"Islamischer Staat" in Libyen: Noch lange nicht vorbei

Kommentar6. Dezember 2016, 17:59
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Mit Sorge blicken Experten auf den nächsten Ausbreitungsort des IS

Sirte, die einstige libysche Hauptstadt Muammar al-Gaddafis, ist eine Lektion über die Realität im Kampf gegen den "Islamischen Staat" (IS). Wann wurde sie zum ersten Mal vom IS befreit, seit im Mai die zweite Offensive – die erste scheiterte 2015 – begonnen hat? Am Montag war es wieder so weit. Auch diesmal kamen zwar ein paar Stunden nach der Siegesmeldung Relativierungen, aber die Niederlage der Terrororganisation ist diesmal wohl endgültig besiegelt.

Aber Sirte lässt erahnen, was in Mossul los ist, der zweitgrößten Stadt des Irak, die der IS zur Hauptstadt seines "Kalifats" erkoren hatte. Während Premier Haidar al-Abadi die Befreiung bis zum Jahresende ankündigt, ist es klar, dass der Kampf noch Monate dauern wird: bis Mossul als völlig befriedet gelten kann, vielleicht Jahre. Und im syrischen Raqqa hat der Kampf noch nicht einmal begonnen.

Ausgelöscht wird der IS auch dann noch nicht sein, wenn er von dem Territorium, das er zur Hochzeit seiner Ausbreitung gehalten hat, vertrieben ist. Mit Sorge blicken Experten auf den Sudan, den sie für einen möglichen nächsten Ausbreitungsort des IS sehen: ein schwacher Staat, der kaum Kontrolle über sein Territorium hat und jede Menge soziale und wirtschaftliche Probleme, die die Bevölkerung radikalisierbar machen. Auch in Libyen bedeutet der Sieg in Sirte nicht den der Regierung im ganzen Land. Es ist noch lange nicht vorbei. (Gudrun Harrer, 6.12.2016)

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