Bärenstarke ÖSV-Slalomläufer bei Kristoffersen-Sieg in Val d'Isere

11. Dezember 2016, 13:30
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Norweger gewinnt mit famosem Finallauf vor Hirscher und dem Russen Choroschilow. Halbzeitführender Pinturault gescheitert, Digruber Vierter, Matt Sechster

Val d'Isere – Henrik Kristoffersen hat sich eindrucksvoll im alpinen Ski-Weltcup-Zirkus zurückgemeldet. Der 22-Jährige, der den ersten Saison-Slalom in Levi wegen Streitigkeiten mit dem norwegischen Verband verpasst hatte, gewann am Sonntag in Val d'Isere mit Laufbestzeit im zweiten Durchgang vor Marcel Hirscher. Marc Digruber wurde hinter Alexander Choroschilow als Vierter zweitbester ÖSV-Läufer.

Michael Matt verbesserte sich im zweiten Durchgang von Position 27 auf den sechsten Platz. Marco Schwarz wurde nach Rang neun im ersten Lauf auf den 23. Platz durchgereicht, nachdem er sich kurz vor dem Ziel einen fatalen Rutscher leistete. Manuel Feller fädelte als Halbzeit-Zehnter im zweiten Durchgang ein.

Hirscher flott, Kristoffersen flotter

Nach dem ersten Lauf auf der Face de Bellevarde war noch Lokalmatador Alexis Pinturault in Führung gelegen, der Franzose schied in der Entscheidung nach einem Fehler im oberen Teil aus. Hinter Pinturault lauerten Choroschilow, Kristoffersen und Hirscher. Der Salzburger legte als Erster dieser Gruppe fulminant los und knallte mit 53,30 Sekunden vor seinen Teamkollegen Matt und Digruber eine neue Laufbestzeit hin. Kristoffersen aber setzte noch einen drauf.

Der Norweger fuhr den von seinem Trainer Christian Mitter gesteckten Kurs in 52,87 hinunter und gab den ersten Platz in der Folge nicht mehr her. "Es ist mein erster Slalom diese Saison, ich hatte keine Ahnung, wo stehe", sagte Kristoffersen, der im Gesamtweltcup nach seinem elften Karriere-Sieg, dem zehnten im Slalom, hinter Hirscher und Pinturault bereits Dritter ist. "Jetzt ist es ein wirklich gutes Gefühl. Die letzten zwei Monate waren unglaublich schwierig. Jetzt hoffe ich, dass ich wirklich zurück bin."

Choroschilow eine halbe Ewigkeit zurück

Am Ende hatte Kristoffersen 0,75 Sekunden Vorsprung auf Hirscher, Choroschilow lag 1,92 zurück. Kristoffersen stand bereits am Samstag im Riesentorlauf als Dritter auf dem Podest. Der Norweger hatte wegen des Streits mit dem Verband um seinen Kopfsponsor auf den Levi-Slalom verzichtet. Nun sollen die Unstimmigkeiten ausgeräumt sein.

Das ist auch Hirscher nicht entgangen. "Chapeau, weil meiner auch nicht zwider war", meinte Hirscher im ORF-Interview. Über den zweiten Platz freute sich der Salzburger, nach dem ersten Lauf hatte er das Zielgelände mit einer gehörigen Portion Frust noch fluchtartig und kommentarlos verlassen. "Es ist nicht so gelaufen, wie ich es mir für heute vorgenommen habe."

Mit seinem 96. Podestplatz stellte Hirscher die Marke von Hermann Maier ein. Im Gesamt-Weltcup liegt der 27-Jährige mit 440 Punkten nun mit 156 Zählern Vorsprung auf Pinturault voran.

Gelungene Attacken von Digruber und Matt

Neben Hirscher zeigten dieses Mal Digruber und Matt, dass die Slalom-Herren derzeit die schlagkräftigste Truppe innerhalb der ÖSV-Alpinen stellen. Matt hatte im ersten Durchgang Pech, als eine Stange brach und ihn dann behinderte. Der Plan, im zweiten Durchgang voll zu attackieren, ging auf. Der Levi-Zweite machte 21 Positionen gut.

Digruber war nach dem ersten Lauf 17., verbesserte sich somit um 13 Ränge. "Ich habe einfach alles riskiert", so der Niederösterreicher.

Dass Hirscher, Matt und Digruber im Finaldurchgang hinter Kristoffersen die Schnellsten waren, unterstreicht die starke Performance der rot-weiß-roten Stangenartisten. Sie wäre freilich noch besser gewesen, wären Feller und Schwarz ohne grobe Fehler geblieben. Dominik Raschner verpasste als 44. die Qualifikation für den zweiten Durchgang, Weltcup-Debütant Richard Leitgeb und Christian Hirschbühl schieden aus. (APA, 11.12.2016)

  • Marcel Hirscher fand sich im Stangenwald einmal mehr ganz gut zurecht.
    foto: apa/afp/philippe desmazes

    Marcel Hirscher fand sich im Stangenwald einmal mehr ganz gut zurecht.

  • Einen Tick besser lief es aber noch für Henrik Kristoffersen.
    foto: reuters/christian hartmann

    Einen Tick besser lief es aber noch für Henrik Kristoffersen.

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