Vatikan erließ neue Richtlinien für Priesterausbildung

8. Dezember 2016, 14:36
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Missbrauchsprävention und soziale Netzwerke werden berücksichtigt – Schwule, die ihre Sexualität ausleben, sind ausdrücklich ausgeschlossen

Vatikanstadt – Der Schutz von Minderjährigen vor sexuellem Missbrauch soll künftig weltweit fester Bestandteil der Ausbildung römisch-katholischer Priester sein. Diesem Thema müsse "größte Aufmerksamkeit" gewidmet werden, heißt es in aktualisierten vatikanischen Richtlinien zur Priesterausbildung, die die Zeitung "Osservatore Romano" laut Kathpress am Donnerstag veröffentlichte.

Es sei darauf zu achten, das Kandidaten für das Priesteramt "in diesem Bereich nicht in ein Verbrechen oder problematisches Verhalten verwickelt gewesen sind", heißt es in dem Dokument weiter. Der Vatikan ermahnt die Bischöfe in diesem Zusammenhang dazu, "sehr vorsichtig" zu sein, wenn aus Priesterseminaren anderer Diözesen entlassene Kandidaten um Aufnahme in ihrem Seminar ersuchten.

Kurse zu Klimawandel

Die Richtlinien empfehlen auch, Frauen an der Priesterausbildung in Seminaren und Universitäten zu beteiligen. Die Fähigkeit, mit Frauen in Kontakt zu stehen und mit ihnen zusammenzuarbeiten, müsse in die Beurteilung des Kandidaten eingehen. Der Vatikan sieht zugleich Kurse zu Klimawandel und Umweltzerstörung für angehende Priester vor.

Das Dokument mit dem Titel "Das Geschenk der Priesterberufung" stammt von der Kleruskongregation, die im Vatikan für die Priesterausbildung zuständig ist. Die bisher gültige Fassung der Richtlinien für die Priesterausbildung stammt aus dem Jahr 1985. Die überarbeitete Version muss nun von den nationalen Bischofskonferenzen angewendet werden.

Der Vatikan bekräftigt den Ausschluss Homosexueller, die ihre Sexualität ausleben, vom Priesteramt sowie von Männern, die "tiefsitzende homosexuelle Tendenzen haben oder eine sogenannte homosexuelle Kultur unterstützen". Die Richtlinien zitieren hierbei ein vatikanisches Dokument aus dem Jahr 2005.

Nutzung sozialer Medien erwünscht

Angehende katholische Priester sollen nach dem Willen des Vatikan zur Nutzung sozialer Medien ermuntert werden. Damit könnten sie Kontakte aufbauen und die christliche Botschaft verkünden. Sie müssten jedoch im besonnenen Umgang mit diesen Medien geschult werden.

Die Richtlinien bekräftigen zudem, dass die Entscheidung über die Zulassung eines Kandidaten zum Priesteramt in die Kompetenz des Ortsbischofs falle. Sie empfehlen den Bischöfen jedoch nachdrücklich, ein ablehnendes Urteil der Seminarleiter und Ausbildner zu akzeptieren. Die Erfahrung lehre, dass häufig sowohl die Kandidaten selbst als auch die Ortskirchen litten, wenn sich ein Bischof über deren Stimme hinwegsetze.

Österreichische Priesterausbildner hatten die Entwicklung der neuen Leitlinien für die Priesterausbildung schon während der Entstehungsphase begrüßt. So betonte der Regens des Wiener Priesterseminars, Richard Tatzreiter, im Frühjahr in einem Beitrag für die Zeitschrift "miteinander", dass es eine solche Neuregelung brauche, da man heute in einer "völlig veränderten Gesellschaftssituation" lebe. "Man denke nur an die Entwicklung im Bereich der Kommunikationstechnik oder an die kirchlichen Erschütterungen im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch." Die bisherige "Ratio" habe "ihre Relevanz und Aktualität größtenteils verloren". In Österreich bereiten sich derzeit rund 130 Männer auf die Priesterweihe vor. (APA, 8.12.2016)

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