Von Kickl kommunizieren lernen heißt, verlieren lernen

Kolumne9. Dezember 2016, 11:42
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Im Volk hält sich beharrlich das Gerücht, die FPÖ verstünde sich mit diabolischem Geschick auf finstere Kommunikationskünste

Haben Sie einen Feind? Hat Ihr Feind Bedarf an einem Kommunikationstraining? Wenn ja, empfehlen Sie ihm die Kommunikationsspezialisten der Freiheitlichen Partei für ein Coaching.

Im Volk hält sich beharrlich das Gerücht, die FPÖ verstünde sich mit diabolischem Geschick auf finstere Kommunikationskünste. Einen Schmarren tut sie. Hätte es eines Beweises bedurft, dass dort rechte Stümper am Werk sind, der Wahlkampf 2016 hätte ihn geliefert.

Das Problem der Blauen lag auf der Hand. Ihr Gegner Van der Bellen war ein Kandidat mit klarem Markenprofil (intellektueller Universitätsopa mit Fusselbart und milden Manieren). Beim blauen Kandidaten war ein Charakterkern schwer zu erkennen. Auf diesem relativen Nichts versuchte man, hirnrissig genug, gleich zwei Arten von politischer Persona aufzusetzen.

Persona eins: Der siaßlate Norbert, ein Zuckerschneck, den man einfach liebhaben muss. Persona zwei: Der rabiate Norbert, Rächer aller Zu-kurz-Gekommenen. Der Spruch, mit dem sich Berserker-Norbert vorstellig machte ("Sie werden sich noch wundern ..."), war ein Bock, von dem er sich nicht mehr erholte. Wundern worüber? Über einen Putsch, Einführung der Todesstrafe, der Folter? Viele hatten keine Lust darauf, sich diese bedrohliche semantische Leerstelle von einem Präsidenten Hofer in der Praxis ausfüllen zu lassen.

Ein Charakter, der ansatzlos vom Verhalten eines Hutschpferds zu dem eines Pitbulls wechseln kann und umgekehrt, ist gespenstisch. Als jedermann – vor allem: jederfrau – intuitiv erkannt hatte, dass die Doppelgesichtigkeit Hofers dessen größtes Imageproblem war, feuerte Spindoktor Kickl dieses Problem auch noch an, indem er massenhaft Hofer-Masken in Umlauf brachte. Ein genialer Coup!

Nicht minder töricht das Verhalten des Kandidaten selbst, der landauf, landab beteuerte, er habe keine "zwei Gesichter". Von der Binsenweisheit, dass Themen zu Themen werden, auch wenn man sie dementiert (Motto: "Denken Sie nicht an einen rosa Elefanten!"), haben die blauen Kommunikations-"Meister" offenbar noch nichts gehört.

Kickl, der neue Goebbels? Also bitt' recht schön. Da spielte Goebbels doch in einer ganz anderen Liga. Von den Freiheitlichen kommunizieren lernen heißt, verlieren lernen. Ein blaues Wunder, dass sie Kickl nicht längst gefeuert haben. (Christoph Winder, Album, 9.12.2016)

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