Austrianer nach 2:3 in Pilsen selbstkritisch

9. Dezember 2016, 11:55
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Wiener bezahlen Lehrgeld, anstatt Weihnachtsgeld zu kassieren – Holzhauser: "Es ist einfach dumm" – Rotpuller: "Man muss sich hinterfragen"

Pilsen – Eine violette Sternstunde vor Augen hat die Austria in der Europa League einen nicht für möglich gehaltenen Tiefschlag kassiert. Im entscheidenden Auftritt in Pilsen verspielten die Wiener mit einem Mann mehr einen 2:0-Vorsprung, gingen noch als Verlierer vom Feld und verpassten damit den zum Greifen nahen Aufstieg. Den Favoritnern entgingen durch das 2:3 Prämien in Millionenhöhe.

Raphael Holzhauser wirkte fast unmittelbar nach Schlusspfiff bedient. "Es ist einfach dumm", sagte der Ersatz-Kapitän über die Vorstellung seiner Mannschaft. "Wenn man solche Fehler macht, kann man nicht weiterkommen." Niedergeschlagen war Lukas Rotpuller. Er traf wie im Heimspiel gegen Astra Giurgiu, schlich danach jedoch erneut mit hängendem Kopf vom Feld. "Wenn man den Aufstieg zweimal so vergibt, muss man sich hinterfragen", meinte der Verteidiger.

Donnerstagabend um 19.41 Uhr war in der Doosan Arena von Pilsen die Stimmungslage bei der Austria noch blendend, Rotpuller soeben überbordend jubelnd abgedreht. Tschechiens ohnehin ersatzgeschwächter Meister lag nach seinem Kopfballtor 0:2 zurück und hatte Verteidiger Lukas Hejda mit Rot verloren. Für die Austria schien der Sieg zum Greifen nahe, doch dann lief alles schief.

Abgebrühter Joker

Pilsen gelang nach einem Eckball noch vor der Pause der nicht unverdiente Anschlusstreffer und schöpfte neue Hoffnung. Nach Seitenwechsel drehte der eingewechselte Michal Duris (72., 84.) die Partie. Von der Austria kam spätestens nach dem Ausgleich nichts mehr. Schon davor hatten sich die Wiener viel zu passiv präsentiert. Thorsten Fink sprach von "Lehrgeld", den seine junge Mannschaft bezahlt habe.

Am Tabellenende

"Wir haben uns am Ende selbst geschlagen, in Momenten, wo wir nicht so große Erfahrung hatten", meinte Austrias Trainer auch im Rückblick auf das 1:2 gegen Giurgiu in Wien. Gegen die Rumänen war der Sprung ins Sechzehntelfinale nach 1:0-Zwischenstand sehr nahe. Auch vor zwei Wochen liefen die Wiener danach in eine vermeidbare Niederlage. Am Donnerstag stieg nun Giurgiu nach einem 0:0 gegen AS Roma als Gruppenzweiter auf, die Austria rutschte mit ihren fünf Zählern noch ans Tabellenende ab.

Weihnachtsgeld ade

1,16 Millionen Euro hätte ein Erfolg der Austria alleine aus Sieges- und Aufstiegsprämien gebracht. Dazugekommen wären noch die Einnahmen im Sechzehntelfinale. Das Weihnachtsgeld der UEFA blieb nun aber aus, die Vereinskasse der Austria unbefüllt. Dabei war für die Austrianer nach drei Spieltagen bzw. dem überschwenglich gefeierten 3:3 in Rom noch alles möglich.

14 Gegentreffer

Die Heimniederlage gegen die Römer (2:4) konnte man noch getrost abhaken, was danach folgte, waren jedoch Selbstfaller, die nicht nur auf die Jugend der Mannschaft zurückzuführen sind. 14 Gegentore in sechs Spielen zeigen auf, dass die Probleme der Austria vor allem im Defensivverhalten liegen. Unkonzentriertheiten, die in der Bundesliga noch großteils ausgebügelt werden können, wurden gegen die europäische Konkurrenz zum Verhängnis.

"International werden die Momente, in denen man nicht wach ist, einfach bestraft", sagte Rotpuller. Auch Pilsen profitierte von den Nachlässigkeiten der Gäste. Beim Ausgleich agierten beispielsweise Mittelfeld und Abwehr viel zu zögerlich. Coach Fink stellte fest, dass seine Elf in der zweiten Spielhälfte auch "Angst hatte, nach vorne zu spielen". Dennoch wollte der sichtlich enttäuschte Deutsche nicht alles negativ sehen.

"Trotzdem hat meine Mannschaft in der Europa League nicht enttäuscht, wir haben vom Spielerischen her Respekt errungen", meinte Fink. Er müsse sein Team nun aufrichten. "Solche Momente gehören zum Fußball. Nur dann kann man stärker werden", betonte Fink nach dem seiner Meinung nach bittersten Moment als Trainer der Austria. Als Spieler habe er dies selbst auch erlebt, erinnerte der Ex-Bayern-Profi an die legendäre 1:2-Niederlage der Münchner im Champions-League-Finale 1999 gegen Manchester United: "Man muss immer einmal mehr aufstehen als hinfallen." (APA, 9.12.2016)

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    Einen Moment der Fassungslosigkeit erlebten die Austrianer in Pilsen. Christoph Martschinko (vorne) und Osman Hadzikic beim Verarbeiten der schmerzlichen Niederlage.

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