Etat-Wochenschau: GIS-Beschluss und Thurnhers letztes "Im Zentrum"

12. Dezember 2016, 07:00
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42 frische Gebührenmillionen im Jahr – und etwa so viel Regierungswerbung im Quartal

Wien – Opfer müssen gebracht werden für 7,7 Prozent Gebührenerhöhung, die erste in fünf Jahren. Da geht der ORF nun zum Äußersten, wenn Thomas Drozda (Medienminister, SPÖ) und Werner Amon (Mediensprecher, ÖVP) in seltener Eintracht – und nur bedingter Zuständigkeit – Sparmaßnahmen sehen wollen, bevor der öffentlich-rechtliche Riese auch nur an Gebührenerhöhung denkt.

Der Sport spart

Da kann es nicht bei 300 Millionen Euro an versprochenen Einsparungen über die nächsten fünf Jahre bleiben und deren laufender Dokumentation, bei 300 nicht nachbesetzten Pensionsantritten, bei Technikinvestitionsplänen von 100 Millionen, die vertagt oder verändert wurden. Da galt es rasch zu handeln – und unmittelbar spürbar für ORF-Mitarbeiter und, so sagt man wohl, Personen des öffentlichen Lebens.

Kurzum: Die legendäre Weihnachtsfeier des ORF-Sports fällt heuer aus. Sportchef Hans Peter Trost, bestätigt auf Anfrage, und erklärt das, gewohnt knapp und knackig, so: "Wir sparen, wo es nur geht."

foto: red
Sparsame Weihnachten (aus der Reihe: Wochenschau-Symbolbilder).

Nun würde zum Beispiel ProSiebenSat1Puls4-Chef Markus Breitenecker wohl lieber sehen, wenn ORF-Sportchef Trost bei den Übertragungskosten für die Champions League oder auch für ÖSV-Rennen sparen würde. Aber man muss ja nicht auf jedes so selbstlose Angebote der Konkurrenz eingehen, dem ORF diese finanzielle Bürde abzunehmen (mitsamt dem nicht ganz kleinen Publikum solcher Bewerbe).

Erst Gebührenbeschlüsse, dann Weihnachtsfeier

Der Weihnacht feiert der ORF dennoch entgegen – als Sammeltermin für alle einschlägigen, nicht formell sportlichen Festivitäten ist der 16. Dezember vorgegeben. Da gibt es wohl auch einiges zu feiern.

Denn: Nur noch dreimal schlafen gehen, dann entscheidet der Stiftungsrat des ORF am Donnerstag über Alexander Wrabetz' Gebührenantrag, mit Mehrheit ist zu rechnen – aber der ORF und seine Räte waren schon für viele Überraschungen gut. Ebenso am Freitag im eilig einberufenen Publikumsrat, der die Erhöhung immerhin ein bisschen verzögern könnte.

Just ein Gebührenbeschluss ohne Finanzausschuss

So eilig wurden die Publikumsräte einbestellt, dass just dieser Sitzungstermin über eine wirtschaftliche Schlüsselfrage des ORF ohne einen Finanzausschuss vorher stattfindet – im nicht öffentlichen Ausschuss könnte man immerhin die Geschäftsführung zum als vertraulich deklarierten Antrag fragen; einfacher jedenfalls als in der öffentlichen Plenarsitzung.

Im Plenum ist am Freitag mit einer Handvoll der 31 Publikumsräte zu rechnen, die mit allen verfügbaren Extremitäten für all jene aufzeigen, die ihnen ihre Stimme delegiert haben.

Frische Millionen, fröhliche Weihnacht

Bei der ORF-Weihnachtsfeier – ausnahmsweise wohl auch wegen der Gebührenbeschlüsse am Freitagabend – können sich Räte wie General von solchen Strapazen erholen und mit der Belegschaft feiern, dass 2017 durch die Gebührenerhöhung an die 30 und ab 2018 dann rund 46 Millionen Euro extra hereinkommen. Wenn man Anteile der Verwertungsgesellschaften abzieht, kommt man auf 28 beziehungsweise 42 Millionen.

foto: red
Vorletzte Ausgabe von "Im Zentrum" mit Ingrid Thurnher – vor der Beschlusswoche über die ORF-Gebührenerhöhung gewiss ganz zufällig ausnahmsweise mit Vertretern aller Parlamentsparteien – schlüssig zum Thema Innenpolitik und neue Koalitionsmöglichkeiten.

Vorglühen mit Ingrid Thurnher

ORF-Mitarbeiter, die nicht ganz unvorbereitet zur Weihnachtsfeier stoßen wollen, können Freitag schon um 16 Uhr mit Ingrid Thurnher vorglühen: Fernsehdirektorin Kathrin Zechner lädt zur Verabschiedung der langjährigen Moderatorin – vom ORF-Mutterschiff zur Tochterfirma ORF 3, wo Thurnher ja mit Jahreswechsel Chefredakteurin wird.

Ihr vorerst letztes "Im Zentrum" moderiert Thurnher dann am kommenden Sonntag, am 11. Jänner übernimmt Claudia Reiterer die Sendung.

Regierungswerbemillionen: Frische Daten

Spätestens diesen Donnerstag gibt es noch einiges mehr zu rechnen: Die Medienbehörde KommAustria muss bis 15. Dezember die (gemeldeten) Werbebuchungen von Ministerien, Ländern, öffentlichen Institutionen und Firmen im dritten Quartal 2016 veröffentlichen – darunter auch der ORF.

Das Sommer-Quartal ist nach bisherigen Erfahrungen mit der sogenannten Medientransparenz eine eher zurückhaltendes, und die Werte insgesamt sinken in den letzten Quartalen leicht. Aber um 35 Millionen könnten es schon werden – die gemeldeten Werte liegen nach Erhebungen des Rechnungshofs ohnehin ein Drittel bis die Hälfte unter den realen Werten.

Man kann zudem davon ausgehen: Wien wird wieder größter Werber unter allen Meldern sein. Das war seit 2012 noch immer so. (Harald Fidler, 12.12.2016)

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