Waldviertel: Rustikales Heim in der Scheune

Ansichtssache7. Jänner 2017, 12:00
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Wer schon einmal auf einem Heuboden übernachtet hat, erinnert sich vermutlich an duftendes Heu, leichten Wind, der nachts durchs Gebälk zieht, und leises Knistern bei jeder Bewegung. Eine Familie im Waldviertel hat nun eine Scheune zum Ferienhaus umgebaut.

foto: heinz schmölzer

Leerstehende Wirtschaftsgebäude finden sich in beinahe jedem Ort im Waldviertel. In Raabs an der Thaya hat sich eine Familie einen Traum erfüllt und aus einer alten Scheune ein Ferienhaus gemacht.

Umgesetzt wurde das Projekt gemeinsam mit dem Büro AH3 Architekten. Auf 80 Quadratmetern ist rustikaler und dennoch zeitgemäßer, moderner Wohnraum entstanden.

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foto: heinz schmölzer

"Das alte Haus im Bestand verfügte über eine fixe Raumaufteilung, die wenig Gestaltungsfreiraum ließ: Kleine, enge Räume, winzige Fenster", erklärt man bei AH3 die Ausgangslage.

Den Bauherren war jedoch ein offener Grundriss wichtig, der der Familie größtmögliche Flexibilität bietet. Und so wurden die Bretterwände im Inneren entfernt. "Sie haben keine tragende Funktion, nimmt man sie heraus, ist Platz für das Haus im Stadel", sagt AH3-Geschäftsführer Johannes Kislinger.

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foto: heinz schmölzer

Die Räume sind schlicht und einfach gehalten. Den Bauherren war vor allem die Auswahl der Materialen ein Anliegen – naturbelassen sollten sie sein, die Verwendung von Styropor war ein Tabu.

Gebaut wurde in der Holzriegelbauweise. Aufgrund des hohen Vorfertigungsgrades bei dieser Methode war der Bau in nur drei Monaten fertig. Wie in jedem Haus gibt es auch in der Scheune alle notwendigen Zimmer – Küche, Nass-, Schlaf- und Aufenthaltsräume.

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foto: heinz schmölzer

"Modern ist nicht gleichbedeutend mit neu: Alte Stadel sind sehr modern gebaut: Ein Stadel ist die Reduktion auf gemauerte Pfeiler und ein Dach", so Architekt Kislinger.

Große Scheunentore lassen viel Licht in das Haus. Dahinter liegt eine windgeschützte Terrasse. Ihr Boden aus Lärchenholz und die vor Niederschlag geschützten Fenster machen das Haus pflegeleicht.

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foto: heinz schmölzer

Zudem, so Kislinger, verfügt das Haus über eine gute thermische Funktionalität. "Im Winter dringen die Strahlen der flach stehenden Sonne durch die Fenster in das Haus und wärmen es auf." Zusätzlich gibt ein Kaminofen Wärme, und eine Solaranlage, montiert auf dem Nebengebäude, leitet gespeicherte Wärme über eine Deckenheizung in das Innere.

Im Sommer blitzt die steile Sonne an den geschlossenen Scheunentoren ab – sie fungieren als übergroße Fensterläden.

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foto: ah3

Privatsphäre bietet der uneinsehbare Innenhof. Der Garten ist für die Familie zum erweiterten Wohnraum geworden. Auch er wurde modernisiert. Dieses Bild zeigt Garten und Scheune vor der Renovierung.

"Vielen gefällt die Idee vom Wohnen in der Scheune, doch nicht immer bekommt man von der Baubehörde dafür eine Genehmigung", heißt es von AH3. Die Bebauungsvorschriften und Baugesetze, speziell was Wohnen in Nebengebäuden betrifft, sind mitunter streng.

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foto: heinz schmölzer

Klare Vorgaben von der Behörden gab es auch beim Scheunen-Umbau in Raabs an der Thaya, sagt Kislinger. Doch das Projekt konnte erfolgreich fertiggestellt werden.

Dieses Bild zeigt das Haus nach dem Umbau: Sind die großen Tore geöffnet, gehen Garten und Wohnraum fließend ineinander über. Von seinem Charme hat das alte Bauernhaus nichts eingebüßt. Nach der Modernisierung ist die Scheune gleichzeitig alt und neu. (bere, 7.1.2016)

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