"Heute" will Redaktion nächstes Jahr ausbauen

    12. Dezember 2016, 14:03
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    Geschäftsführer Jansky kündigt Online-Offensive an – Verlagsmehrheit nun bei Periodika Privatstiftung – Technologietransfer und Content-Pool mit Tamedia

    Wien – "Heute" will die Redaktion 2017 ausbauen. Der budgetierte Mitarbeiterzuwachs sei "knapp nicht zweistellig", sagte Geschäftsführer Wolfgang Jansky in einem Interview mit der APA. Jansky ist auch Vorstandschef der Periodika-Stiftung, die seit kurzem die Mehrheit am Gratistageszeitungsverlag hält. Er rechnet mit einem starken Online-Wachstum, insbesondere was das Lesen von News am Handy betrifft.

    "Wir versuchen das zweite Standbein, Online, zu verstärken und auszubauen, weil es sich bekanntlich auf zwei Füßen besser steht als auf einem", sagte Jansky, der einen Umbruch im Medienverhalten der Leute sieht. "Die Frage, ob einem das gefällt, stellt sich gar nicht". Seine Antwort lautet: Investitionen in Digitaljournalismus.

    Redakteure für Print und Online

    Jansky sprach in dem Zusammenhang von einer "echten Offensive" mit zusätzlichem Personal. Man suche Redakteure, die Print und Online machen. Eine genaue Zahl der geplanten Stellen wollte Jansky nicht nennen. "Es sind leider nicht so viele wie woanders abgebaut werden, aber zumindest eine Entwicklung in die andere Richtung, was der Branche gut tut."

    Im Zuge des Einstiegs des Schweizer Medienhauses Tamedia mit 25,5 Prozent bei "Heute" und 51 Prozent bei Heute.at ist es unter den bisherigen Gesellschaftern, den Stiftungen Pluto und Periodika, zu einem Machtwechsel gekommen. Der Periodika Privatstiftung gehört am Verlag nun eine Mehrheit von 50,1 Prozent, die von "Heute"-Herausgeberin Eva Dichand und ihrem Bruder gestiftete Pluto hält nur noch 24,4 Prozent. Eva Dichand ist die Ehefrau von "Krone"-Herausgeber Christoph Dichand.

    "Chef ist immer der Mehrheitseigentümer zum Schluss"

    Jansky bestätigte im APA-Interview die Verschiebungen bei "Heute". Tamedia habe nun eine Sperrminorität, Pluto nicht mehr. Der Feststellung, dass Dichands Stiftung nun mit weniger als einem Viertel der Anteile eigentlich nur noch eine Finanzbeteiligung halte, widersprach Jansky aber. "Ich glaube, dass kann man bei jemanden, der das mit aufgebaut hat, schwer sagen. Rein rechtlich vielleicht ja, emotional nein." Für die Mitarbeiter habe sich ebenfalls nichts geändert. Zudem sei Eva Dichand nach wie vor Herausgeberin und Co-Geschäftsführerin, "auch ohne der Mehrheit im Rücken", so Jansky. Die Pluto Privatstiftung hielt ursprünglich 74 Prozent, gab dann aber im Vorjahr 23 Prozent an Periodika ab und verkaufte nun 25,5 Prozent an Tamedia und weitere 1,1 Prozent an Periodika.

    Auf die Frage, wer nun das Sagen bei "Heute" habe, erklärte Jansky: "Chef ist immer der Mehrheitseigentümer zum Schluss". Am Ablauf habe sich aber nichts geändert. Bei großen Entscheidungen hätten sich die Gesellschafter immer abgestimmt, das werde auch weiter so sein. Und die Frage der Mehrheit sei bekanntlich nur ein Thema, wenn man sich übers Kreuz komme.

    Gegenseitig Vorkaufsrechte eingeräumt

    Jansky erklärte weiters, dass sich Pluto und Periodika gegenseitig Vorkaufsrechte eingeräumt hätten. Mit Tamedia habe man schon ungefähr ein Jahr vor dem Einstieg Gespräche geführt. Es sei die gemeinsame strategische Überlegung gewesen, einen internationalen Medienbetreiber ins Boot zu holen und Eva Dichand sei bereit gewesen, Anteile zu veräußern. Um wie viel, ist nicht bekannt. Der Kaufpreis unterliegt laut Jansky der Vertraulichkeit.

    Die Tamedia-Gruppe gibt in der Schweiz unter anderem "20 Minuten" heraus. Jansky kann sich redaktionelle Synergien vorstellen: So wird "Heute" an den Content-Pool der Tamedia angeschlossen, um Inhalte auszutauchen. "Man kann schauen, was für Conent ist dort in der Pipeline und kann sich dessen bedienen oder auch nicht", sagte Jansky. Dies sei bei großen internationalen Geschichten im Online-Bereich, wo es um Schnelligkeit gehe, interessant. "Heute" wird aber keine Österreich-Ausgabe der "20 Minuten", versicherte Jansky zugleich. "Man kann von anderen was lernen, aber eins zu eins zu übertragen, ist immer schlecht." Online sei der Schweizer Medienmarkt dem österreichischen jedenfalls einige Jahre voraus. "Da versuchen wir einen Technologietransfer".

    "Wer steht wo irgendwie dahinter"

    Jansky stellte im Gespräche mit der APA auch eine in der Vergangenheit in Medienberichte kolportierte Nähe der Periodika Privatstiftung zur SPÖ in Abrede. Seine einstige Pressesprecher-Funktion beim früheren Wiener Wohnbaustadtrat Werner Faymann (SPÖ) werde überinterpretiert, so Jansky. "Mir ist das schon so am Nerv gegangen, diese Berichterstattung, dass ich mir jetzt im Nachhinein gedacht habe: Gescheiter wäre gewesen, ich hätte das Risiko, das ich sowieso gehabt habe als Geschäftsführer, privat genommen, dann wäre da nie die Frage gestanden, wer steht wo irgendwie dahinter, und ich hätte mittlerweile schon ein bisschen mehr verdient."

    Der dreiköpfige Periodika-Vorstand jedenfalls erneuere sich selbst und agiere nach dem Stiftungszweck. Dieser laute "Förderung der Allgemeinheit durch Herausgabe von Druckwerken". Gewinne blieben in der Stiftung und könnten dem Stiftungszweck entsprechend nur in Medien investiert werden. Keine Auskunft gab Janksy über das Stiftungsvermögen, es gehe ihr aber "ganz gut". Als Stifter ist der ehemalige Bank-Austria-Vorstand Heinz Gehl angeführt.

    "Heute", 2004 gegründet, ist Österreichs größte Gratistageszeitung und schreibt seit etlichen Jahren Gewinne in einstelliger Millionenhöhe. Laut Jansky läuft 2016 verglichen mit 2015 "relativ konstant". Im Vorjahr gab es in der AHVV Verlags GmbH nach Steuern einen Gewinn von 2,3 Mio. Euro, nach 2,2 Mio. Euro 2014. Für 2017 peilt Jansky Zuwächse an. (APA, 12.12.2016)

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