Schulbücher: Langes Schweigen über Faschismus

13. Dezember 2016, 05:37
184 Postings

Ein Lehrer hat 30 österreichische Schulbücher auf ihre Darstellung der NS-Zeit untersucht

Graz/Salzburg – Schon in Gesprächen mit den eigenen Eltern und Großeltern sei "immer wieder das Thema der NS-Zeit in unseren Schulbüchern aufgetaucht", erzählt der 1987 geborene Historiker und AHS-Lehrer Robert Krotzer dem STANDARD. Der schlampige Umgang mit diesem Teil österreichischer Geschichte fiel dem in Braunau geborenen Krotzer, der für die KPÖ im Grazer Gemeinderat sitzt, also schon früh auf.

Aus dieser Beobachtung folgte später die wissenschaftliche Auseinandersetzung, die nun in Buchform (Verlag des KZ-Verbandes/Verband der AntifaschistInnen) vorliegt. 30 Schulbücher hat Krotzer für Langes Schweigen. Der NS-Faschismus in österreichischen Schulbüchern untersucht. Das erste stammt aus dem Jahr 1953. Unter die Lupe nahm Krotzer dabei, wie Aufstieg des Faschismus, NS-Ideologie und Shoah, aber auch antifaschistischer Widerstand dargestellt wurden – so sie überhaupt vorkamen.

"Erst mit Anfang der 1990er-Jahre, also in den Jahren nach der Waldheim-Debatte 1986, sind die Schulbücher dann merklich besser geworden", sagt Krotzer, der hofft, dass sein Buch ein Beitrag zum "kritischen Blick" der Jugend auf die Vergangenheit sein wird, damit Schüler auch wachsamer für die Gefahren der Zukunft werden. Am Dienstag um 19 Uhr wird das Buch an der Uni Salzburg im Hörsaal 389 präsentiert. (cms, 13.12.2016)

Share if you care.