Werkstattkette ATU entgeht Pleite, Verkauf noch 2016

9. Dezember 2016, 06:07
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Mietensenkung als zentrale Bedingung für Übernahme erfüllt

München – Die Werkstattkette ATU ist mit knapper Not der Insolvenz entgangen. Die Verhandlungen mit den wesentlichen Vermietern über die Reduzierung der Mieten für die etwa 600 Werkstätten seien erfolgreich gewesen, teilte das Unternehmen aus Weiden in der Oberpfalz in der Nacht auf Freitag mit. Damit sei die zentrale Bedingung für die Übernahme durch den französischen Konkurrenten Mobivia erfüllt. Die Transaktion soll noch im Dezember vollzogen werden. Um Mitternacht wäre die Drei-Wochen-Frist abgelaufen, innerhalb derer sich ATU mit dem Vermieter von fast der Hälfte seiner Standorte, der niederländischen Lino, einigen musste. Hinter Lino stecken als Kreditgeber die Deutsche Bank und der Hedgefonds Davidson Kempner.

Schon wenige Stunden zuvor hatte der Weidener Oberbürgermeister Kurt Seggewiß von einer Einigung bei den Verhandlungen in New York "in letzter Sekunde" berichtet. Für die rund 10.000 Beschäftigten sei dies "ein vorgezogener Heiligabend". Firmenchef Jörn Werner sprach von einem "Meilenstein bei der laufenden Neuausrichtung". ATU soll im deutschsprachigen Raum weiterhin als eigenständiges Unternehmen mit Sitz in Weiden arbeiten.

Bayerns Wirtschaftminister Ilse Aigner hatte sich in den Poker eingeschaltet und sich für eine Rettung der seit Jahren im Besitz von Finanzinvestoren stehenden Firma eingesetzt. "Das ist eine wirtschaftlich sinnvolle Lösung und ein Sieg der Vernunft", lobte sie die Einigung im Anschluss. "Vor allem für die Beschäftigten ist dies eine gute Nachricht. Jetzt haben das Unternehmen und seine Mitarbeiter unter neuem Eigentümer wieder eine Perspektive."

600 Millionen einsparen

Eine mit den Verhandlungen vertraute Person sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Zahlungen für die 273 von Lino an ATU vermieteten Standorte sollen von zuletzt rund 57 Millionen Euro auf unter 30 Millionen Euro sinken. Über eine Laufzeit von 20 Jahren hinweg ergäben sich dadurch Einsparungen von rund 600 Millionen. Eine drastische Mietsenkung hatte Mobivia zur Voraussetzung für die Übernahme gemacht. ATU ist im Besitz von mehreren Hedgefonds wie dem US-Unternehmen Centerbridge; sie waren 2013 durch einen Tausch von Schulden in Anteile bei ATU eingestiegen und hatten den Finanzinvestor KKR als Eigentümer abgelöst.

ATU leidet seit Jahren unter hohen Schulden, die die Private-Equity-Unternehmen als Eigentümer der Kette aufgebrummt haben. Hinzu kommen der Trend zu Markenwerkstätten und zahlreiche Managementwechseln. Das Unternehmen betreibt 577 Autowerkstätten in Deutschland und weitere in Österreich und der Schweiz und kam im Geschäftsjahr 2015/16 auf rund eine Milliarde Euro Umsatz. (Reuters, 9.12.2016)

  • Die Verhandlungen mit Vermietern haben auf einen grünen Zweig geführt.
    foto: frank augstein

    Die Verhandlungen mit Vermietern haben auf einen grünen Zweig geführt.

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