Etikettenschwindel bei Fleischverkauf in Vorarlberg

Blog13. Dezember 2016, 07:00
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Schweine aus Deutschland werden bei Nacht und Nebel nach Vorarlberg transportiert und ihr Fleisch dann als regionales Produkt verkauft

Bregenz – Wieder einmal lässt der Verein gegen Tierfabriken (VgT) die Wogen in Vorarlberg hochgehen. Aktuell sind es nicht tierquälerische Haltungsmethoden bei Vorarlberger Schweinezüchtern, sondern Bschiss beim Fleischverkauf.

Was eigentlich den Agrarpolitikern und -funktionären längst bekannt sein müsste, deckten die Tierschützer am Wochenende auf. Lebendtiere werden aus Deutschland nach Vorarlberg transportiert, von Metzgereien gekauft, geschlachtet und als Vorarlberger Fleisch verkauft. Einmal pro Woche wird geliefert, acht Metzgereien sind die Abnehmer. Die Empörung ist groß, sogar die schwarzen Bauernvertreter sprechen von Betrug an den Konsumentinnen und Konsumenten.

Nachts im Ried

Der VgT belegt mit Videos und Fotos, wie der Deal funktioniert. Ein Vorarlberger Transportunternehmen holt die Schweine aus Zuchtbetrieben im Unterallgäu (Deutschland), wo sie in "klassischer Intensivhaltung" (VgT) gezüchtet werden. Dann werden sie nachts (!) ins Lustenauer Ried gebracht, dort auf dem Transporter mehrere Stunden zwischengelagert und mit Kleintransportern von Metzgern zur Schlachtung abgeholt. In die Vitrinen kommt das Fleisch dann als Vorarlberger Produkt, behaupten Testkonsumenten des Tierschutzvereins.

Erich Schwärzler, Agrarlandesrat und Bauer, ist empört, Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger schimpft über "glatten Betrug", der Bauernsprecher der Volkspartei, Bernhard Feuerstein, selbst Schweinezüchter, fordert die Bestrafung der Metzger. Es gelte die "3G-Strategie", donnert Schwärzler. Was heißt: Als Vorarlberger Produkt gelte nur Fleisch von Tieren, die in Vorarlberg oder Österreich geboren, gentechnikfrei gefüttert und geschlachtet wurden.

Unehrliche Metzger

Vermarktet wird solche Ware als Ländle-Produkt von der Ländle Qualitätsprodukte Marketing GmbH, die "Ländle Herkunfts- und Gütesiegel" zuerkennt. Geschäftsführer Manuel Gohm begrüßt die Aufdeckung der "Irreführung" zwar, möchte aber nicht, "dass alle Metzger in einen Topf geworfen werden". Es gebe nämlich Metzger, die ehrlich sind, schreibt er in einer Aussendung und verweist darauf, dass Ländle-Richtlinien den Zukauf von Fleisch aus dem Ausland verbieten.

Der Verein gegen Tierfabriken fordert nun klare Zertifizierungen und Herkunftsnachweise für Fleischwaren, was von der Vorarlberger Politik auch, zumindest verbal, unterstützt wird.

Gier nach Schweinefleisch

Was bisher aber weder Agrarlandesrat noch Tierschutzsprecherinnen der Parteien verraten haben, ist die Lösung für ein gar nicht so kleines Problem: In Vorarlberg können maximal vier Prozent des Schweinefleischbedarfs durch einheimische Produktion gedeckt werden. Bis 2020 will man den Selbstversorgungsgrad um zwei Prozentpunkte erhöhen, steht in der Ökoland-Strategie der Landesregierung.

Dann blieben "nur" noch 94 Prozent aus Importen zu decken. Was kein Ende finanziell lukrativer Nacht-und-Nebel-Transporte bedeuten würde. Außer, Herr und Frau Vorarlberger mäßigen ihren Fleischkonsum. Das wäre wohl die gesündeste Lösung. Für Mensch und Tier. (Jutta Berger, 13.12.2016)

  • Dieses artgerecht gehaltene Schweinderl stammt aus dem Bregenzerwald.
    foto: corn

    Dieses artgerecht gehaltene Schweinderl stammt aus dem Bregenzerwald.

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