Wifo-Experte: Wohnkosten durch breiteres Angebot senken

9. Dezember 2016, 09:40
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Vor allem günstige kleinere, mittlere Einheiten fehlen

Wien – Für eine Wohnkostensenkung durch ein erweitertes Angebot plädiert Wifo-Experte Michael Klien. Dabei sollte neben dem etablierten gemeinnützigen Sektor der freifinanzierte Wohnbau stärker einbezogen werden. Statt reine Miet- oder Errichtungskosten sollten beim Gesamtaufwand eher "Lebenszykluskosten" betrachtet werden. Und: Geringere Stellplatz-Limits könnten in doppelter Hinsicht dämpfend wirken.

Neben der reinen Angebotsausweitung wäre auch eine Dämpfung der aktuellen Wohnungskosten zielführend, meint der Experte des Wirtschaftsforschungsinstituts im jüngsten Wifo-Monatsbericht. Dabei seien aber die reinen Miet- oder Errichtungskosten je Quadratmeter Wohnfläche "ein irreführender Maßstab", so Klien. In den letzten 30 Jahren seien viele kleine Wohnungen unter 60 m2 vom Markt verschwunden, primär durch Zusammenlegungen – dem stehe aber eine weiter sinkende Haushaltsgröße bzw. der ungebrochene Trend zu Einpersonenhaushalten gegenüber. Es fehle offensichtlich an kleineren und mittleren, also "insgesamt leistbaren Einheiten".

Wohnbauförderung anpassen

Die Betrachtung von "Lebenszykluskosten" bzw. des Gesamtmietaufwands einschließlich Betriebskosten für die gesamte Nutzungsdauer sei sinnvoller, denn es sinke der Anteil der Betriebskosten mit steigender Wohnungsgröße – und zwar von über 30 Prozent für kleine Mietwohnungen auf unter 20 Prozent für Mietwohnungen über 120 m2 Größe. Lediglich die kurzfristigen Errichtungskosten als Faktor ins Kalkül zu ziehen, erscheine "nicht zielführend". Daher sei die aktuelle Novelle des Vergaberechts zu unterstützen, die öffentlichen Auftraggebern zusätzlichen Spielraum zur Berücksichtigung von Kosten der Betriebsphase schon bei der Ausschreibung einräume. Auch die Wohnbauförderung könnte dahingehend angepasst werden, so Klien.

Geringere Stellplatz-Verpflichtungen seien ein weiterer sehr konkreter Kostendämpfungsfaktor, verweist der Experte auf etliche Bundesländer, die hier schon Änderungen eingeleitet und die Zahl der vorgeschriebenen Auto-Abstellplätze je Wohneinheit bzw. Wohnfläche gesenkt haben. Diese Maßnahme wirke doppelt: Sie verringere durch gedämpfte Baukosten die Wohnkosten, und sie mache den motorisierten Individualverkehr weniger attraktiv. Klien: "Da speziell Personen mit niedrigem Einkommen oftmals keinen Pkw besitzen, ist eine Senkung der verpflichtenden Stellplätze auch ein Beitrag zu leistbarem Wohnen." Allerdings bleibe Pendeln mit dem Auto – trotz der Umwelt- und Verkehrsproblematik einer intensiven Pkw-Nutzung – voraussichtlich ein wesentliches Element zum Ausgleich regionaler Unterschiede zwischen Job-Angebot und -Nachfrage.

Ausufernde Mietsubventionen

Skeptisch zeigt sich der Wifo-Experte zu ausufernden Mietsubventionen, also Subjektförderungen, insofern diese "zusätzlich preistreibende Effekte auslösen und damit ihr grundsätzliches Ziel konterkarieren könnten". Trotz der bestätigten hohen sozialen Treffsicherheit der Wohnbeihilfe sollten solche individuellen Mietsubventionen weiterhin nur komplementär zu angebotsseitigen Maßnahmen (Objektförderung) eingesetzt werden. Es zeichne sich nämlich durch die kräftige Steigerung der Ausgaben für die Mindestsicherung zusätzlicher Finanzierungsbedarf im Bereich Wohnen ab. "Vor diesem Hintergrund wäre eine bessere Abstimmung der beiden Fördersysteme dringend notwendig", sagt Klien. Da die Wohnbeihilfe ausschließlich vom betreffenden Bundesland finanziert werde, die Mindestsicherung jedoch in einer Kostenteilung zwischen Bund und Ländern, "ist unklar, ob derzeit eine konsistente und zielgerichtete Förderung erfolgt", so der Experte.

Im städtischen Raum hätten sich vor allem in den letzten zehn Jahren die Wohnkosten deutlich erhöht – und aufgrund des dynamischen Bevölkerungswachstums, das sich auf die Kernstädte konzentriere, dürfte dieser Trend auch in den kommenden Jahren vorherrschen, meint Klien. Durch eine Verbesserung der Erreichbarkeit könnten aber suburbane und periphere Regionen attraktiver gemacht werden, um dem Wohnkostendruck in den Kernstädten zu begegnen. (APA, 9.12.2016)

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