum diese Klimaveränderung verursacht, ist nicht Gegenstand der Arbeit gewesen. Jedoch gilt es heute als gesichert, dass der globale Klimawandel menschengemacht ist und somit auch das Abschmelzen der Gletscher.

Florian Herla befindet sich seit diesem Wintersemester im Masterstudiengang. Seine Arbeit zum Hintereisferner wird bald eigenständig "in einem kleineren Journal" erscheinen. Die Teilnahme am Projekt der Amerikaner, so hofft der Niederbayer, helfe ihm künftig vielleicht dabei, eine gute Phd-Stelle zu finden. (Steffen Arora, 13.12.2016)

  • Der Hintereisferner im Tiroler Ötztal ist das Forschungsgebiet des Studenten Florian Herla, der ein neues Berechnungsmodell mitentwickelte.
    foto: credit whgler/wikimedia

    Der Hintereisferner im Tiroler Ötztal ist das Forschungsgebiet des Studenten Florian Herla, der ein neues Berechnungsmodell mitentwickelte.

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