Auf Zeitreise mit "Die Anstalt" auf 3sat: Ein Schlusswort für Stimmlose

12. Dezember 2016, 16:30
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Um die Expertise aus Österreich kümmert sich Alfred Dorfer, der von tausenden Flüchtlingen berichtet, mit denen Österreich Jahr für Jahr zurechtkommen müsse

Dass 2016 ein mieses Jahr war, steht fest. Ohne depressiv zu werden, kann man keinen Rückblick gestalten. Nur allzu verständlich ist da der Zeitsprung, den "Die Anstalt" am Sonntag auf 3sat vollzog. Nicht zurück, sondern vorwärts sahen Max Uthoff und Claus von Wagner in ihrer Satireshow.

Es ist der Abend der Bundestagswahlen 2017. Rosige Zeiten sind hier auch nicht zu erwarten. Satte 38 Prozent hat die AfD erlangt. Tatsächlich schockt die Hochrechnung die Kommentatoren. Aber sie versuchen, ruhig zu bleiben. Gut möglich, dass ja die Russen an dem Ergebnis schuld sind, meint etwa von Wagner. Um die Expertise aus Österreich kümmert sich Alfred Dorfer, der von tausenden Flüchtlingen berichtet, mit denen Österreich Jahr für Jahr zurechtkommen müsse: Menschen aus Deutschland, die vor dem Numerus clausus fliehen – "wir nennen sie zärtlich Intelligenzflüchtlinge", so Dorfer.

Zur Talkrunde mit den Spitzenkandidaten schlüpft Dorfer später in die Rolle des Moderators. Eine verzweifelt Bier aus der Flasche kippende Merkel (von Wagner) sitzt da neben einem verschmitzt rassistisch fluchenden Seehofer (Uthoff) am Tisch. Herrlich ist auch Antonia von Romatowskis Parodie einer nervösen Frauke Petry, die irritiert ist, weil sie gar niemand unterbricht.

Nach dieser Runde hat Mely Kiyak, Schriftstellerin und Tochter türkisch-kurdischer Einwanderer, das Schlusswort. Welches Ergebnis hätten wir wohl, fragt sie ganz ohne Ironie, wenn auch endlich rund acht Millionen Migranten, die seit 50 Jahren in Deutschland leben und Staatsbürgerpflichten erfüllen, wählen dürften? "Obergrenzwertig" findet das Seehofer, doch Merkel rechnet sich schon die Extrastimmen aus. (Colette M. Schmidt, 12.12.2016)

  • Max Uthoff und Claus von Wagner.
    foto: 3sat-mediathek/screenshot

    Max Uthoff und Claus von Wagner.

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