Die vier Reiter der Apokalypse beeinflussten Felltypen der Pferde

8. Dezember 2016, 17:12
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Menschliche Vorlieben bei der Fellfärbung und –Musterung haben sich über die Zeit und die Kulturen stark verändert

Berlin – Auch die Farben und Musterungen von Pferden waren in früheren Zeiten Modetrends unterworfen. Wie ein internationales Wissenschafterteam nun nachgewiesen hat, dominierten seit Beginn der Domestizierung bis zur Römerzeit gefleckte und helle Pferde. Im Mittelalter dagegen waren einfarbige, nichtgescheckte Pferde beliebter.

Die Studie unter der Leitung von Wissenschaftern vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) zeigt, dass die Mannigfaltigkeit der Fellfarben bei Pferden seit ihrer Domestizierung 3.500 vor unserer Zeitrechnung stark von kulturellen Unterschieden geprägt wurde. Um die Geschichte der Pferdezüchtung zu untersuchen, analysierten die Wissenschafter mehr als 200 Proben historischen Pferde-Erbguts und entdeckten dabei insgesamt 14 verschiedene Fellfarbtypen.

Am Beginn standen sechs Varianten

Frühe Züchtungen zeigten sechs Farbvarianten, von denen drei bereits in der Zeit vor der Domestikation vorkamen. Während der Bronzezeit (2.700 – 900 v. u. Z.) und der Eisenzeit (900 v. u. Z. – 400 u. Z.) stieg die Zahl der Farbvarianten von sechs auf neun an, was den Wunsch der Menschen nach neuen Farbmustern zu verdeutlichen scheint. Gefleckte und helle Pferde waren während dieser Epochen weit verbreitet.

Im Verlauf des Mittelalters nahm die Attraktivität gescheckter Pferde ab und einheitlich gefärbte Pferde, unter ihnen besonders Füchse, dominierten. Die Religion hat dabei wahrscheinlich eine wichtige Rolle gespielt. Zu Beginn des Mittelalters bevorzugten Herrscher, beeinflusst vom biblischen Text "Die Offenbarung des Johannes" aus dem Neuen Testament, helle und gescheckte Tiere.

Vier apokalyptische Reiter

Die Offenbarung beschreibt vier verschiedenfarbige Pferde für die vier apokalyptischen Reiter. Der Reiter des Sieges besitzt ein weißes oder geschecktes Pferd, der Reiter der Hungersnot reitet einen Rappen, der Reiter des Todes sitzt auf einem Braunen und der Reiter des Krieges kommt auf einem Fuchs daher. Aufgrund verschiedener Seuchenzüge (u.a. Pest) änderte sich dieser Symbolismus: der einzige "gute" Reiter, der Reiter des Sieges, wurde durch eine weiteren "bösen" Reiter, den Reiter der Krankheiten und Seuchen, ersetzt.

Dadurch waren weiße und gescheckte Pferde nun ebenfalls negativ belegt, was sich in der gefundenen Abnahme ihrer Häufigkeit in den Untersuchungen widerspiegelt. Weitere Gründe für den Rückgang von hellen Schecken könnten Verbesserungen in der Waffentechnik wie die Erfindung des Langbogens gewesen sein, da diese Pferde zweifellos ein leichter zu treffendes Ziel darstellten.

Bisher gibt es nur wenig Aufschluss über historische, züchterische Umgestaltungen unserer Haustiere. Die meisten Erkenntnisse beschäftigen sich mit neuzeitliche Züchtungen. "Pferde haben erhebliche züchterische Veränderungen durchlaufen, vor allem während der letzten Jahrhunderte. Es kann zu falschen Schlüssen über die Geschichte der Hauspferde führen, wenn nur moderne Rassen untersucht werden", sagt Arne Ludwig, Wissenschafter am Leibniz-IZW. (red, 8.12.2016)

  • Die vier Reiter der Apokalypse, hier im mittelalterlichen Werk "Beato de Fernando I Doña Sancha" (1047) dargestellt, brachten einige Felltypen der Pferde in Misskredit.
    foto: apoc. vi, 1–8f. 135; shelf 14-2 national bibliothek, madrid

    Die vier Reiter der Apokalypse, hier im mittelalterlichen Werk "Beato de Fernando I Doña Sancha" (1047) dargestellt, brachten einige Felltypen der Pferde in Misskredit.

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