UN-Tribunal: Lebenslang für Ex-General Mladić gefordert

7. Dezember 2016, 16:23
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Anklage: Ehemaliger bosnisch-serbischer Armeechef verdiene "Höchststrafe", alles andere wäre "Beleidigung der Opfer"

Den Haag / Banja Luka / Sarajevo – Die Anklage des UN-Kriegsverbrechertribunals hat eine lebenslange Haftstrafe für den serbischen Ex-General Ratko Mladić wegen Völkermords gefordert. Mladić sei schuldig für die schlimmsten Kriegsverbrechen im Bosnienkrieg von 1992 bis 1995, erklärte Ankläger Alan Tieger am Mittwoch in Den Haag vor dem UN-Tribunal in seinem Schlussplädoyer. Das Urteil soll im November 2017 verkündet werden.

Der 74-jährige Mladić, der auch als "Schlächter des Balkans" bekannt ist, verdiene die Höchststrafe, sagte der Ankläger. "Es wäre eine Beleidigung der Opfer – lebend oder tot- und ein Affront gegen die Justiz, eine andere Strafe zu verhängen als die rechtlich schwerst mögliche: lebenslang."

Vier Jahre dauernder Prozess

Der bereits mehr als vier Jahre andauernde Prozess ist der letzte des UN-Tribunals zu den Verbrechen im Bosnienkrieg, in dem mehr als 100.000 Menschen getötet worden waren. Mladić ist wegen des Massenmordes von Srebrenica sowie Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in insgesamt elf Fällen angeklagt.

Im März war der damalige Serbenführer Radovan Karadžić, ein enger Vertrauter Mladićs, als politisch Verantwortlicher für den Völkermord in Srebrenica schuldig gesprochen und zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Karadžić legte Berufung ein.

Unter Leitung von Mladić hatten serbische Einheiten 1995 die damalige UN-Schutzzone Srebrenica überrannt. Danach ermordeten sie rund 8000 muslimische Männer und Jungen. Mladić war nach 16 Jahren auf der Flucht 2011 festgenommen worden. Das Ziel Mladićs war die ethnische Säuberung Bosnien-Herzegowinas, erklärten die Ankläger. "Er wollte die Muslime auslöschen." Als ein zentrales Beweisstück zitierten sie die "Direktive 7" von Mladić und Karadžić. Darin ordnen sie an, dass "eine unerträgliche Situation geschaffen wird, ohne Hoffnung auf Überleben oder Leben."

In ihrem drei Tage dauernden Plädoyer hatten die Ankläger Dokumente und Videos gezeigt und Zeugenaussagen verlesen. "Die Beweise sind überwältigend", sagte Tieger. Mladić habe Städte wie Srebrenica oder Sarajevo massiv unter Beschuss genommen, die Bevölkerung ausgehungert. Der Angeklagte, gekleidet in einem hellen Anzug, drehte sich bei der Präsentation oft zur Seite und sah zur Zuschauertribüne. Ab Freitag haben die Verteidiger das Wort. Mladić war nach ihrer Darstellung nur ein untergeordneter Offizier ohne Befehlsgewalt. (APA, 7.12.2016)

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