Smartphones: "Nicht blau ins Bett gehen"

12. Dezember 2016, 15:13
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LED-Licht beeinflusst die Melatoninproduktion und kann die Ursache von Schlaflosigkeit bei Jugendlichen sein

Einschlafprobleme bei jungen Menschen sind keine Seltenheit. Mitunter können daran Bildschirme von Smartphones, Tablets oder Laptops mit schuld sein. Die starken Blauanteile des Lichts, mit dem Leuchtdioden (LEDs) diese Geräte beleuchten, machen munter. Das zeigen Untersuchungen des Schweizer Schlafforschers Christian Cajochen, Leiter des Zentrums für Chronobiologie an den Universitären Psychiatrischen Kliniken in Basel.

Leuchtdioden haben im Vergleich zu älteren Bildschirmen einen sehr hohen Anteil an blauem Licht. Wobei unser Auge die Blaufärbung nicht wahrnimmt, wibor empfinden das Bildschirmlicht als weißlich. "Computerspiele und allgemein der Gebrauch von Tablets bis spät in die Nacht sind ein Problem. Wer abends lange vor einem LED-Bildschirm sitzt, verzögert seinen Schlaf-Wach-Rhythmus. Das Dunkelhormon Melatonin, das die Schlafbereitschaft steigert, wird vor allem durch die starken Blauanteile des Lichts solcher Geräte unterdrückt und hindert den Körper, zur Ruhe zu kommen", sagt Cajochen über die Ergebnisse mehrerer Studien.

Vergleich macht sicher

In einem Experiment verglichen die Schweizer Forscher zum Beispiel den Einfluss zweier unterschiedlicher Bildschirm-Lichtquellen auf die innere Uhr von Versuchsteilnehmern. Die einen sitzen für fünf Stunden vor einem älteren Flachbildschirm mit Leuchtstoffröhren, die anderen vor einem Monitor mit LED Display, das dreimal so viel blaues Licht ausstrahlt.

Fazit: Das Licht der LED Bildschirme verzögert die Bildung des Schlafhormons Melatonin um rund eine Stunde. Das zeigten die Speichelproben, die die Forscher regelmäßig von den Probanden nahmen. Dass die Teilnehmer vor den LED Bildschirmen tatsächlich wacher waren als ihre Kollegen, bestätigten auch andere Messungen wie die der Herztätigkeit, der Hirnströme oder das Augenblinzeln. Versuche anderer Forschergruppen kamen zu ähnlichen Ergebnissen.

Mit Brille surfen

In einem anderen Experiment testete das Team um Christian Cajochen bei Schülern die Schutzwirkung einer Brille mit Blaulichtblocker. Die Messungen ergaben, dass nach einer Woche abendlicher Blaulichtblockade tatsächlich jene Jugendlichen mehr Melatonin im Speichel hatten, die eine Brille mit Blaulichtfilter getragen hatten, als die Teilnehmer mit filterlosen Brillen.

Blaulicht ist Licht mit einer Wellenlänge von 450 bis 480 Nanometer. Blaulicht signalisiert der inneren Uhr, dass es Tag ist. LED Monitore haben Blaulicht im Bereich von 460 Nanometer. Bestimmte Fotorezeptoren (Melanopsin) in der Netzhaut des Auges reagieren besonders empfindlich auf diese Wellenlänge. Melanopsin Rezeptoren gelten als wichtige Sensoren für die Einstellung der inneren Uhr. "Eine Blaudusche macht uns sehr schnell wach", sagt Cajochen und rät: "Gehen Sie nicht 'blau' ins Bett." (red, 12.12.2016)

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    foto: picturedesk

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