Syrische Armee kontrolliert laut Moskau 93 Prozent Ostaleppos

9. Dezember 2016, 15:28
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Meldungen: Verbliebene Menschen werden beschossen – Von Russland verkündete Feuerpause nicht eingehalten

Aleppo/Hamburg/Damaskus – Die syrische Armee und ihre Verbündeten haben nach Angaben des russischen Verteidigungsministers Sergej Rudskoj mittlerweile 93 Prozent von Ostaleppo eingenommen. In den vergangenen 24 Stunden hätten 12.500 Menschen das Gebiet verlassen, darunter 4.000 Kinder. 30 Aufständische hätten die Waffen niedergelegt.

Von den jüngsten Angriffen besonders betroffen war das Stadtviertel Bustan al-Qasr. Auch ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete von Gefechtslärm in der Nacht. Das von Aufständischen kontrollierte Gebiet ist innerhalb weniger Tage stark geschrumpft.

Die verbliebenen Zivilisten im belagerten Ostteil von Aleppo werden ungeachtet einer von Russland verkündeten Feuerpause offenbar weiter beschossen. "Mehrere belagerte Gebiete" der Großstadt seien am Freitag mit Artilleriegeschützen angegriffen worden, teilte die oppositionsnahe Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Diese ist keine Nachrichtenagentur und kein Medium, ihre Angaben können nicht unabhängig überprüft werden. Sie selbst beruft sich auf ein dichtes Netzwerk von Informanten.

An Flucht gehindert, auf Flucht festgenommen

Die Uno beklagte derweil das Schicksal der Bewohner Aleppos. Einerseits würden Zivilisten von Aufständischen an der Flucht aus Aleppo gehindert. Bei diesen handelt es sich um teils gemäßigte Islamisten, teils aber auch mit der einstigen Al-Kaida-Filiale Nusra-Front kämpfende Personen und solche, die mit diesen verbündet sind. Andererseits gebe es "sehr besorgniserregende" Hinweise darauf, dass hunderte Männer nach der gelungenen Flucht unauffindbar seien.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow lehnte am Freitag eine Einstellung der Angriffe auf die noch von Rebellen kontrollierten Gebiete ab. "Die Angriffe werden so lange weitergehen, wie noch Banditen in Aleppo sind", sagte Lawrow am Rande des OSZE-Ministerrats in Hamburg. Lawrow relativierte seine Ankündigung vom Donnerstagabend zu einer begrenzten Feuerpause. Er sprach nun von einer "humanitären Unterbrechung" der Angriffe. Ziel sei gewesen, "dass Zivilisten die Stadt verlassen konnten, die dies wollten". Von einer Einstellung der Kampfhandlungen sei nie die Rede gewesen. Russland unterstützt das syrische Regime im Kampf gegen Rebellen.

Lawrow kritisierte, die USA verträten in den Verhandlungen mit der russischen Regierung zu Syrien eine seltsame, widersprüchliche Position. Er sehe dennoch weiter gute Chancen für eine Einigung mit den USA. Voraussetzung sei aber, dass diese sich an einem Militärexpertentreffen zu Aleppo am Samstag in Genf beteiligten.

Aleppo war früher eine blühende Wirtschafts- und Kulturmetropole, geriet dann aber in den Mittelpunkt des Bürgerkriegs. Die seit Jahren umkämpfte Stadt war bis vor kurzem in einen von der Regierung kontrollierten Westen und einen von Aufständischen gehaltenen Osten geteilt. Mitte November startete die syrische Führung eine neue Großoffensive, um Aleppo vollständig zurückzuerobern. (APA, 9.12.2016)

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