Austria kassiert drei Tore in Überzahl

8. Dezember 2016, 21:07
407 Postings

2:3 in Pilsen nach 2:0-Führung – Veilchen beenden Gruppenphase auf dem letzten Platz – Tore von Holzhauser und Rotpuller

Plzen (Pilsen) – Die Austria hat den Aufstieg ins Sechzehntelfinale der Europa League mit einem Selbstfaller verpasst. Beim bereits chancenlosen Viktoria Pilsen gab die Elf von Thorsten Fink am Donnerstag eine 2:0-Führung durch Raphael Holzhauser (19.) und Lukas Rotpuller (40.) in Überzahl noch aus der Hand, unterlag schließlich 2:3 (2:1) und wurde nur Letzter der Gruppe E.

Damit rächte sich auch die unnötige 1:2-Heimniederlage gegen Astra Giurgiu vor zwei Wochen, die die Wiener den vorzeitigen Aufstieg gekostet hatte. Weil Giurgiu am Donnerstag gegen Gruppensieger AS Roma ein 0:0 holte, hätte de Austria einen Sieg gegen Pilsen benötigt – und der war zumindest bis zum 2:2 in der 72. Minute in Reichweite. Das dritte Gegentor kurz vor dem Ende (84.) war aber der Sargnagel für die Wiener. Der zweite Aufstiegsplatz ging schließlich an Giurgiu.

Die Austria ist neben Rapid und Salzburg, die schon nach fünf Spieltagen ausgeschieden waren, der letzte heimische Vertreter, der vom europäischen Parkett abtreten muss. Zudem verspielten die rund 70 Minuten mit einem Mann mehr agierenden Gäste auch 500.000 Euro für das Weiterkommen sowie eine 300.000 Euro schwere Sonderprämie für Platz zwei.

Gute erste Halbzeit

Die Gastgeber erwischten schon den besseren, weil äußerst aggressiveren, agileren Start. Sie verzeichneten nach einem Abspielfehler Holzhausers einen Stangenschuss, nur Austria-Goalie Osman Hadzikic verhinderte in der dritten Minute Schlimmeres. Kurz danach klopften die Tschechen bei einem harmlos wirkenden Bogen-Kopfball an die Latte an (4.).

Pilsens Herrlichkeit währte aber nur gut zehn Minuten. Dann wurde die Austria, bei der Dominik Prokop als Grünwald-Ersatz im Mittelfeld für eine noch jüngere, im Schnitt nicht ganz 23 Jahre alte, Elf sorgte, immer ballsicherer. Die Veilchen profitierten schließlich nicht nur von einer guten Balleroberung, sondern auch vom folgenschweren Trikotzupfer Lukas Hejdas an Felipe Pires. Hejda sah dafür Rot und hatte einen Elfer zu verantworten, den Holzhauser bombensicher verwertete.

Das dominierende Team war spätestens nach der Führung die Austria. Zwar scheiterte Jens Larsen nach schöner Holzhauser-Vorlage in hervorragender Position noch an Pilsen-Tormann Matus Kozacik (39.), schon in der nächsten Aktion aber war Rotpuller nach Eckball per Kopf zur Stelle. Doch Pilsen war auch in Unterzahl nicht ungefährlich. Das hatte sich bei einem strammen Flachschuss von Krmencik gezeigt (34./Hadzikic hielt) und wurde nach einer einstudierten Eckballvariante sichtbar, die Tomas Horava kurz vor der Pause zum Anschlusstreffer verwertete (44.).

Böses Ende

Und so blieb die Partie nach der Pause durchaus spannend. Die numerische Überlegenheit war der Austria kaum anzumerken, sie spielte lange Zeit auch keine guten Möglichkeiten heraus. Erst als Prokop eine Vorlage von Olarenwaju Kayode nur knapp verpasste, lag kurz das 3:1 in der Luft (63.). Doch Pilsen gab sich nicht auf und schaffte tatsächlich noch die Wende. Erst machte Duris das 2:2 (72.) und zwölf Minuten später mit seinem Doppelpack den Sieg perfekt (84.). Die Austria hingegen wurde im Finish nicht mehr ernsthaft gefährlich. (APA, 8.12.2016)

Europa League, Gruppe E, 6. Runde, Donnerstag

FC Viktoria Pilsen – FK Austria Wien 3:2 (1:2)
Doosan-Arena, 9.120 Zuschauer, SR Bojko (UKR)

Torfolge:
0:1 (19.) Holzhauser (Elfmeter)
0:2 (40.) Rotpuller
1:2 (44.) Horava
2:2 (72.) Duris
3:2 (84.) Duris

Pilsen: Kozacik – Petrzela, Reznik, Hejda, Kovarik – Hromada, Hrosovsky – Kopic (83. Bakos), Horava (90. Poznar), Zeman – Krmencik (58. Duris)

Austria: Hadzikic – Larsen, Rotpuller, Filipovic, Martschinko – Serbest, Holzhauser – Venuto (85. Kvasina), Prokop (70. Friesenbichler), Pires (77. Tajouri) – Kayode

Rote Karte: Hejda (18./Torraub)

Gelbe Karten: Krmencik, Petrzela, Reznik bzw. Filipovic, Friesenbichler, Martschinko, Kayode

Thorsten Fink (Trainer Austria): "Pilsen hat immer an sich geglaubt und am Ende verdient gewonnen. Unsere junge Mannschaft hat heute Lehrgeld bezahlt. Es ist ein bitterer Moment für uns, wir hätten schon gegen Giurgiu weiterkommen können. Damit muss die Mannschaft jetzt umgehen. Wir haben die ersten zehn Minuten nicht aufgepasst, dann ein sehr gutes Spiel gemacht. Das 1:2 aus einer Standardsituation kann passieren. In der zweiten Halbzeit haben wir zu wenig nach vorne gemacht, hätten mehr drücken sollen. Auf ein 2:1 kann man sich aber nicht verlassen, gegen eine erfahrene Mannschaft.

Trotzdem hat meine Mannschaft in der Europa League nicht enttäuscht. Wir haben uns am Ende selbst geschlagen, in Momenten, in denen wir nicht so große Erfahrung hatten. Die Aufgabe ist jetzt, dass wir die Mannschaft wieder aufrichten. Man muss ihnen auch sagen, dass solche Momente zum Fußball gehören. Nur dann kann man stärker werden."

Raphael Holzhauser (Torschütze Austria): "Es ist einfach dumm. Wenn man 2:0 führt, darf man vor der Pause nicht noch ein Tor bekommen. Das war der Schlüssel. Aber man darf nicht solche Tore bekommen. Wenn man solche Fehler macht, kann man nicht weiterkommen."

Lukas Rotpuller (Torschütze Austria): "Man fragt sich, wie man so etwas vergeben kann. Das ist schwer zu verstehen. Da gibt es im Moment nicht viele Worte. Es ist nicht am Gegner gelegen, sondern an uns. Es muss sich jeder an der Nase nehmen."

Roman Pivarnik (Trainer Pilsen): "Wir hatten am Anfang Chancen, lagen dann 0:1 hinten und haben aus einer Standardsituation das zweite Gegentor kassiert. In der Pause haben wir gesagt, dass wir aktiver spielen müssen, dass wir nicht spüren, einen Spieler weniger auf dem Platz zu haben. Glücklicherweise haben wir das Spiel gewendet, bei 2:2 dann noch offensiver agiert. Es hat funktioniert. Hut ab vor den Spielern, wir haben alles erfüllt, was wir uns im letzten Spiel des Jahres vorgestellt haben."

  • Ein Bild des Jammers: die Austria in Pilsen.
    foto: reuters/cerny

    Ein Bild des Jammers: die Austria in Pilsen.

  • Thorsten Fink: "Pilsen hat immer an sich geglaubt und am Ende verdient gewonnen. Unsere junge Mannschaft hat heute Lehrgeld bezahlt."
    foto: reuters/cerny

    Thorsten Fink: "Pilsen hat immer an sich geglaubt und am Ende verdient gewonnen. Unsere junge Mannschaft hat heute Lehrgeld bezahlt."

Share if you care.