Nach der Wahl ist vor der Wahl

Kolumne7. Dezember 2016, 11:14
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Was die Bundespräsidentenwahl mit der Bildung in Österreich zu tun hat

In der Nachbetrachtung einer A) global bedeutsamen und B) einer in Österreich global bedeutsamen Wahl glaube ich mit Verlaub die großen Erklärungsmodelle für die jeweiligen Wahlsiege nicht sehr.

A) glaube ich nicht, dass Donald Trump gewonnen hat, weil die Amis alle spinnen; und B) glaube ich nicht, dass Van der Bellen gewonnen hat, weil das Establishment angetreten ist, Hofer zu verhindern (interessant übrigens, dass Österreich offensichtlich zur Hälfte aus Establishment besteht, damit sind wir wenigstens establishmentanteilmäßig die Nr. 1 in der Welt, wenn wir schon beim Ballspielen und Skifahren nix reißen).

Wenn du mich fragst, hat ja Trump primär deswegen nicht verloren, weil Hillary Clinton so dermaßen verloren hat. Ich halte es da mit John Irving, der in seinem Essay im STANDARD die rhetorische Frage gestellt hat: Wo sind die 6,5 Millionen Demokraten geblieben, die Obama gewählt hatten, aber Hillary nicht?

Und ich halte es mit mir selber: Wäre ich Amerikaner, hätte ich zuerst Bernie Sanders gewählt und dann niemanden mehr. Und ganz bestimmt nicht Hillary Clinton.

Denn ich wähle, wenn ich wählen gehe, nicht ein großes Übel, um ein noch größeres zu verhindern.

Warum jetzt dieser Sermon in einer Schule-Kolumne? Weil Österreich zumindest e i n e n Kandidaten hatte, der kein Übel war, und weil ich das jetzt ganz bewusst auch als Lehrer sage.

Ich glaube zwar nicht, dass "mit Hofer der 3. Weltkrieg" gekommen wäre, wie das meine Kollegin an der HAS/HAK Hollabrunn angeblich ihren Schülern verklickert hat (die Schulbehörde wurde eingeschaltet), aber der Kandidat für eine verbindende, offene und nach vorn gerichtete Schulpolitik, wie sie, falls es wieder hart auf hart kommt, oberste Chefsache werden müsste, war Alexander Van der Bellen.

Florian Klenk schrieb im "Falter" sinngemäß: "Das Schulkonzept der FPÖ setze nicht auf Integration, sondern auf Aussonderung." Richtig, und weil auch das Modell Aussonderung endlich abgewählt gehört, bitte ich dich, liebes Bildungsministerium, jetzt höflich um die Konzepte für die gemeinsame Schule 6-14. In der Lade liegen sie ja bereits ... ?:-) (Niki Glattauer, 7.12.2016)

  • Österreich hatte zumindest  einen Kandidaten,  der kein Übel war.
    foto: standard/corn

    Österreich hatte zumindest einen Kandidaten, der kein Übel war.

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