Linux 4.9: Neuer Kernel soll das Internet flotter machen

12. Dezember 2016, 09:18
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Neue Sicherheitsfuntionen und besseres Tracing dank Netflix – Erhebliche Verbesserungen für Dateisystem XFS

Die Linux-Entwicklung schreitet weiter mit beeindruckender Geschwindigkeit voran. Alleine in den letzten 70 Tagen wurden mehr als 17.000 neue Code-Beiträge in den Kernel aufgenommen, und damit die meisten Commits, die je in eine neue Version des freien Betriebssystemkerns eingeflossen sind. Herausgekommen ist Linux 4.9, das nun in Form des Source Codes auf der Seite des Projekts zum Download steht.

Netzwerkoptimierungen

Eine der zentralen Neuerungen nennt sich Bottleneck Bandwidth and RTT: Die vor allem von Google vorangetriebene Entwicklung soll deutliche Verbesserungen für die Netzwerk-Performance bieten. Dank laufender Analysen und Anpassungen soll nicht nur die maximale Datenübertragungsrate gesteigert werden, auch die Latenzzeiten sollen verbessert und Netzwerkstaus vermieden werden.

Google denkt bei dieser Entwicklung natürlich weniger an einzelne Rechner als an die größere Internet-Infrastruktur, die immerhin zu weiten Teilen auf Linux basiert. Tests zeigen jedenfalls eine erhebliche Steigerung der Reaktionsgeschwindigkeit, auch können Verbindungen mit der neuen Technik besser mit Paketverlusten umgehen.

Tracing

Doch auch für andere Konzerne spielt Linux eine zentrale Rolle, so investiert auch Netflix mittlerweile einiges in das freie Betriebssystem. Auf den Video-Streaming-Anbieter geht denn auch eine zweite große Neuerung in Linux 4.9 zurück. Entwicklern stehen mit der neuen Version deutlich verbesserte Möglichkeiten zum Tracing ihrer Anwendungen zur Verfügung, um Performance-Schwachpunkte aufzuspüren. Der Kernel kann jetzt selbsttätig regelmäßige Messungen vornehmen, und als Grafik aufschlüsseln, in welchen Codeteilen wie viel Zeit verbracht wird. Damit habe Linux endlich eine mit Oracles Dtrace vergleichbare Tracing-Möglichkeiten, zeigen sich die Entwickler überzeugt.

Sicherheit

Gerade in den letzten Monaten sahen sich die Linux-Entwickler immer wieder Kritik an ihrem vermeintlich zu geringem Interesse für Sicherheitsfragen ausgesetzt. Aus dieser Diskussion resultierten bereits einige diesbezügliche Verbesserungen in aktuellen Versionen der Software, mit LInux 4.9 kommt nun ein erweiterter Schutz vor gebräuchlichen Stack Overflow-Bugs hinzu.

Ein deutliches Upgrade gibt es für das Dateisystem XFS: Dieses bekommt einige Funktionen spendiert, die bisher neueren Alternativen wie btrfs vorbehalten war. Dazu gehört etwa die Copy-on-Write-Unterstützung, durch die Kopien einer Datei keinen zusätzlichen Speicherplatz einnehmen, nur die folgenden Änderungen werden dann noch einmal separat gespeichert. Dies führt zusätzlich dazu, dass Kopien praktisch umgehend erstellt sind.

Bei Google mag man mittlerweile zwar das Interesse am modularen Smartphone ARA verloren haben, die dafür entwickelte Infrastruktur landet nun aber trotzdem im Kernel. Sowohl das Greybus Protocol als auch zugehörige Treiber sind nun über den Staging-Bereich verfügbar.

Ausblick

Weitere Infos zur neuen Version hat unter anderem heise.de in aller Ausführlichkeit zusammengetragen. Mit der Veröffentlichung von Linux 4.9 beginnt nun wie gewohnt die rund zweiwöchentliche Phase zur Aufnahme neuer Funktionen in den Kernel. (Andreas Proschofsky, 12.12.2016)

  • Tux freut sich in all seinen Ausgaben über einen neuen Linux Kernel.
    grafik: linux foundation

    Tux freut sich in all seinen Ausgaben über einen neuen Linux Kernel.

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