IST Austria: Wachstum mit Warnhinweis

8. Dezember 2016, 11:14
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Das Forschungszentrum blickt freudig auf 2016 zurück, ein Jahr, in dem zehn ERC Grants eingeworben wurden.

Wien – 95 Millionen Euro lautete die magische Grenze: Bis zu dieser Summe wollte der Bund alle vom Institute of Science and Technology (IST) Austria eingeworbenen Drittmittel verdoppeln. Erreicht hat man sogar mehr als 100 Millionen, worüber sich sogar IST-Präsident Thomas Henzinger kürzlich überrascht zeigte. Henzinger wurde nun für die dritte Amtsperiode ab 1.September 2017 bestätigt.

Als das IST Austria 2007 mit dem Anspruch gegründet wurde, international sichtbare, außeruniversitäre Forschung umzusetzen, war die Sorge groß, das Zentrum könnte einen Großteil der Mittel des seit Jahren unterdotierten Wissenschaftsfonds FWF beanspruchen. Bei einem Rückblick auf das Jahr 2016 sagten aber Henzinger, der stellvertretende IST-Chef Michael Sixt und der kaufmännische Direktor Georg Schneider, etwa 80 Prozent der Forschungsmittel kommen von internationalen Förderungen.

Allein zehn Grants des Europäischen Forschungsrats ERC konnten 2016 eingeworben werden, fünf Starting Grants, zwei Consolidator Grants und drei Advanced Grants. Mit dem Gehirnforscher Peter Jonas erhielt heuer schon der zweite IST-Wissenschafter nach Henzinger den renommierten Wittgenstein Preis. Das Führungstrio des Instituts betonte, dass man entgegen anders lautender Bemerkungen aus der Scientific Community kein ERC-Grant-Scounting betreibe. Nur zwei Wissenschafter hätten in den Jahren seit Bestehen des Instituts einen Grant des ERC mitgebracht.

Erwartungsdruck

Henzinger lobte auf Anfrage die für den FWF in Aussicht gestellte Erhöhung um 290 Millionen über vier Jahre verteilt. Er forderte aber, bald eine Lösung für Overhead-Zahlungen an Forschungsinstitute zu finden, deren Wissenschafter beim Fonds erfolgreich sind. Diese Zahlungen würden die durch Projekte entstehenden Zusatzkosten (Infrastruktur, Material, etc) abgelten.

Europaweit üblich sind 25 Prozent, in Österreich gibt es keine einheitliche Lösung dafür. Henzinger warnte davor, vom IST Austria in Hinkunft zu viel Erfolg bei Forschungscalls zu verlangen. Mit einer Quote von 40 Prozent Bewilligungen der eingereichten Arbeiten liege man derzeit über den Erwartungen und sogar über etablierten Unis wie der ETH Zürich.

Das IST Austria soll bis 2026 insgesamt 90 bis 100 Gruppen haben, mit derzeit 46 Forschungsgruppen liegt es fast im Plan. Für den weiteren Ausbau werden weitere Gebäude in Maria Gugging gebaut – unter anderem ein Laborgebäude für "Chemie", wo man noch nicht genau weiß, was dort beforscht werden könnte.

Neben dem Campus soll nach internationalem Vorbild bereits Ende 2018 ein erstes Gebäude des Technologieparks von IST Austria und der niederösterreichischen Wirtschaftsagentur Ecoplus entstehen. Drei Unternehmen seien bereits fix dabei. Ein eigenes Start-up sei aber noch nicht darunter. (pi, 8.12.2016)

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