Ölmanager Rex Tillerson wird US-Außenminister

13. Dezember 2016, 12:48
406 Postings

Der Chef von Exxon Mobil und Russland-Intimus wird künftig die Diplomatie der USA leiten

Rex Tillerson, der US-Außenminister unter dem designierten Präsidenten Donald Trump wird, kennt sich aus mit Russland. Seit fast 20 Jahren fädelt der Vorstandsvorsitzende des Ölgiganten Exxon Mobil dort Geschäfte ein. Zu seinem Freundeskreis zählt Igor Setschin, der Chef des Erdölkonzerns Rosneft, ein enger Vertrauter Wladimir Putins. Das geht so weit, dass Setschin einmal von der Vorstellung schwärmte, gemeinsam mit Tillerson auf einer Harley-Davidson über amerikanische Highways zu rollen. 2013 bekam der breitschultrige Texaner von der Russischen Föderation den "Orden der Freundschaft" verliehen, nachdem er mit Moskau ein Abkommen zur Förderung von Öl in der Arktis ausgehandelt hatte.

Man kenne kaum einen Amerikaner, der bessere Drähte zu Putin habe als Tillerson, zitiert das "Wall Street Journal" Geschäftspartner des bulligen Mannes aus Wichita Falls, der im Übrigen ein glühender Fan der Pfadfinder ist.

Trumps "Weltklassespieler"

Mit seiner Berufsbiografie steht der 64-Jährige geradezu exemplarisch für den Schwenk, den Trump im Wahlkampf so oft beschworen hat. Der designierte US-Präsident, der kein Hehl daraus macht, wie sehr er Putin als starken Machthaber bewundert, will das Verhältnis zum Kreml rapide verbessern. Ein Außenminister namens Tillerson, den Trump am Dienstag offiziell verkündete, passt perfekt dazu. Der Milliardär lobte Tillerson schon im Vorfeld in so hohen Tönen, dass die meisten Beobachter jede andere Entscheidung für eine riesige Überraschung gehalten hatten. Der Exxon-Chef sei ein "Weltklassespieler", schrieb Trump neulich in einem Tweet.

Kritiker des 64-Jährigen stellen indes, ähnlich wie im Fall Trumps, die Frage nach potenziellen Interessenkonflikten. Ob der Texaner nicht schon deshalb zu forsch auf ein Ende der Russland-Sanktionen drängen würde, weil er viel Geld und Mühe investiert hat, um im arktischen Küstenschelf die Weichen für Ölabbau zu stellen? Als der Westen die Annexion der Krim mit Sanktionen gegen Russland beantwortete, musste Tillerson seine Pläne zurück in die Schublade legen. Exxon Mobil beugte sich dem politischen Druck, doch zugleich machte der Konzernchef deutlich, was er von den Strafmaßnahmen hielt, nämlich wenig bis nichts. "Wir ermuntern die Leute, die solche Entscheidungen treffen, immer auch den Kollateralschaden zu bedenken – wen sie wirklich treffen mit solchen Sanktionen", sagte er auf einem Aktionärstreffen.

"Freund Wladimirs" kein Attribut

Tillersons Nähe zum Kreml, sie kann sich allerdings auch als seine Achillesferse entpuppen. Im US-Senat, ohne dessen Segen kein amerikanischer Außenminister sein Amt antreten kann, fehlt es nicht an skeptischen Wortmeldungen, die ein haariges Bestätigungsverfahren erwarten lassen. "Ein Freund Wladimirs zu sein ist nicht das Attribut, auf das ich hoffe", meint Marco Rubio, vor zwölf Monaten zu früh als neuer Superstar der Konservativen gehandelt.

Der Demokrat Ben Cardin merkt spitz an, man wolle sichergehen, dass der nächste amerikanische Außenminister tatsächlich amerikanische Interessen vertritt. Umweltverbände wiederum sehen ein falsches Signal, wenn ausgerechnet der Chef eines Ölmultis in die Spitzenetage des State Department einzieht. Der scheidende Außenminister John Kerry, ein bekennender Umweltschützer, verglich Exxons Haltung zum Klimawandel einmal mit den Täuschungsmanövern der Tabakindustrie, die jahrelang abstritt, dass Rauchen die Gesundheit gefährdet.

Pragmatiker aus Wichita Falls

Dabei hat sich gerade Tillerson an einem diplomatischen Spagat versucht, um nicht als Dinosaurier der Klimadebatte zu gelten. Als er 2006 das Unternehmensruder übernahm, korrigierte er die plumpe Strategie seines Vorgängers, der von einer vom Menschen verursachten globalen Erwärmung nichts wissen wollte. Der Pragmatiker Tillerson bevorzugt die feinere Klinge, etwa indem er das Pariser Klimaabkommen befürwortet.

Rund um den Globus hat er Deals eingefädelt in einer Branche, in der man oft nur dann Erfolg hat, wenn man sich mit schwierigen politischen Verhältnissen zu arrangieren versteht. In der kurzen Phase nach dem Irakkrieg, als der libysche Diktator Muammar al-Gaddafi auf den Westen zuging, bevor er letztlich gestürzt wurde, gehörte er zu den Initiatoren der Annäherung. Im Februar 2007 flog er in das nordafrikanische Land, um Gaddafi in dessen Zelt zu treffen. Neun Monate später war es bereits fix, dass Exxon in den Küstengewässern Libyens nach Öl bohren durfte.

Goldman-Sachs-Manager wird Wirtschaftsberater

In einer weiteren Personalentscheidung wählte Trump indes Goldman-Sachs-Manager Gary Cohn als Chef des Nationalen Wirtschafstrats im Präsidialamt aus. Cohn ist Präsident und Chief Operating Officer (COO) der Großbank Goldman Sachs.

"Als mein Top-Wirtschaftsberater wird Gary Cohn seine Talente als sehr erfolgreicher Geschäftsmann einsetzen, um für das amerikanische Volk zu arbeiten", erklärte Trump am Montag. (red, Frank Herrmann aus Washington, 12.12.2016)

  • Exxon-Chef Rex Tillerson soll Donald Trumps Außenminister werden.
    foto: reuters / daniel kramer

    Exxon-Chef Rex Tillerson soll Donald Trumps Außenminister werden.

Share if you care.