Auktionshaus: 250 Jahre Menü à la Christie's

10. Dezember 2016, 18:00
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Werke von Gustav Klimt und Egon Schiele sind ebenso Teil der 250-jährigen Erfolgsgeschichte von Christie's wie das teuerste Möbel weltweit oder ein ausgestopfter Rabe

Pall Mall, die in der City of Westminster von der St. James's Street über den Waterloo Place zum Haymarket führende Straße, war einst das Zentrum der Londoner Kunstszene. Die National Gallery hatte dort ebenso ihren Sitz wie die Royal Academy und es sollten sich bis in das frühe 20. Jhd. zahlreiche Gentlemen's Clubs ansiedeln.

Anno 1766 ließ sich hier James Christie nieder und stand am 5. Dezember erstmals an seinem von Thomas Chippendale gefertigten Rostrum, wie das Pult in der Auktionsbranche genannt wird. Zur Verteilung gelangte der komplette Hausrat eines Adeligen. Das erste Lot war ein zwölfteiliges Frühstücksservice, das ein gewisser "Mr. Shepperd" für 19 Schilling ersteigerte. Die Versteigerung dauerte fünf Tage und spielte schließlich 174 Pfund und 16 Schilling, nach heutigem Wert also etwa 21.700 Pfund ein.

Globaler Gigant

Soweit zur Geburtsstunde des mittlerweile zu einem globalen Giganten gewachsenen Auktionshauses Christie's, das dieser Tage jenes 250-jährige Jubiläum begeht, das man seit Monaten zelebriert: mit kuratierten Auktionen oder auch mit einer Ausstellung, die britische Kunst über eine Zeitspanne von vier Jahrhunderten dokumentierte. Im Oktober erschien bei Phaidon (250 Years of Culture, Taste and Collectin") die in knapp 500 Seiten verpackte Erfolgsstory, aufgezäumt an 250 Schlüsselobjekten, die im Laufe der Dezennien verkauft wurden.

Den Raben, der 1870 stattliche 300.000 Kronen erzielte und sogar in einer österreichischen Zeitung Erwähnung fand, sucht man allerdings vergeblich. Er hatte dem einen Monat zuvor verstorbenen Charles Dickens gehört, der seinen über alles geliebten Gefährten nach dessen Tod hatte ausstopfen lassen. Als Dickens-Enthusiast und siegreicher Bieter war der damalige Herzog von Westminster entlarvt worden.

Österreich-Bezug

Objekte mit Österreichbezug finden sich in der Christie's-Chronik einige. Etwa auch das teuerste Möbel in der Geschichte des Kunstmarktes, das dank der Kauflust des Fürsten von Liechtenstein in Wien eine endgültige Heimat fand: das Badminton Cabinet, an dem ab 1726 nicht weniger als 30 Meister knapp sechs Jahre lang arbeiteten. Ein Triumph italienischer Pietra-dura-Kunst, für den sich Johann Kräftner am 9. Dezember 2004 gegen vier Konkurrenten durchsetzen musste. Das ersehnte "zum Dritten" bekam der Chefeinkäufer des Fürsten allerdings erst bei umgerechnet 27,2 Millionen Euro zu hören.

Nach Wien führte einst auch die Spur der wertvollsten illuminierten Handschrift weltweit: Das 252 Seiten umfassende Stundenbuch aus der Sammlung des Wiener Zweiges der Familie Rothschild war, wie alle anderen Kunstwerke dieser Provenienz, aus Bundesmuseumsbeständen 1999 von der Republik Österreich an die Erben restituiert worden. Die Auktion im Juli des gleichen Jahres spielte umgerechnet 1,2 Milliarden Schilling ein. Den höchsten Zuschlag hatte Christie's bei 180,4 Millionen Schilling bzw. etwa 13 Millionen Dollar für die Handschrift erteilt. Im Jänner 2014 gelangte sie neuerlich zur Versteigerung und erzielte deren 13,6 Millionen Dollar (rund 10 Mio. Euro).

Profit durch Restitutionen

Über die Jahre war Christie's rückblickend jenes Auktionshaus, das neben Sotheby's am meisten von Restitutionen profitierte. 2006 spielten die an Maria Altmann, Erbin nach Bloch-Bauer, restituierten Klimt-Gemälde 192,7 Millionen Dollar ein, die über einen Private Sale an Ronald Lauder vermittelte Goldene Adele weitere 135 Millionen.

Sein Auktionsdebüt bei Christie's hatte Gustav Klimt übrigens im November 1971 mit dem 1904 geschaffenen ganzfigurigen Porträt Hermine Gallias gegeben. Es wechselte für 21.000 Pfund in den englischen Handel und von dort 1976 in die National Gallery (London).

Die erste Schiele-Arbeit hatte Christie's hingegen im Dezember 1974 offeriert: Die Kranker Russe bezeichnete Gouache von 1915 ersteigerte Rudolf Leopold (1925-2010). Die 8925 Pfund hatte er bar bezahlt und das Blatt gleich nach der Auktion in Empfang genommen. Wie bis weit in die 1990er-Jahre üblich, war die Herkunft der Arbeit im Auktionskatalog nicht ausgewiesen. Sie musste Jahrzehnte später im Zuge der systematischen Erforschung des Bestandes im Leopold-Museum erst rekonstruiert werden. Auf Basis des Ende 2014 vorgelegten Dossiers attestierte die Kommission dem Kranken Russen im März 2015 schließlich eine weiße Weste. (Olga Kronsteiner, 10.12.2016)

  • Im Dezember 2004 ersteigerte Johann Kräftner im Namen des Fürsten von Liechtenstein für 27,2 Millionen Euro das "Badminton Cabinet". Bis heute gilt das in Wien beheimatete Möbel als das teuerste weltweit.
    foto: liechtenstein - the princely collections, vaduz-vienna

    Im Dezember 2004 ersteigerte Johann Kräftner im Namen des Fürsten von Liechtenstein für 27,2 Millionen Euro das "Badminton Cabinet". Bis heute gilt das in Wien beheimatete Möbel als das teuerste weltweit.

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