Ölpreise ziehen nach historischem Schulterschluss an

Analyse12. Dezember 2016, 08:00
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Auch Nicht-Opec-Länder haben sich verpflichtet, die Ölproduktion zu drosseln. Diese Förderbremse hat sofort Wirkung gezeigt

Wien – Am Samstag hat sich im Kleinen wiederholt, was Ende November mit großem Tamtam in der Wiener Zentrale der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) eingeleitet worden ist: die erste Förderkürzung des Ölkartells seit 2008, bei der elf der 14 Opec-Länder (siehe Grafik) mitziehen wollen; ein Dutzend andere Förderländer wollen den als historisch bezeichneten Deal durch Eigenbeiträge ergänzen.

Die Ölpreise sind am Montag nach den angekündigten Förderkürzungen auf den höchsten Stand seit Sommer 2015 gestiegen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Februar legte im frühen Handel um bis zu 6,55 Prozent auf 57,89 Dollar zu. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Jänner verteuerte sich um knapp fünf Prozent auf 53,92 Dollar (51,07 Euro).

Ausnahmen für den Iran

Der Vereinbarung nach, die bei der Opec-Konferenz vor eineinhalb Wochen skizziert und nun um Details ergänzt und formalisiert wurde, könnte der Output ab Jänner in Summe um knapp 1,8 Millionen Fass (159 Liter) am Tag sinken. Um 1,19 Millionen Fass will die Opec ihre Produktion drosseln – gemessen an der durchschnittlichen Tagesproduktion im Oktober (33,72 Millionen Fass).

Alle Mitgliedsländer bis auf Nigeria und Libyen, die mit schweren Problemen kämpfen, und Indonesien, das als Nettoimporteur von Öl eine Mitgliedschaft in der Opec bis auf weiteres suspendiert hat, sind alle 14 Länder mit von der Partie. Dem Iran wurde als einzigem Kartellmitglied zugestanden, seine Förderung bis Jänner um 90.000 Fass am Tag zu steigern. Das war eine der Bedingungen für den Deal. Der Iran, die Nummer drei unter den Opec-Förderländern und ewiger Rivale von Saudi-Arabien, hätte sonst nie und nimmer grünes Licht für den Kürzungsbeschluss gegeben.

Zweifel an Zahlen

Und selbst das ist nicht selbstverständlich. Teheran hat lange Zeit gedrängt, das Produktionsniveau vor Einsetzen der internationalen Sanktionen bei vier Millionen Fass am Tag erreichen zu können, bevor man sich einen allfälligen Deckel gefallen ließe.

Nun aber sind neben Russland und elf andere Länder bereit, auf Menge zu verzichten. Von welchen Produktionszahlen aus welcher Statistik in welchem Zeitraum dabei ausgegangen werden soll, ist dabei unklar. Unklarheit gab es zunächst auch über die exakte Menge an Öl, die Nicht-Opec-Länder in Summe weniger aus dem Boden holen wollen: Sprachen die einen von 562.000 Barrel am Tag, wussten andere von 612.000 Barrel, die weniger gefördert werden sollen. Russland jedenfalls dürfte mit 300.000 Fass am Tag rund die Hälfte der Kürzung realisieren, Mexiko will seine Produktion um 100.000 Fass am Tag zurückschrauben, Kasachstan um 50.000 Fass am Tag. (Günther Strobl, 12.12.2016)

  • Opec – neue Förderquoten im Ölkartell.
    grafik: der standard

    Opec – neue Förderquoten im Ölkartell.

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