Parks Zeit im Blauen Haus könnte im Fiasko enden

9. Dezember 2016, 10:51
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Heute 64-Jährige trat 2013 als erste Frau das höchste Staatsamt Südkoreas an – Vorläufige Entmachtung nach Korruptionsaffäre um Freundin

Seoul – Bei ihrer Rückkehr in das Blaue Haus – den Amtssitz des südkoreanischen Präsidenten – hatte Park Geun-hye eine "Ära des Glücks und der Hoffnung" versprochen. Die Tochter des Militärdiktators Park Chung-hee (1961–1979) trat im Februar 2013 als erste Frau das höchste Staatsamt an. Nun droht ihr mit der vorläufigen Entmachtung durch das Parlament ein Fiasko.

Park wurde am 2. Februar 1952 als erstes Kind von Park Chung-hee und Yuk Young-soo in Daegu geboren. Ein Putsch brachte ihren Vater 1961 an die Macht, er regierte bis Ende der 1970er-Jahre als autoritärer Präsident. Seine historische Einordnung im Land ist zwiegespalten: Als unzweifelhaft gilt, dass er große Teile seiner Regierungszeit im Stil eines Diktators regierte, der im Vorgehen gegen die Opposition wenige Skrupel kannte. Allerdings gilt er auch als Vater des südkoreanischen Wirtschaftswunders, das das Land innerhalb weniger Jahrzehnte von einem der ärmsten der Welt zur elftgrößten Wirtschaft machte.

Eine Geschichte voller Tragödien

Die Familie Park zog später in den Präsidentenpalast ein. Das erlaubte auch Park Geun-hye früh Einblicke in Politik und Machtstrukturen. Ihr unbesorgtes Leben endete jäh, als ihre Mutter 1974 bei einem Attentat ums Leben kam, das vermutlich ihrem Vater gegolten hatte. Als 22-Jährige rückte sie in der Rolle der First Lady nach. 1979 wurde ihr Vater von seinem Geheimdienstchef erschossen. Nach diesem erneuten Schock verschwand sie viele Jahre von der Bildfläche.

Die asiatische Finanzkrise 1997 bewog Park zum Einstieg in die Politik. Von März 2004 bis Juni 2006 war sie Vorsitzende der rechten Großen Nationalpartei, die später in Saenuri umbenannt wurde. Nach einer Reihe von Wahlsiegen der Partei erhielt die "unnahbare" Park den Beinamen "Königin der Wahlen". Sie selbst verglich sich wegen ihrer nüchternen Art mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel. Parteigänger zogen wegen ihrer Kinder- und Ehelosigkeit Parallelen mit der englischen Königin Elizabeth I. (der "jünfräulichen Königin"), die sich statt eines Privatlebens ausschließlich dem Land hingebe. Ende 2012 wurde sie zur Präsidentin gewählt.

Nach dem Untergang der Fähre Sewol 2014 mit mehr als 300 Toten, auf die Park zu spät und mit scheinbarer Gefühlskälte reagierte, verloren immer mehr Bürger das Vertrauen in Parks Amtsführung. Der Regierung wurde vorgeworfen, nicht genug für die Rettung der Passagiere getan zu haben. Auch wuchs wegen anhaltender wirtschaftlicher Probleme und der Teuerung die Kritik. Die Korruptionsaffäre um ihre langjährige Freundin Choi Soon-sil könnte nun das Ende der politischen Karriere Parks eingeläutet haben. (red, APA, 9.12.2016)

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