Russland und Doping: Zu groß für Sanktionen

Kommentar9. Dezember 2016, 17:41
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Den russischen Sport auszuschließen, lässt sich leicht fordern, aber nicht umsetzen

Den Verwesern des Sports wäre es mit Sicherheit lieber gewesen, wenn der von der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) mit Untersuchungen betraute Richter nicht gar so genau hingeschaut hätte in Sachen Doping und Russland. Jetzt, nach Veröffentlichung des zweiten Teils des sogenannten McLaren-Reports, sind sie zwar nicht wesentlich klüger – von staatlichen Stellen gefördertes Doping hat stattgefunden, hunderte, wenn nicht tausende Sportler haben sich behördlich abgesichert illegal gestärkt -, dafür aber deutlicher gefordert. Jetzt scheint es nicht mehr getan zu sein mit Sperren gegen einzelne Sportlergruppen und Funktionäre. Nicht mehr getan mit sportpolitisch, vor allem aber finanziell wohlfeilen Gesten wie dem Ausschluss Russlands von den Paralympics.

Den russischen Sport in Quarantäne zu schicken, also auszuschließen, bis die aktuelle Generation der Doper und ihrer Hintermänner quasi ausgestorben ist, lässt sich leicht fordern, aber nicht umsetzen. Das ließ sich nicht einmal im vergleichsweise kleinen Profiradsport durchziehen. Zwar wirkt die Dimension des aufgedeckten Betrugs zu gewaltig für faire Einzelfallprüfungen, die Bedeutung Russlands im Sport ist aber zu groß für umfassende Sanktionen. Deren Preis zu zahlen ist niemand bereit – nicht der Weltfußball, der in zwei Jahren in Russland seinen lukrativsten Event abfeiert, nicht die Olympier, die sich ihr schönes Geschäftsmodell kaum kaputtsanktionieren werden. (Sigi Lützow, 9.12.2016)

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