Mann fuhr mit Auto auf Familie zu: Einweisung in Anstalt

7. Dezember 2016, 17:07
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Versuchte Frau und zwei Kinder sowie Passanten zu überfahren

Graz – Ein Rumäne ist am Mittwoch im Grazer Straflandesgericht von einem Geschworenensenat in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen worden. Er soll im Mai versucht haben, seine Familie in der Stadt mit dem Auto zu überfahren. Der Mann wurde als nicht zurechnungsfähig eingestuft. Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig.

Der Fall hatte vor dem Hintergrund der Amokfahrt mit drei Toten, die knapp ein Jahr davor in der Grazer Innenstadt stattgefunden hat, für Aufregung gesorgt. Doch bald stellte sich heraus, dass der 30-Jährige tatsächlich konkret seine Frau und die beiden Kinder im Visier gehabt hat und nicht wahllos auf Menschen zugefahren war. Trotzdem hätte es beinahe einen Unbeteiligten erwischt, da sich ein Passant in unmittelbarer Nähe der Frau befunden hatte.

"Er hat nach der Tat gesagt, er wollte alle umbringen", betonte Staatsanwalt Christian Kroschl. Der Rumäne war zuvor schon mehrmals in einer Nervenklinik in Behandlung gewesen, setzte dann aber selbst die Medikamente ab. Im Mai hatte er mit seiner Frau einen heftigen Streit, weil er das Gefühl hatte, sie würde ihn betrügen. Sie bekam Angst und ging zur Polizei, wo ihr ein Betretungsverbot in Aussicht gestellt wurde. Doch bevor das noch zum Tragen kommen konnte, entdeckte der Mann seine Familie auf der Straße und rastete aus.

Prellungen und Platzwunden

Er gab Gas, fuhr quer über die Fahrbahn und steuerte genau auf die Frau und die beiden Kleinkinder im Doppelkinderwagen zu. Seine Frau stieß den Kinderwagen weg und wurde vom Auto noch am Oberschenkel erfasst. Die Kinder erlitten Prellungen und Platzwunden, ein Passant konnte gerade noch auf die Seite springen. Der psychologische Gutachter Manfred Walzl bescheinigte dem Mann paranoide Schizophrenie, daher wurde er nicht wegen vierfachen Mordversuchs angeklagt.

"Warum habe Sie das gemacht?", fragte Richter Raimund Frei. "Ich war mit den Nerven fertig. Die Polizei war bei mir zu Hause und ich hatte einen Schock", antwortete der 30-Jährige. Er war außerdem der Überzeugung, dass das jüngste der drei Kinder des Paares – eines war beim inkriminierten Vorfall nicht dabei – nicht von ihm sei.

Unter den Zeugen war auch die Ehefrau des Betroffenen. Zu ihren Verletzungen meinte sie, das sei "nicht so schlimm gewesen." Als der Richter ihr sagt, dass ihr Mann sie zurückhaben möchte, antwortete die Zeugin: "Das will ich auch. Das alles war keine Absicht von ihm, er war krank, weil er seine Tabletten nicht genommen hat", erklärte sie. "Haben Sie nicht Angst, dass das wieder passiert?", wollte der Richter wissen. "Nein", gab sich die Ehefrau zuversichtlich.

Vorläufig wird es aber mit dem erneuten Zusammenleben nichts werden, denn der 30-Jährige wurde auf unbestimmte Zeit in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen. Diese Entscheidung ist nicht rechtskräftig. (APA, 7.12.2016)

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