Warum tropische Wälder dringend große Vögel brauchen

24. Dezember 2016, 13:00
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Aktuelle Studie zeigt die Bedeutung fruchtfressender Vögel für die Verjüngung tropischer Wälder auf

Frankfurt – Früchte schmecken nicht umsonst vielen Spezies: Mehr als 90 Prozent der tropischen Bäume sind auf Tiere, vor allem auf Vögel, angewiesen, damit ihre Samen verteilt werden. Eine neue Studie zeigt nun, dass große Vögel in diesem Prozess eine wichtigere Rolle spielen als kleine – und das ist zunehmend problematisch: "Es gibt immer weniger große fruchtfressende Vögel, weil ihr Lebensraum schrumpft und sie zusätzlich bejagt werden", sagt Marcia Muñoz vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum in Frankfurt am Main.

Das habe zur Folge, dass einige Pflanzen in Zukunft weniger Nachwuchs produzieren würden. "Die Zusammensetzung der Vegetation der Tropenwälder könnte sich daher tiefgreifend verändern", so Muñoz. Die Forscherin hat gemeinsam mit ihrem Team Fruchtfraß durch Vögel sowie die Etablierung von Keimlingen aus den gefressenen Samen in zwei benachbarten tropischen Wäldern im Osten der kolumbianischen Anden untersucht. Das Ergebnis erschien kürzlich im Fachjournal "Oikos".

Wer was frisst...

Die Forscher beobachteten den Verzehr von rund 17.000 Früchten durch Vögel und erfassten Details zu den jeweils beteiligten Arten. Darüber hinaus zählte das Team, wie viele Keimlinge der gefressenen Pflanzenarten sich im Untersuchungsgebiet etablieren konnten.

Dabei zeigte sich, dass Vogelarten mit einem Gewicht bis zu 1.400 Gramm mehr Früchte konsumierten und mehr Samen verteilten als Arten mit geringerem Körpergewicht. Große Vögel haben einen höheren Energiebedarf und können im Vergleich zu kleinen Vögeln ein größeres Spektrum an Früchten fressen. Eine andere wichtige Beobachtung in diesem Zusammenhang war, dass einige Pflanzen mit großen Samen ausschließlich von großen Vögeln verbreitet werden können.

...und wie was wächst

Mit Blick auf die Pflanzen stellte sich heraus, dass Früchte mit kleinen Samen häufiger gefressen wurden als Früchte mit großen Samen, da sie von allen Vögeln – ob klein oder groß – verspeist werden können. "Wenn die großen Fruchtfresser aus den tropischen Wäldern verschwinden, verlieren daher nicht nur Pflanzen mit großen Samen, sondern auch die mit kleinen Samen und Früchten ihre wichtigsten Ausbreiter", so Muñoz.

Damit der Wald sich erneuern kann, müssen Pflanzen aber nicht nur ihre Samen verbreiten, sondern im nächsten Schritt ihre Keimlinge etablieren. Dabei sind Pflanzen mit großen und schweren Samen offenbar erfolgreicher als von Pflanzen mit leichten Samen. Die Forscher vermuten, dass großsamige Pflanzenarten ihre geringere Verbreitungsrate anscheinend durch einen Wettbewerbsvorteil gegenüber kleinsamigen Pflanzen kompensieren – indem sie etwa den geringen Lichteinfall in tropischen Wäldern und andere schädliche Umweltbedingungen besser tolerieren können.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass Pflanzen mit großen Samen besonders erfolgreich sind und einen wesentlichen Teil der Vielfalt tropischer Wälder ausmachen. Wenn wir tropische Wälder in ihrer Vielfältigkeit erhalten wollen, müssen wir daher große Fruchtfresser schützen: Sie sind essentiell für den Erhalt dieses Ökosystems", sagt Matthias Schleuning (ebenfalls Senckenberg), Mitautor der Studie. (red, 24. 12. 2016)

  • Große Fruchtfresser wie der Blautukan (Andigena hypoglauca) sind für Tropenwälder wichtig.
    foto: matthias schleuning/senckenberg

    Große Fruchtfresser wie der Blautukan (Andigena hypoglauca) sind für Tropenwälder wichtig.

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