EU-Bedenken gegen deutsch-britische Börsenfusion großteils ausgeräumt

12. Dezember 2016, 16:50
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Laut mit der Sache betrauten Personen bereiten Clearinghäuser der EU-Kommission aber weiter Bauchschmerzen

Frankfurt am Main/Frankfurt/London – Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) haben Finanzkreisen zufolge in den vergangenen Monaten einen Großteil der Bedenken der EU-Wettbewerbshüter gegen ihre Fusion ausgeräumt. Die Bereiche, in denen die EU-Kommission Bauchschmerzen habe, seien von rund 25 auf fünf bis sechs zurückgegangen, sagten mehrere mit den Diskussionen vertraute Personen am Montag laut Reuters.

Vorbehalte gebe es aber nach wie vor bei der Abwicklung von Derivategeschäften (Clearing) – einem Bereich, den Experten von Anfang an als größter Hürde in Brüssel bezeichnet hatten.

Die EU-Kommission hat ihre anfängliche Bedenken gegen den gut 25 Milliarden Euro schweren Zusammenschluss Ende September in einem Brief aufgeführt. In vielen Bereichen, etwa im Index-Geschäft und im Aktienhandel, seien die Vorbehalte in den vergangenen Monaten ausgeräumt worden, sagten mehrere mit den Gesprächen vertraute Personen. Laut "Financial Times" (FT) gilt dies auch für die Abwicklung von Aktiengeschäften, den Anleihe-Handel und Indexfonds (ETFs).

Entscheidung bis spätestens März

Eine aktualisierte Liste mit den EU-Bedenken ("letter of objection") erwarten die Börsenbetreiber am Dienstag oder in den darauffolgenden Tagen. Diese könne die Unternehmen dann durch Argumente oder Zugeständnisse, etwa den Verkauf von Geschäftseinheiten, ausräumen. Die EU-Kommission will dann spätestens bis 6. März entscheiden. Die Deutsche Börse, die LSE und die EU-Kommission wollten sich zum Prozess nicht äußern. Die Zustimmung der EU gilt neben dem grünen Licht der hessischen Börsenaufsicht als größte Hürde für die Schaffung einer europäischen Mega-Börse.

Clearinghäuser wie die Deutsche-Börse-Sparte Eurex Clearing und die LSE-Tochter LCH.Clearing springen ein, wenn im Derivategeschäft einer der beiden Handelspartner ausfällt. Dadurch soll die Transparenz und Sicherheit des Finanzsystems erhöht werden. LSE und Deutsche Börse hatten bereits im September die Bereitschaft signalisiert, das französische Abwicklungshaus Clearnet SA zu verkaufen, um die Bedenken der EU im Clearing-Geschäft auszuräumen. Die EU-Kommission wird das Angebot in ihrem aktuellen Brief jedoch vermutlich noch nicht berücksichtigen, da es noch nicht formell eingereicht wurde, wie zwei mit den Gesprächen vertraute Personen sagten. Sie gehen zudem davon aus, dass die Börsenbetreiber notfalls weitere Zugeständnisse machen könnten, um Bedenken im Clearing-Geschäft auszuräumen. Denkbar sei etwa, das Clearing bestimmter Produkte einzustellen. Ein Verkauf von Eurex Clearing oder LCH.Clearnet sei dagegen nicht möglich – dann wäre der Deal tot.

Ursprünglich hatte die Deutsche Börse gehofft, dass die EU-Kommission außerbörslich gehandelte Derivate (OTC) und börsengehandelte Derivate weiter als zwei verschiedene Märkte ansieht. Die Deutsche Börse ist nämlich vor allem stark bei börsengehandelten Derivaten, die LSE im OTC-Geschäft. Nun deutet sich jedoch an, dass die EU den Markt anders beurteilen will als bei der untersagten Fusion von Deutscher Börse und New York Stock Exchange (NYSE) vor fünf Jahren.

"Die Marktdefinition scheint sich jetzt zu verändern", sagte Deutsche Börse-Finanzchef Gregor Pottmeyer kürzlich bei einer Veranstaltung in Frankfurt. Die EU sehe OTC und börsengehandelte Derivate nun als einen Markt an. "Wir sind bereit, uns auch dieser neuen Definition zu stellen", sagte Pottmeyer und verwies auf den geplanten Verkauf von Clearnet SA. Zudem seien die US-Konkurrenten CME und ICE heute ebenfalls bei der Abwicklung von Derivategeschäften in Europa aktiv. (APA/Reuters, 12.12.2016)

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