Beimischung: Aufregung um Biosprit

13. Dezember 2016, 05:37
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Ein EU-Richtlinienvorschlag sieht eine geringere Beimischung vor, Biokraftstoffe der nächsten Generation sollen gepusht werden

Brüssel/Wien – Ein Punkt des kürzlich von der EU vorgelegten Richtlinienvorschlags für erneuerbare Energien lässt die Bioethanol-Branche derzeit erzittern: Darin wird nämlich ein Senken des Biokraftstoffeinsatzes vorgesehen, und zwar ab 2021 von sieben auf maximal 3,8 Prozent. Stattdessen sollen Biokraftstoffe der nächsten Generation stark gepusht werden. Also Sprit auf Basis von Abfällen, Stroh oder Holz.

Die Betreiber von Bioethanolanlagen auf Basis landwirtschaftlicher Rohstoffe sind davon überhaupt nicht begeistert. "Die EU-Kommission wäre gut beraten, die Erfolge bisheriger hoch geförderter Projekte zu evaluieren und ihre Erwartungen diesbezüglich drastisch zurückzunehmen", meint Agrana-Chef Johann Marihart im Hinblick auf die Forschungsbemühungen für die nächsten Generationen von Agrosprit. Die Agrana betreibt in Pischelsdorf in Niederösterreich eine Bioraffinerie, in der aus Getreide und Mais Biosprit hergestellt wird – also quasi eine Anlage der ersten Generation von Agrarbenzin.

Diese Anlage leiste einen "essenziellen Beitrag zur Dekarbonisierung", heißt es auch im kürzlich vorgelegten Nationalen Strategierahmen "Saubere Energie im Verkehr" des Verkehrsministeriums. Auf 2,1 Millionen Tonnen Kohlendioxid belief sich die Treibhausgas-Ersparnis 2015 aufgrund der Beimischung, die durchgerechnet 8,9 Prozent der fossilen Kraftstoffe ersetzten.

Bei der nächsten Generation von Biosprit kommen zwar nicht mehr potenzielle Nahrungsmittel wie Mais zum Einsatz. Großtechnische Verfahren, bei denen zum Beispiel Haushaltsabfälle in Sprit umgewandelt sind, gibt es aber noch nicht. Und ob dies bis 2020 machbar ist, ist unsicher, meinen viele Experten. Auch bei diesen kommenden Entwicklungen sei mit "preistreibender "Nutzungskonkurrenz" zu rechnen, vor allem bei Holz.

Felix Montecuccoli, Präsident der Land&Forst Betriebe, kritisiert, dass der EU-Kommissionsvorschlag die Stabilität der Agrarmärkte gefährde. Denn Mitteleuropa sei eine strukturelle Überschussregion mit einem jährlichen Überangebot an Getreide in der Größenordnung von acht bis zwölf Millionen Tonnen. Die industrielle Getreideverarbeitung zu Biosprit sei da "von essenzieller Bedeutung", jedenfalls besser als "defizitäre Exporte".

Ins Feld geführt wird auch, dass das Nebenprodukt der derzeitigen Agrarsprit-Erzeugung betroffen wäre: gentechnikfreie Eiweißfuttermittel, die begonnen haben, Gen-Soja-Importe zu ersetzen. (Johanna Ruzicka, 13.12.2016)

  • Kritisiert EU-Vorschlag:  Agrana-Chef Johann Marihart.
    foto: apa/robert jäger

    Kritisiert EU-Vorschlag: Agrana-Chef Johann Marihart.

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