Zusammenführen

Kolumne8. Dezember 2016, 17:38
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Van der Bellens Bemühen nach Zusammenführung müsste der Unterbindung des von Rechtsextremen aller Länder erfundenen Klassenkampfes zwischen dem jeweils autochthonen Volk und seinen diabolischen Eliten gelten

Der Wahlvorhang bis demnächst in diesem Theater zu und alle Fragen nach wie vor offen. Jetzt soll es also ans Zusammenführen gehen. So sehr man vom ehrlichen Bemühen des künftigen Bundespräsidenten auf diesem Gebiet überzeugt sein kann, könnte diese Rechnung ohne einige Wirte gemacht sein. Denn wo mit dem Zusammenführen beginnen? Am wirksamsten geschähe dies wohl bei den Koalitionspartnern, wäre doch, statt des bisher Gebotenen, selbst eine spät einsetzende gedeihliche Zusammenarbeit in der Regierung bis zum regulären Wahltermin 2018 die beste Garantie gegen Bürgerkriegsfantasien und Wunderversprechen. Ob die Lopatkas in der Volkspartei nun zu etwas bereit sein werden, wozu sie schon unter einem Bundespräsidenten Fischer nicht bereit waren, ist zweifelhaft, wird sich aber rasch herausstellen. Und ebenso, ob aus dem Kriterienkatalog, der eine Annäherung der SPÖ an die Schürer der Volkswut einleiten soll, je mehr wird als ein Mysterienkatalog zur Frage, wie man seine Werte verwässert, aber den Bundeskanzler ins Trockene rettet.

Eher müsste der Wunsch nach Zusammenführung der Unterbindung des von Rechtsextremen aller Länder erfundenen Klassenkampfes zwischen dem jeweils autochthonen Volk und seinen diabolischen Eliten gelten. Dieser Wunsch wird auf den erbitterten Widerstand derer stoßen, die selber der Elite angehören und diese gesellschaftspolitische Schimäre pflegen, um durch Wiederwahl weiterhin Elite zu bleiben, doch so zu tun, als wäre man Volk. Nichts hat das besser aufgezeigt als Norbert Hofers Fantasie, endlich seinem ummauerten Heim in Pinkafeld entfliehen und in der Hofburg wohnen zu können, wo blaue Elite fern vom Volk einmal jährlich tanzt.

Van der Bellens Bemühen um Zusammenführung wird auf den erbitterten Widerstand der FPÖ-Führung stoßen, denn die Wut, ob nun echt oder facebookmäßig angeheizt, ist ihr Überlebenselixier bis zum nächsten Wahltermin. Sie nährt im Gegenteil die aufgeheizte Stimmung weiter, indem sie so tut, als wäre ihrem gottgesandten Kandidaten der Sieg auf frevelhafte Weise durch die Wahlempfehlung des Vizekanzlers und ÖVP-Chefs entrissen worden. Was den Zweck hat, die Legitimität des gewählten Bundespräsidenten von Anfang an zu mindern. Geht es nach ihr, wird aus Van der Bellens Angebot zu einem Versöhnungswalzer das übliche Dirty Dancing, das zusätzlich die eigenen Fehler im Wahlkampf zudecken soll.

Den Kandidaten als politisches Chamäleon ins Rennen zu schicken, der wie dieses die Farbe seine Meinungen zu fundamentalen Fragen des Landes ständig ändert, zeigte ihn als personifizierte Strache-FP, die abzulehnen es keiner Verschwörung bedurfte, sondern nur eines halbwegs wachen Geistes vor dem Fernseher. Wenn Hofer ein Opfer wurde, dann eines seiner eigenen Partei.

Da Gott sich von ihr abgewandt hat, sollte es nicht unmöglich sein, auch Wähler von der Richtigkeit dieses Weges zu überzeugen und sie zusammenzuführen mit jener Mehrheit, die Verhetzung als Mittel der Politik ablehnt. Bei dieser FP-Führung bleibt Hopfen und Malz verloren. (Günter Traxler, 8.12.2016)

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