Pisa-Studie: Das Leben als Schulrisiko

Kommentar6. Dezember 2016, 18:05
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Das größte Risiko der "Risikoschüler" hat meist gar nicht so sehr mit der Schule zu tun

Pisa, die große internationale Schulleistungsschau, ist wieder einmal geschlagen – und Österreich erneut im Mittelfeld. Ist das gut? Gut genug, weil nicht total schlecht? Nein, es ist natürlich zu wenig. Mittelfeld ist Mittelmaß. Nur Minimalisten werden sich damit begnügen.

Fast jeder dritte Schüler in Österreich gilt in zumindest einem Testgebiet als "Risikoschüler", weist also "gravierende Mängel" auf. Aber was heißt "Risikoschüler" eigentlich? Welches Risiko? Für wen? Wer ist hier ein Risiko?

Die Bildungspolitik täte gut daran, sich diese Fragen systematischer anzusehen. Dann wäre schnell klar: Das größte Risiko dieser "Risikoschüler" hat meist gar nicht so sehr mit der Schule zu tun. Sie ist quasi Symptomträgerin.

Für diese Kinder ist ihr Leben in oft schwierigsten Verhältnissen, in vielfältig belasteten Familien der wirkmächtigste Grund, der sie am Lernen hindert. Ein multiples Chancendefizit, auf das die Schulpolitik bewusster reagieren müsste. Leistung braucht oft Unterstützung, Hilfe, Förderung (das gilt übrigens auch für das "Risiko" Hochbegabung). Das "Risiko" der Risikokinder gefährdet nicht nur deren Chancen auf ein gutes Leben. Es betrifft die ganze Gesellschaft. Sie sollte ein Interesse daran haben, diesen Kindern Möglichkeiten zu geben. Das wird jene, die einen familiären Startvorteil haben, nicht einschränken. Denn eine Gesellschaft mit mehr stärkeren, lebenskompetenten Menschen wird immer gestärkt sein, nie geschwächt. (Lisa Nimmervoll, 6.12.2016)

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