HSV lässt Beiersdorfer fallen

11. Dezember 2016, 22:21
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Die Hamburger trennen sich nach dem schwachen Saisonstart von ihrem Vorstandsvorsitzenden, der langjährige Frankfurt-Chef Heribert Bruchhagen übernimmt

Hamburg – Der Hamburger SV hat sich nach dem bislang unbefriedigenden Saisonverlauf (derzeit Tabellenplatz 16) von seinem Vorstandsvorsitzenden Dietmar Beiersdorfer getrennt. Der Aufsichtsrat habe einstimmig die Abberufung des 53-jährigen beschlossen, teilte der Bundesligist am Sonntagabend mit. Nachfolger wird Heribert Bruchhagen, er soll einen Vertrag über zweieinhalb Jahre erhalten haben.

Bruchhagen (68), langjähriger Manager von Eintracht Frankfurt, war seit Sommer beim Pay-TV-Sender Sky als Experte im Einsatz. Er war bereits von 1992 bis 1995 Manager des HSV. "Wenn der HSV anfragt, dann stellt sich für jeden, der im Bundesliga-Management tätig war, die Frage einer Zu- oder Absage gar nicht. Da ist eine Zusage Pflicht", sagte Bruchhagen. "Ich weiß um die sportliche Situation des HSV und kann diese einschätzen. Wir werden alles dafür tun, um gemeinsam das Ziel des Klassenerhalts zu erreichen."

Eine erste Aufgabe wird die Suche nach einem Sportdirektor sein. Im Mai hatte sich der HSV von Peter Knäbel getrennt, Beiersdorfer, der seit Juli 2014 im Amt war und noch einen Vertrag bis 2018 hat, war seither Sportdirektor und Klubchef in Personalunion.

Beiersdorfer hatte bis zuletzt immer wieder erklärt, er werde um seinen Job kämpfen. Er sei mit sich im Reinen. "Ich kann in den Spiegel schauen und sagen, dass ich bislang immer und auch weiterhin alles nur im Sinne des HSV machen werde. Das ist mein Klub, meine Liebe. Dafür stelle ich mich hintenan und fokussiere mich auf das Wesentliche", sagte er.

Das war dem Aufsichtsrat um den Vorsitzenden Karl Gernandt offensichtlich nicht genug. Der Vertraute des mächtigen HSV-Geldgebers Klaus-Michael Kühne hatte erst Mitte November auf die Verpflichtung eines neuen Sportchefs gedrängt. Auf die Frage, ob es sich der HSV leisten könne, ohne einen neuen Kaderplaner in die Wintertransferperiode zu gehen, hatte er erklärt: "Nein. Die Sanduhr hat deutlich weniger Körner oben als unten. Wir sind uns der Dringlichkeit bewusst." Verhandlungen mit aussichtsreichen Kandidaten wie Bochums Christian Hochstätter waren zuletzt gescheitert.

Beiersdorfers Bilanz fällt bescheiden aus. Etwa 90 Millionen Euro hatte er für neue Profis ausgegeben, trotzdem rettete sich der HSV in der Saison 2014/15 erst in der Relegation vor dem erstmaligen Abstieg. Die vergangene Saison schloss der Verein auf Platz zehn ab. (sid, red, 11.12.2016)

  • Dietmar Beiersdorfer schaffte es nicht, den HSV auf Erfolgskurs zu bringen.
    foto: apa/epa/bockwoldt

    Dietmar Beiersdorfer schaffte es nicht, den HSV auf Erfolgskurs zu bringen.

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