Was im Job am meisten stresst

12. Dezember 2016, 10:57
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In der aktuellen "Stress Study" erhebt Deloitte in 120 Ländern die Quelle negativen Stresses

Einen Fehler zu machen zählt für 82 Prozent zu den größten Stressfaktoren. Lange Arbeitstage und viele verschiedene Verantwortlichkeiten sowie Konflikte – beispielsweise das Überbringen schwieriger Nachrichten – nennt jeweils gut die Hälfte als Stressauslöser. 46 Prozent der Befragten setzt Zeitdruck unter Stress. Fast ebenso viele fühlen sich durch Präsentationen oder das Treffen neuer wichtiger Personen gestresst.

So lautet die Essenz der aktuellen Deloitte-"Stress Study". Die Studie basiert auf zwei Befragungen, an denen insgesamt rund 40.000 Berufstätige aus 120 Ländern teilgenommen haben.

Allerdings müssen diese Stressfaktoren nicht zwangsläufig auch negativ wahrgenommen werden oder zu schlechten Arbeitsergebnissen führen. Hierzu lieferte die detaillierte Auswertung der Daten überraschende Ergebnisse. Die Antworten der Befragten wurden dafür in Zusammenhang mit ihren Persönlichkeiten gebracht, basierend auf dem Business-Chemistry-Konzept.

Demnach gibt es vier primäre Typen, die sich nach ihren Eigenschaften und Arbeitsweisen unterscheiden: Guardians, Integrators, Pioneers und Drivers.

· Guardian

Der Wächter arbeitet fleißig und konventionell. Er bemüht sich um Sicherheit und Stabilität. Er gerät leicht in Stress, wenn etwas nicht nach Plan läuft.

· Integrator

Der Integrator kommuniziert gerne und legt viel Wert auf Beziehungen. Auch dieser Typ ist leicht stressanfällig, da er dazu neigt, wenig auf Ziele zu fokussieren und der Kommunikation einen (zu) hohen Stellenwert beizumessen.

· Driver

Dieser Persönlichkeitstypus konzentriert sich sehr auf seine Ziele und verfolgt diese zielstrebig. Er braucht die Herausforderung und mag Risiken sowie schnelles Arbeiten. Dadurch läuft er auch seltener Gefahr, in Stress zu geraten.

· Pioneer

Der Pionier kommt ebenfalls selten in stressige Situationen. Er liebt es, nach innovativen Lösungen und neuen Möglichkeiten zu suchen. Er ist daher weniger gefährdet, beispielsweise durch den Druck zur Erfüllung klarer Vorgaben gestresst zu werden.

Der Stresslevel variiert auch bei nach innen respektive nach außen fokussierten Arbeitstypen. So sind Guardians, Dreamers (Subkategorie des Integrator) und Scientists (Subkategorie des Driver) reservierter, introspektiv und bedacht. Sie haben signifikant höhere Stresslevels. Pioneers, Teamer (Subkategorie des Integrator) und Commander (Subkategorie des Driver) sind extrovertierter, tatkräftig und anpassungsfähig. In Bezug auf Stress sind sie resistenter.

Grundsätzlich weisen die meisten Befragten einen moderaten Stresslevel auf: 14 Prozent sind nur sehr selten gestresst, 57 Prozent manchmal. 26 Prozent geben an, oft gestresst zu sein, und für drei Prozent ist es ein Dauerzustand. Abgefragt wurde Stress lediglich im beruflichen Kontext, andere Lebensbereiche wurden nicht in die Studie miteinbezogen.

Stress, der aktiviert

In einem zweiten Studienteil wurde die Effizienz der verschiedenen Persönlichkeitstypen unter Stress abgefragt. Der Großteil der Drivers und Pioneers geben an, am effektivsten zu sein, wenn sie mittelmäßig (61 Prozent) bis sehr gestresst (59 Prozent) sind.

Im Vergleich dazu geben die Integrators und Guardians nur jeweils zur Hälfte an, bei diesen Stresslevels am effektivsten zu arbeiten.

Ein generelles Thema, das Einfluss auf den Stresslevel im Arbeitskontext hat, ist das empfundene Sicherheitsgefühl in der Arbeitsrolle. Themen offen anzusprechen, seinen eigenen Arbeitsstil zu leben, Risiken einzugehen und sich aktiv einzubringen? Die Bereitschaft, mit anderen zusammenzuarbeiten und mit anderen zu lernen steigt deutlich, wenn man nicht ständig einen Gesichtsverlust bei möglichen Fehlern zu befürchten hat, sondern eine gelebte Lern- und Kooperationskultur in einem Team herrscht. Das führt auch zu einer größeren Bereitschaft, neue, auch herausfordernde Rollen wahrzunehmen und innovative Ideen zu entwickeln.

"Letztendlich ist das richtige Portfolio im Team und das Bewusstmachen dieser Persönlichkeitsmuster und Präferenzen essenziell, um professionelle Beziehungen und Zusammenarbeit gerade in schwierigen Situationen produktiv zu gestalten", erklärt Deloitte-Managerin Anna Nowshad. (Karin Bauer, 12.12.2016)

  • Fehler, Konflikte, lange Arbeitstage und das Überbringen schlechter Nachrichten führen die Liste der Top-Stressfaktoren an.
    foto: istock

    Fehler, Konflikte, lange Arbeitstage und das Überbringen schlechter Nachrichten führen die Liste der Top-Stressfaktoren an.

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