Reagan-Chefberater Feldstein: "Trump wird die Jobs nicht zurückbringen"

Interview9. Dezember 2016, 09:00
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Die Steuern in den USA gehören gesenkt, da hat Trump recht, sagt Martin Feldstein. Einige Vorschläge seien aber sinnlos – Mit Podcast

Wien – Donald Trump wird ein zentrales Versprechen nicht halten können. Die Industriejobs der Vergangenheit erledigen heute Maschinen. Daran werde sich auch unter Trump nichts ändern, sagt Martin Feldstein, der frühere ökonomische Chefberater von Ronald Reagan, im Interview mit dem STANDARD. Feldstein hat seit fast 50 Jahren jeden republikanischen Präsidenten beraten. Auch wenn der nächste Präsident der USA umstritten ist, kann der Harvard-Ökonom einigen Vorschlägen viel abgewinnen.

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STANDARD: Sie kannten Reagan sehr gut. Wenn man sich die Vorschläge Donald Trumps – niedrigere Steuern, mehr Geld für das Militär – ansieht: Wie viel Reagan steckt in ihm?

Feldstein: Es gibt Parallelen, aber auch große Unterschiede. Ronald Reagan war acht Jahre lang Gouverneur Kaliforniens, des größten Staats der USA. Er hatte also jede Menge Erfahrung in der Politik, hat sich auch immer wieder öffentlich zu Steuer- und Wirtschaftspolitik geäußert. Donald Trump ist neu. Wir wissen nicht, was er wirklich machen wird. Es hängt auch sehr davon ab, was er mit dem Kongress aushandeln kann.

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Martin Feldstein (links) mit Obama-Vorgänger George W. Bush.

STANDARD: Sie kennen die Vorschläge Trumps. Kann er die US-Wirtschaft vorantreiben?

Feldstein: Wenn er eine Reihe von Dingen, von denen er geredet hat, richtig umsetzt, ja. Aber die Lage der Wirtschaft ist schon sehr gut. Als Reagan 1981 Präsident wurde, kam die US-Wirtschaft aus einer tiefen Rezession. Jetzt haben wir quasi Vollbeschäftigung. Viel Raum für Verbesserung gibt es nicht. Die Produktivität und Qualität der Jobs kann aber steigen.

STANDARD: Die Ungleichheit ist in den USA enorm. Ist jetzt die Zeit, die Steuern für Besserverdiener so stark zu senken, wie Trump das will?

Feldstein: Als Reagan gewählt wurde, lag der höchste Steuersatz für Löhne bei 50 Prozent, als er 1989 aus dem Amt schied, bei 28 Prozent. Jetzt sind es 40 Prozent. Sie sind stark gestiegen, es gibt jetzt Druck, sie wieder zu senken. Auch bei den Unternehmen. Die USA haben viel höhere Steuern für Unternehmen als Europa, das ist ein Hindernis für Investitionen. Das wird er, glaube ich, ändern.

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Die Steuern müssen sinken, sagt Harvard-Ökonom Martin Feldstein.

STANDARD: Trump will Industriejobs zurück in die USA holen. Geht das?

Feldstein: Jobs in der Industrie machen weniger als zehn Prozent aus. Das kann man ein bisschen hochschrauben, aber substanziell wird sich da nichts ändern. Der Großteil der Jobs ist nicht in Billiglohnländer abgewandert, sondern durch die Automatisierung wegrationalisiert worden. Wir können heute viel mehr mit weniger Arbeitern herstellen. Das wird sich eher noch beschleunigen.

STANDARD: Wenn Trump die Produktion also von Mexiko zurück in die USA holt, werden nicht Menschen, sondern Roboter die Arbeit erledigen?

Feldstein: Wir werden die Jobs nicht zurückbringen. Ein kluger Unternehmer in der Industrie wird die Dinge, die man automatisieren kann, in den USA herstellen. Für die Teile, für die er viele Arbeiter braucht, geht er in Länder mit niedrigeren Löhnen. Daran wird sich nichts ändern.

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Trumps Wirtschaftsprogramm bewertet Feldstein gemischt.

STANDARD: Trump will die Infrastruktur der USA verbessern. Das sollen aber private Firmen, nicht der Staat machen. Ist dieser Ansatz sinnvoll?

Feldstein: Nicht sehr. Ich fände es zwar schön, wenn jemand meine Straße herrichten würde. Ich sehe aber nicht, wie ein Unternehmen damit Gewinn machen sollte. Das gilt auch für Brücken und Tunnel. Bei Flughäfen könnte mehr Privateigentum Sinn machen. Aber das hat alles Grenzen. Die 1.000 Milliarden Dollar, die Trump anstacheln möchte, das geht nicht.

STANDARD: Bei der Debatte über den Brexit und auch im US-Wahlkampf wurde viel auf "die Elite" geschimpft. Recht viel mehr Elite als Sie geht nicht. Sie sind Professor in Harvard, arbeiten für Präsidenten, besuchen die Bilderberg-Konferenzen. Warum mögen die Leute Sie nicht?

Feldstein: Sie mögen nicht mich nicht, sie sind verärgert über Leute, die sagen, sie seien dumm. Wenn Clinton die Trump-Wähler als erbärmlich und ahnungslos bezeichnet, ist das ein gutes Beispiel dafür, wie die Elite auf sie herabblickt. Und das gefällt ihnen nicht.

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1982: Ronald Reagan mit seiner Frau Nancy.

STANDARD: Wie bewerten Sie den Ausstieg Trumps aus dem Pazifik-Handelspakt TPP?

Feldstein: Obama hat das Abkommen vernachlässigt, auch Clinton hat angekündigt, es nicht weiterverfolgen zu wollen. Außenpolitisch ist der Ausstieg ein Problem. Wir haben viele Länder aufgefordert, das mit uns zu machen. Jetzt laufen wir davon. Das schaut nicht gut aus. Aus wirtschaftlicher Sicht war nicht viel drin. Aber was unser Ansehen in Asien und der Welt betrifft, tut das weh. (Andreas Sator, 9.12.2016)

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Ein Buch, das klüger macht

foto: gregory mankiw
DER STANDARD hat Martin Feldstein um einen Buchtipp gebeten, der Leser klüger macht. Nach einigem Hin und Her entschied er sich "altmodisch" für ein Lehrbuch. "Economics" von Greg Mankiw sei zwar keine gute Bettlektüre, man lerne aber, wie Ökonomen denken. (sat)
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